«Polska, nicht Polka!»

Schwedische Volksmusik mit Jazz, Rock und alter Musik verbinden: Das ist die Mission des Schweizer Schweden Björn Meyer und seines Trios Bazar Blå.

Bazar Blå: Björn Meyer, Johan Hedin, Fredrik Gille (v l. n. r.).

Bazar Blå: Björn Meyer, Johan Hedin, Fredrik Gille (v l. n. r.).

Feedback

Tragen Sie mit Hinweisen zu diesem Artikel bei oder melden Sie uns Fehler.

Das ungewöhnlichste Instrument bei Bazar Blå – jedenfalls für einen Nichtschweden – ist die Nyckelharpa. Wie funktioniert sie?
Ihre Vorläuferin ist die Drehleier. Wie bei dieser betätigt man bei der Nyckelharpa mit der ­linken Hand Tasten, die dann auf die Saiten ­drücken. Die Nyckelharpa hat allerdings viel mehr Saiten, und rechts streicht man die Saiten mit einem Bogen. Die Nyckelharpaspieler mögen es nicht, aber man könnte das Wort mit «Tasten­fiedel» übersetzen.

Wie alt ist die Nyckelharpa?
Uralt. Erste Aufzeichnungen kennt man aus dem Jahr 800. Man hat sie bis heute immer ­weiterentwickelt, um mehr Töne zu haben, einen schöneren Klang. Am Anfang gab es fünf ­Melodietöne, heute ist sie vollchromatisch.

Die Melodien von Bazar Blå haben oft ein mittelalterliches Feeling. Kommt das sozusagen automatisch mit dem Instrument?
Nein. Das kommt aus uns Musikern so raus. Ich persönlich habe keinen Bezug zur Mittelaltermusik, anders als viele «Wikinger-Bands» in Schweden, die die alte Musik aufrechterhalten wollen. Aber ich spiele oft mit iranischen und arabischen Musikern zusammen, und da gibt es einen ähnlichen Umgang mit Harmonien wie in der schwedischen Volksmusik.

Auch der Groove ist bei Bazar Blå sehr wichtig, er ist aber eher fliessend als aufpeitschend. Ist das typisch für schwedische Volksmusik?
Das kommt ganz klar von unserem Perkussionisten Fredrik. In der Volksmusik gibt es erst seit kurzem Trommeln, früher war das Schlagwerk von der Kirche verboten. Das, was wir ­heute als schwedische Volksmusik kennen, hat sich ab dem 16. Jahrhundert im Austausch mit Polen entwickelt.

Mit Polen? Gibt es deshalb Bazar-Blå-Stücke, die das Wort «Polka» im Titel haben.
Polska, nicht Polka! Mit s. Das ist sehr wichtig für die Dänen und die Schweden (lacht). Die Polska ist im Dreivierteltakt, die bei den Dänen beliebte Polka im Zweivierteltakt. Ein Gerücht besagt, die polnische Musik habe Teile in beiden Taktarten gehabt. Der eine wäre dann in Dänemark hängen geblieben, der andere in Schweden.

Und ist die Polska auch Tanzmusik?
Ja. Die schwedische Volksmusik ist auf dem Tanzboden entstanden. Im Wesentlichen gab es eine Geige, die Melodien spielte, und der Rhythmus kam vom Tanz. Die Spielmänner mussten die Melodie oft wiederholen und begannen zu ­variieren. Jede Wiederholung ist ein bisschen neu. Ich glaube, diese Freude an der kleinen melodischen Variation hört man auch bei uns.

Eindeutig. Ist es Ihnen wichtig, dieses Wissen ?über Volksmusik mit Neuem zu verbinden?
Musik muss lebendig bleiben. Gegen die Haltung, Jazz muss so klingen und Volksmusik so, habe ich mich immer gesträubt. Für mich als ­Bassisten ist es sowieso lustig, diese Musik zu ­machen, denn eigentlich gibt es in der schwedischen Volksmusik keinen Bass. Diese Lücke hat mich interessiert, genauso wie andere Musik­kulturen. Zum Beispiel: Wie funktioniert bei einem persischen Oud-Spieler die rechte Hand?

Interessanterweise wurden Bazar Blå 1996 gegründet, genau in dem Jahr, in dem Sie von Schweden in die Schweiz zogen. Wollten Sie sich unbedingt ein Standbein dort erhalten?
Nein, die Band musste entstehen, weil sie uns dreien so viel Spass gemacht hat. Tatsächlich habe ich damals vier Bands in Schweden gehabt und wollte sie alle am Leben erhalten. Aber das ging gar nicht. Nur Bazar Blå sind geblieben. (Tagesanzeiger.ch/Newsnet)

Erstellt: 15.02.2017, 16:02 Uhr

Infobox

Die Redaktion auf Twitter

Stets informiert und aktuell. Folgen Sie uns auf dem Kurznachrichtendienst.

Kommentare

Blogs

Sweet Home Bereit für eine «Staycation»?

Nachspielzeit Frauenfussball zieht nicht. So einfach ist das.

Abo

Digitale Abos - Neu ab 18.- pro Monat

Den Tages-Anzeiger unbeschränkt digital lesen. Flexibel und jederzeit kündbar
Neu nur CHF 18.- pro Monat

Die Welt in Bildern

Süsse Handarbeit: In der Schokoladenfabrik 'La muchacha de los chocolates' platziert ein Arbeiter eine Kirsche in eine mit Schokolade ausgekleidete Form. (21. Juli 2017)
(Bild: Andres Stapff) Mehr...