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Fleischlos grillieren10 Alternativen zum Halloumi

Nichts gegen den Grillkäse, eigentlich, wenn man fleischlos grillieren will. Nur: Er landet einfach zu oft auf dem Teller – obwohl es doch so viele Alternativen gäbe. So schneiden sie im Vergleich zum Quietschkäse ab.

Tofu, Gemüse oder irgendein Grillkäse: Es gibt ein Leben jenseits des Halloumi.
Tofu, Gemüse oder irgendein Grillkäse: Es gibt ein Leben jenseits des Halloumi.
Foto: Alamy Stock Photo

Er kommt unweigerlich. Weil da oft nichts anderes ist. Weil wir es gewohnt sind: der Griff zum Halloumi. Obwohl er – sind wir ehrlich – nur an einem Ort richtig gut schmeckt: in Athen, irgendwo abseits der überlaufenen Altstadt, in einem kleinen Lokal, wo man nur Einheimische antrifft, weil Touristen den Ort nicht kennen. Vielleicht noch auf Zypern in einer Strandbeiz. Wenn man ihn mit Ouzo herunterspült.

Da diese Optionen in diesem Jahr für die wenigsten infrage kommen, landet Halloumi einmal mehr tausendfach auf dem Grill. Im Käseland Schweiz! Obwohl er nach nichts (also: Salz) schmeckt und komische Geräusche macht, wenn man ihn auch nur ein paar Sekunden erkalten lässt.

Die Grossverteiler (und die Kleinen) machen es einem nicht gerade einfach, den Übergrillkäse zu ignorieren. Stets liegt er im Regal, in einer schlichten Verpackung, die ohne Chichi auskommt, selbst der Name ist ja irgendwie schnörkellos. Vor allem, wenn man ihn richtig (griechisch) ausspricht: «Challumi», das «ch» ist kaum hörbar und so farblos wie der Käse selber.

Doch gibt es überhaupt Alternativen zu diesem Stück Käse aus Kuh-, Ziegen- oder Schafmilch? Wir lassen zehn fleischlose Kandidaten gegen ihn antreten.

Auch Käse, aber anders

Hübsch, aber nicht das Wahre: Grillkäse.
Hübsch, aber nicht das Wahre: Grillkäse.
Foto: PD/Baer

Noch nie gab es so viele verschiedene Grill- und Bratkäse zu kaufen wie heute. Sie tragen lustige Namen wie Fromella, Hot Cheesy oder Grill Panada und schmecken nicht nach Gummi, sondern tatsächlich nach Käse und quietschen nicht beim Draufbeissen. Es gibt sie mit Kräutern versetzt oder Currymarinade, die dann leider auch an den Händen kleben bleibt, wenn man versucht, sie aus dem Plastik zu schälen . Es kommt auch vor, dass die Grillade mehr Fondue ist als Käse, oder dieser in den Kohlen landet. Oder man muss ihn von den Stäben kratzen. Halloumi schmilzt nie. Der erste Punkt geht an den Halloumi.

Vegiburger

Vegiburger: extrem vielfältiger als Halloumiburger.
Vegiburger: extrem vielfältiger als Halloumiburger.
Foto: Getty Images/iStockphoto

Ups, darf man sie noch so nennen? Wir haben mittlerweile ein ziemliches Durcheinander, jetzt, wo es klare Richtlinien gibt, wie die fleischlosen Alternativen zu Wienerli, Pouletgeschnetzeltem und Schnitzeln heissen sollen. Jedenfalls: Kunstfleisch aus Pflanzenmaterial in Form eines Pattys, das man dann am besten in ein Bun oder zwischen zwei Brotscheiben stopft. Macht viel her. Auch geschmacklich, vor allem im Vergleich mit dem Halloumi. Punkt an den Burger.

Salatherzen

Rauch über dem Roten Chicoree – das ist ein gutes Zeichen!
Rauch über dem Roten Chicoree – das ist ein gutes Zeichen!
Foto: Getty Images/iStockphoto

Klingt nach einem Gemüsethriller, gell? Auf die Idee, Salat zu grillieren, kommen die wenigstens, dabei gibt es nichts Einfacheres. Beachten muss man nur eines: Einzelne Blätter verbrennen schnell, besser, man nimmt die Herzen von Kopfsalat, Chicoree, Kohl oder Romana. So ganz allein schmecken sie aber nicht nach viel. Mit einer Marinade oder einer flotten Salatsauce (zum Beispiel im Caesar Salad) sieht das schon ganz anders aus. Ein Punkt für das Grünzeug, ganz klar.

Kartoffelsalat

Die Kartoffeln mal anbrennen lassen: Härdöpfelsalat vom Grill.
Die Kartoffeln mal anbrennen lassen: Härdöpfelsalat vom Grill.
Foto: Getty Images/iStockphoto

Nein, wir meinen nicht die obligate Beilage beim Grillfest. Sondern Kartoffeln, die man erst mal auf dem Herd knackig kocht und dann in einer Grillpfanne (wenn möglich mit Deckel) noch weich werden und leicht anrösten lässt. Das schmeckt dann als Salat so köstlich, dass man sich fragt, warum man das nicht schon immer so gemacht hat. Tipp: Obwohl wir sonst eher auf Mayonnaisesauce plädierenhier ist weniger mehr. Also eine klare Sauce mit Bouillon und vielen frischen Kräutern. Mit dem Halloumi vergleichen kann man das aber nicht. Unentschieden.

