Angriff vertagt

Ein Schotte trägt viele Hoffnungen der Beatschmiede-Kunst auf den Schultern.

Wird Hudson Mohawke noch zum Häuptling der Vornewegmusik?

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Ross Birchard hat uns neue internationale Rechtschreibung gelehrt: TNGHT – sprich «Tonight» – hiess das Duo, das der 29-jährige Schotte bis Ende 2013 mit seinem kanadischen Produzentenkollegen ­Lunice bildete. Gemeinsam stellten sie die Welt der ­fetten Beats komplett auf den Kopf. Oder zumindest rüttelten sie gehörig an ihren Grundfesten. Und dazu genügten ihnen gerade mal fünf Stücke.

Wuchtbrummiger, klirrender und weckrufartiger als auf ihrer EP aus dem Jahr 2012 hatten Instrumentalstücke seit Ewigkeiten nicht mehr geklungen. Sie hatten den ratternden, nischigen Trap-Sound – dieses hektische Gemisch aus Tanz-Elektronik und Hip-Hop – auf ­Allgemeingültigkeit getrimmt. Ihr Sound war so jetzt, so präsent, so Alarm, so in die Fresse, dass jeder danach lechzte und ab sofort von Birchard – Künstlername Hudson Mohawke – Wunder erwartete. So auch Kanye West, der ihn für sein letztes Album zurate zog und bei seinem Label unter Vertrag nahm. Als für dieses Jahr mit ­«Lanterns» ein neues Soloalbum angekündigt wurde, war für alle klar: Das wird eine der Platten des Jahres.

Allein, das ist nicht passiert. Gar nichts ist passiert. Von «Lanterns» redete nach der Veröffentlichung niemand mehr. Warum? Weil das Album daran krankt, dass sein Urheber die Radikalität von einst zu sehr mit Pop verschränken wollte. Mit sanften Refrains, mit heruntergedimmtem Ambiente. Immerhin: Live zeigt er dem Vernehmen nach – verstärkt mit Schlagzeuger, feschen Visuals und Stroboskop – immer noch die Zähne.

(Zueritipp)

Erstellt: 28.10.2015, 14:27 Uhr

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