«Anstand allein ist noch kein Programm»

Beatrice Simon heisst die Chefin der abtrünnigen Berner Ex-SVPler. Sie sagt, auch wenn viele der neuen Partei wenig Kredit gäben, werde man Erfolg haben.

Feedback

Tragen Sie mit Hinweisen zu diesem Artikel bei oder melden Sie uns Fehler.

Mit Beatrice Simon sprach Verena Vonarburg, Münsingen

Frau Simon, eine Partei lebt von Köpfen. Warum hat sich kein Schwergewicht aus Ihren Reihen für das Präsidium der bürgerlich-demokratischen Partei (BDP) zur Verfügung gestellt?

Im Moment haben wir eine kantonal-bernische Partei gegründet, und wir hatten nicht das Gefühl, dass wir jemand national Bekanntes an der Spitze bräuchten. Wir werden ausserdem noch Köpfe benötigen, wenn wir im Herbst die nationale Partei gründen werden. Doch auch so sind durchaus nicht nur No-Names im Vorstand der neuen BDP.

Im Gegensatz zu älteren Mitgliedern setzen Sie selbst mit dem Austritt aus der SVP Ihre politische Karriere aufs Spiel.

Das stimmt. Wenn ich mich in der SVP still gehalten hätte, wäre ich in zwei Jahren kantonale Fraktionschefin geworden. So hätte ich mich wahrscheinlich auch auf eine Nationalratsliste setzen lassen können und, und, und. Aber ich war nicht mehr bereit, die Politik der SVP mitzutragen. Ausschlaggebend war für mich der inakzeptable Rauswurf der Bündner SVP-Sektion.

Sie sagten in Ihrer Antrittsrede, Sie seien sicher, die neue Partei werde das Spiel gewinnen. Welches Spiel?

Ich habe die Politik mit dem Fussball verglichen. Im Fussball will jede Mannschaft als Siegerin vom Platz gehen. Wir wollen auch gewinnen. Es geben uns viele Beobachter wenig Kredit zurzeit, aber wir wollen beweisen, dass wir Kredit verdient haben.

Ist der Anspruch, die anständigere, moralisch bessere SVP zu sein, nicht etwas wenig für die Gründung einer neuen Partei?

Das haben mich schon viele gefragt. Mir ist bewusst: Anstand allein ist noch kein Programm. Aber sehr viele vermissen diesen Anstand heute bei der SVP. Das zeigt auch der grosse Aufmarsch an der Gründungsversammlung. Und das zeigen mir die Reaktionen. Der Anstand ist für mich zentral. Hart in der Sache, aber fair. Wir wollen auch sonst andere Akzente setzen.

Wie wollen Sie sich denn ganz konkret abheben von der SVP?

Zuerst einmal sind wir keine Oppositionspartei. Wir wollen Verantwortung übernehmen. Und dann sind wir für die bilateralen Verträge mit der EU.

Christoph Blocher will die Personenfreizügigkeit auch nicht mehr bekämpfen.

Das ist aber ein Rückwärtssalto, den viele Leute nicht wirklich verstehen. Im Übrigen ist auch die Ökologie ein Thema bei uns.

Wie wird Ihre Umweltpolitik denn aussehen?

Das ist noch zu früh, da kann ich noch keine konkreten Punkte aufzählen. Die müssen wir zuerst erarbeiten. Wir haben in der kurzen Zeit erst ein sehr grobes Parteiprogramm zusammenstellen können.

Ihnen ist ein peinlicher Lapsus mit dem Parteinamen passiert. Der zuerst gewählte existiert schon. Wie konnte das geschehen?

Es ist unschön, das stimmt, aber es musste eben alles sehr schnell gehen. Ausserdem ist es auch schwierig, herauszufinden, ob irgendeine Gruppierung einen Namen früher schon verwendet hat.

Haben Sie die Website www.bdp.ch reserviert?

Ja.

Unter dieser Adresse findet sich jedoch bereits ein Advokaturbüro.

Ich müsste rasch nachschauen, wie unsere Adresse genau heisst.

Und wer finanziert die neue Partei?

Durch die Mandatsträger haben wir etwas zugut. Das sind rund 80'000 Franken. Plus die Mitgliederbeiträge. Und wir werden auch von Spendern unterstützt. Das Geld sollte knapp reichen.

Erstellt: 11.07.2008, 15:30 Uhr

Blogs

Mamablog Die Tage der Ehe sind gezählt

Blog Mag Das Ende der Seifenoper

Service

Ihre Spasskarte

Mit Ihrer Carte Blanche von diversen Vergünstigungen profitieren.

Die Welt in Bildern

Lange Nase: Tänzer zeigen eine Episode ihres Stücks vor dem Opernhaus in Sydney. (22. August)
(Bild: EPA/DAVID MOIR ) Mehr...