Vegiwürste

Tofuwürste. Wirklich ganz o. k.
Tofuwürste. Wirklich ganz o. k.
Foto: Getty Images/iStockphoto

Und wieder die Frage: Darf beispielsweise ein Tofuerzeugnis sich Wurst nennen? Wir haben uns endlich schlaugemacht: – Ja, man darf. Ein Ausdruck wie Tofucervelat wäre aber verboten. Jedenfalls: Leider sind Vegiwürste rar. Selbst in den Bioläden findet sich bei der Grillware oft nur – haha: Halloumi. Wenn man Glück hat, gibt es Grillknackerli. Sie werden ihrem Namen nicht gerecht (egal, wie lange man sie grilliert, knackig sind sie wohl nur ganz verkohlt), aber das macht nichts – ihre Konsistenz (wie eine richtige Wurst!) schlägt jene des Halloumis bei weitem. Punkt für die Vegiwurst.

Gemüse

Aufgespiesst und gut gewürzt: Langweilig bleiben die Gemüsestückli trotzdem.
Aufgespiesst und gut gewürzt: Langweilig bleiben die Gemüsestückli trotzdem.
Foto: Getty Images/iStockphoto

Ach je! Gemüse auf dem Grill ist und bleibt furchtbar langweilig. Es sei denn, man hat ein richtiges Feuer gemacht. Und legt Beispielsweise Auberginen in die Kohlen oder hält sie in die Flammen. Und löffelt sie dann, sobald sie innen weich und aussen verkohlt sind, aus, und mischt das Fleisch mit Zitronensaft, gepresstem Knoblauch, Olivenöl, Petersilie, eventuell Tahini, Meersalz und vielleicht ein wenig Pfeffer. Yotam Ottolenghi gibt Granatapfelsirup dazu. Dann heisst es Baba Ganoush (oder Auberginenmus) und ist die beste Sauce, der beste Dip, die beste Beilage (oder Hauptspeise, je nachdem) überhaupt. Aber sonst? Ist Gemüse wirklich eher öde. Punkt für den Halloumi.

Spiessli

Was für Spiesser: Hier mit falschem Poulet der Firma Planted.
Was für Spiesser: Hier mit falschem Poulet der Firma Planted.
Foto: PD

Ein bisschen besser schneiden Gemüsestückli ab, wenn man sie aufspiesst, auch weil sie selten allein sind auf den Stäben. Spiessli sind ja sowieso die Spassmacher unter der Grillware! Weil sie Grenzen und Regeln ignorieren und auf gutes Timing pfeifen. Vielleicht ist der Tofu ja mal zu weich und lässt sich nicht aufreihen, und ja, manchmal hätten den Zwiebelstücken zwei, drei Minuten längeres Rösten gutgetan, während die Zucchetti bereits verkohlt sind. Aber: Abwechslung macht das Leben süss. Punkt für die Spiessli.

Kofu

Kofu: So etwas wie gebratener Hummus.
Kofu: So etwas wie gebratener Hummus.
Foto: Zeevi

Erst kürzlich haben wir ein Produkt entdeckt, das an sizilianisches Street-Food erinnert: Dort assen wir einst Tätschli aus zerstampften Kichererbsen. Kofu istder Name sagt esvon der Konsistenz her ähnlich wie Tofu (auch eine Alternative zu Halloumi, übrigens, bitte gut marinieren), besteht jedoch aus Kichererbsen. Grossartig! Erhältlich bei Alnatura oder in guten Bioläden. Sticht Halloumi locker.

Fladenbrot

Da ist was angebrannt – und das ist gut! Fladenbrot aus der Grillpfanne.
Da ist was angebrannt – und das ist gut! Fladenbrot aus der Grillpfanne.
Foto: Getty Images/iStockphoto

Kann man gut über dem Grill machen (Deckel für die Pfanne nicht vergessen). Auch Knoblauchbrot oder Scheiben für Bruschetta bekommen einen köstlichen Rauchgeschmack, wenn man sie über dem Grill zubereitet. Mit dem Halloumi sind sie allerdings nicht vergleichbar. Keine Punkte.

Quorn-Erzeugnisse

Ein Steak aus Schimmelpilz, äh, Quorn. Danke, aber nein, danke. Nicht mal, wenn die Pfanne vorher auf dem Grill gestanden hat.
Ein Steak aus Schimmelpilz, äh, Quorn. Danke, aber nein, danke. Nicht mal, wenn die Pfanne vorher auf dem Grill gestanden hat.
Foto: Getty Images/iStockphoto

Wir haben seit der Erfindung von Quorn Mühe damit: Eine Mischung aus Schimmelpilz, Eiweiss aus Hühnereiern und noch ein paar Vitaminen, das ist suspekt. Obwohl sich die Migros, die den Fleischersatz in der Schweiz unter dem Namen Cornatur vertreibt, ja Mühe gibt mit all den Formen, in denen Quorn mittlerweile erhältlich ist (auch zum Grillieren). Das Verdikt lautet trotzdem: Danke, aber nein, danke. Klarer Sieg: Halloumi.

5:3 für die Alternativen! Nicht, dass uns das erstaunen würde. Oder wie sehen Sie das?