Gwunderfaktor

Von Dominik Dusek. Aktualisiert am 10.02.2012

Neueröffnung: Eine Handvoll Leute verwandelte in Baden das alte Kino Royal in ein aussergewöhnliches Musik- und Kulturlokal – mit selbem Namen.

An der Eröffnung vom letzten Oktober war im und vor dem Royal der Teufel los.

An der Eröffnung vom letzten Oktober war im und vor dem Royal der Teufel los.

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Schön sieht es aus, wie ein Palast alten Schlages. Dass das ehemalige Kino Royal in Baden heute noch solche Grandezza ausstrahlt, verdankt es einer Handvoll Leuten, die Ende 2010 Unterschriften gegen seine Abtragung sammelten. 3900 Unterschriften in drei Wochen, um genau zu sein. Drei Jahre lang darf das Royal jetzt zwischengenutzt werden.

Aus dem ehrwürdigen Lichtspielhaus wurde ein Ort «für die Subkultur». In Baden habe ein solcher gefehlt, sagt Fränzi Biedermann, die gemeinsam mit einem Kollegen das Programm gestaltet. Die Besonderheit des umgewidmeten Kinos entspricht dem, was sie am meisten reizt: «das Spartenübergreifende, die Möglichkeit, zu einer Veranstaltung immer noch etwas mit Gwunderfaktor dazuzustellen». Nach einer Lesung Peter Stamms gab es den Film «Signers Koffer» zu sehen; und die makabren Puppenspieler des Splätterlitheaters werden demnächst nach der Vorstellung als DJs amten.

Am öftesten bucht Biedermann aber Konzerte. Und zwar zu Beginn «nur solche, die wir wirklich wollen, denn das Royal muss ja noch sein Profil aufbauen». Darum haben die Betreiber – ein loses Team von etwa zehn Menschen – auch schon Anfragen abgelehnt. «Grössere, kommerzielle Agenturen sehen: ‹Hui, das ist ja schön da›, und versuchen, ihre Künstler unterzubringen. Aber wir wollen nichts, was in Richtung Firmenveranstaltung geht.»

Gemeinsam mit Freunden, die früher im Klub Herbert aktiv waren, hat man so Perlen aus Indie und Rock ’n’ Roll geholt – etwa für diese Woche die belgischen Isbells. Eine weitere Spezialität ist die Video-Jukebox, die donnerstags 16 Bildschirme speist. Zur Eröffnung Ende Oktober 2011 stauten sich in kurzer Zeit Menschenmassen an den royalen Pforten, bis heute zieht der Ort «im Durchschnitt 100 Leute zu Veranstaltungen an, davon die Hälfte aus Zürich», sagt Fränzi Biedermann.

Das Engagement bringt viel Freude – und Arbeit. Für den Kulturort Royal arbeiten von den Betreibern bis zu den Barkeepern hin alle unentgeltlich. Noch knapp drei Jahre solls gehen. Und dann? Wer weiss, schliesslich hat die Kantonale Denkmalpflege Baden «mit Nachdruck empfohlen», das Royal zum kommunalen Schutzobjekt zu machen.

Do 20.30 Uhr: Isbells (BE), Radical Face (US)
Fr 21 Uhr: Splätterlitheater, Splätterli DJ Kollek Tief
Sa 21 Uhr: Uta Köbernick (Texte / Kabarett)
(Zueritipp)

Erstellt: 09.02.2012, 17:40 Uhr

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