Andere Gemeinden wären am Slow-up dabei

Die Gemeinde Herrliberg steht mit ihrer Ablehnung des Slow-up allein auf weiter Flur. Weder die unteren Seegemeinden, noch Spital oder Fähre sperren sich gegen den Anlass.

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Der Herrliberger Gemeinderat verhindert mit seiner ablehnenden Haltung zum alljährlichen Slow-up, dass die Seestrasse entlang dem gesamten rechten Zürichseeufer für einen Tag zum Paradies für Velofahrer, Skater und Fussgänger wird. Statt gemütlich von Schmerikon nach Zürich zu radeln – wo gleichentags ebenfalls ein autofreier Sonntag stattfindet – werden die über 50'000 Teilnehmer am 28. September ab Feldmeilen wieder wie gewohnt auf den sonntäglichen Autoverkehr achten müssen. Neben Herrliberg und Erlenbach, das schon lange von einer Teilnahme träumt, müssten aber auch Küsnacht und Zollikon ihr Einverständnis geben, damit schliesslich die gesamte Seestrasse im Bezirk autofrei wäre.

Die Zolliker Gemeindepräsidentin Katharina Kull-Benz (FDP) hat eine dezidiert andere Haltung als der frühere Gemeindepräsident, der immer strikt gegen diesen Anlass war. Zwar sei auch sie nicht gerade erpicht darauf, die Seestrasse zu sperren, doch der Zolliker Gemeinderat habe beschlossen, grünes Licht für die Veranstaltung zu geben, sagt Kull. Aber nur, wenn auch die anderen Gemeinden zustimmten.

Respekt vor Herrliberger Entscheid

«Weil auch Zürich am gleichen Tag einen autofreien Sonntag beschlossen hat, macht es noch mehr Sinn für uns», sagt Kull. Mit dem Ausfall der diesjährigen Züri-Metzgete – einem internationalen Radrennen – falle zudem eine Veranstaltung weg, welche die Gemeinde in der Vergangenheit verkehrstechnisch stark belastet habe. Kull betont ausserdem, dass die Entscheidung, mitzumachen, im Gemeinderat von Jahr zu Jahr neu verhandelt werden müsse.

Ähnlich tönt es aus Küsnacht. Die Gemeinde würde im Prinzip mitmachen, sagt Gemeinderätin Ursula Gross Leemann (FDP), «aber nur unter der Bedingung, dass auch alle anderen mitziehen». Ins gleiche Horn bläst Ratskollege Markus Ernst (FDP): «Was Herrliberg entscheidet, ist deren Angelegenheit, das respektieren wir. Wir hätten sicher mitgemacht.»

Die Zürichsee-Fähre Horgen-Meilen ist vom Slow-up direkt betroffen. Geschäftsführer Hans Isler (SVP) musste sich in seiner Funktion als Meilemer Gemeindepräsident gleich doppelt mit dem Thema auseinandersetzen. «Der Gemeinderat steht geschlossen hinter dem Anlass», sagt er. Der Fährbetrieb hingegen habe dafür kämpfen müssen, dass die Zu- und Wegfahrten zur Fähre sichergestellt seien. «Wir kennen das Prozedere langsam, und unser Konzept hat sich über die Jahre bewährt.» Von einem finanziellen Verlust mag Isler nicht reden: Hunderte von Velofahrern würden an jenem Tag die Fähre benützen. Ein grosser Teil des drohenden Verlusts würde dadurch kompensiert.

Gemeindepräsident mit Herzinfarkt

Zurück nach Herrliberg: Gemeindepräsident Rolf Jenny (SVP) findet generell, dass Kantonsstrassen nicht für Volksfeste gesperrt werden sollten. Auch für Ambulanzfahrzeuge sei es viel schwieriger durchzukommen. «Ich weiss, wovon ich spreche. Beim Slow-up vor drei Jahren hatte ich einen Herzinfarkt und musste von meiner Frau von Herrliberg ins Spital gefahren werden», sagt Jenny. «Über die verschiedenen Bergstrassen dauerte das viel länger, als über die Seestrasse.»

Im Spital Männedorf aber ist man für den Slow-up gerüstet: Ein zweites Rettungsteam mit Rettungswagen wird bereitstehen. Weder habe man in der Vergangenheit schlechte Erfahrungen gemacht, noch sehe man einen Grund, das Einsatzdispositiv zu ändern, sagt ein Sprecher des Spitals. (Tages-Anzeiger)

Erstellt: 29.08.2008, 08:02 Uhr

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