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Indonesien trauertSturzfluten, Schlammströme und Schiffsunglück fordern über 120 Tote

Heftige Regenfälle haben auf mehreren Inseln Indonesiens sowie auf Osttimor verheerende Erdrutsche und Sturzfluten ausgelöst.

Auf der Insel Lembata wurden ganze Teile von Dörfern durch Schlammlawinen einen Berghang hinuntergerissen.
Auf der Insel Lembata wurden ganze Teile von Dörfern durch Schlammlawinen einen Berghang hinuntergerissen.
Foto: Ricko Wawo (AP/Keystone)

Bei mehreren Naturkatastrophen und einem Schiffsunglück sind am Osterwochenende in Indonesien und Osttimor mehr als 120 Menschen ums Leben gekommen. Die Behörden befürchteten am Montag, dass die Zahl der Opfer noch steigen könnte.

Besonders betroffen waren die kleinen Nachbarinseln Lembata und Adonara östlich der auch bei Urlaubern beliebten Insel Flores. Sturzfluten, Schlammlawinen und Erdrutsche hinterliessen eine Spur der Zerstörung. Ganze Dörfer waren abgeschnitten. Aus den braunen Wassermassen ragten Trümmerteile, Wellblech-Dächer und abgerissene Baumstämme. «Indonesien trauert wieder», schrieb die Nachrichtenagentur Antara News.

Auf Lembata starben mindestens 20 Menschen durch eine Schlammlawine vom Vulkan Lewotolo. Mehr als 60 weitere wurden vermisst, nachdem am Sonntag ihre Dörfer und Häuser von schnell talwärts fliessenden Laharen (Strömen aus Schlamm und Schutt) getroffen worden waren, wie Behördensprecher Thomas Ola aus der Provinz Ost-Nusa Tenggara der Deutschen Presse-Agentur sagte.

Vorausgegangen waren sintflutartige Regengüsse. Soldaten und Polizei waren im Einsatz, um die Menschen in Sicherheit zu bringen. Viele Anwohner warteten, knietief im Wasser stehend, auf Hilfe. «14 Dörfer sind immer noch vollkommen abgeschnitten, die Strassen sind unzugänglich», erklärte Ola.

Die Zahl der Todesopfer werde wahrscheinlich steigen, da noch immer Informationen aus den Dörfern gesammelt würden. Der rund 1400 Meter hohe Vulkan war im Dezember erstmals nach 2012 wieder ausgebrochen. Seither schiesst der Lewotolo immer wieder heisse Aschewolken in den Himmel.

Auf der nahe gelegenen Insel Adonara führten massive Regenfälle am Sonntag zu Sturzfluten und starken Überschwemmungen. Die Zahl der Todesopfer sei bis Montag auf 73 gestiegen, berichtete der Sender Metro TV. Gebäude wurden mitgerissen, eine Brücke stürzte ein.

Die Bergungsarbeiten dauerten an, viele Opfer hätten noch nicht geborgen werden können. Die meisten Toten wurden nach Angaben der Zeitung «Kompas» im Dorf Nelelamadike verzeichnet, wo Dutzende Häuser nach Erdrutschen unter dickem Schlamm begraben wurden.

Jedoch gebe es kaum Transportmöglichkeiten zu den Dörfern, betonte der Sprecher der Katastrophenschutzbehörde, Raditya Jati. Die Insel sei nur über das Meer erreichbar, die Verbindungen seien wegen des starken Wellengangs unterbrochen. «Wir versuchen, die Insel nun auf anderem Weg zu erreichen als über den Ozean.»

Auf der noch weiter östlich gelegenen Insel Alor sorgten schwere Niederschläge ebenfalls für Verwüstungen. Hier starben mindestens elf Menschen. Auch im angrenzenden Zwergstaat Osttimor starben mindestens 21 Menschen. Die Inselrepublik war 2002 unabhängig geworden. «Diese Katastrophe hat in der gesamten Bevölkerung viel Leid verursacht», sagte Präsident Farncisco Guterres.

Entwarnung war noch nicht in Sicht: Meteorologen sagten für Teile Indonesiens für die nächsten Tage weiterhin Extremwetter mit Starkregen, Stürmen und hohen Wellen voraus.

In dem südostasiatischen Land, dem weltgrössten Inselstaat, kommt es in der Regenzeit zwischen Oktober und April immer wieder zu Naturkatastrophen. Auch liegt das Land mit seinen etwa 130 aktiven Vulkanen auf dem sogenannten pazifischen Feuerring, der geologisch aktivsten Zone der Erde.

Schwere See behinderte auch die Rettungsarbeiten nach der Kollision eines Fischerbootes mit einem Frachtschiff vor der Küste der indonesischen Hauptinsel Java. Das Boot war am Samstag gesunken. Bei dem Unglück kamen mindestens zwei Menschen ums Leben, 15 weitere wurden vermisst. Das Suchgebiet sei am Montag auf 33 Seemeilen (rund 61 Kilometer) vergrössert worden, berichtete Deden Ridwansah, der Leiter der Such- und Rettungsbehörde in der Stadt Bandung.

SDA/chk/sep