Ansturm auf länger geöffnetes Glatt an Allerheiligen

Das Einkaufszentrum Glatt in Wallisellen bleibt samstags bis 20 Uhr offen. Was einige Angestellte ärgert, freut die Kunden. Am Samstag war der Ansturm enorm.

Im Glattzentrum herrschte am Samstag auf allen Etagen Hochbetrieb. Die Läden waren bis 20 Uhr geöffnet.

Im Glattzentrum herrschte am Samstag auf allen Etagen Hochbetrieb. Die Läden waren bis 20 Uhr geöffnet. Bild: DANIEL KELLENBERGER

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Die Verkäuferin in der Modeboutique ist empört. Ab jetzt müsse sie nicht nur an den Wochentagen bis 20 Uhr arbeiten, sondern auch samstags. Sie möchte aus Angst vor Repressionen anonym bleiben und lässt ihrem Zorn freien Lauf. «Das ist eine Schweinerei», sagt sie. Die Bedürfnisse der Angestellten seien zweitrangig. Alles würde sich nur um den Profit drehen. «Die würden sogar ihre Grossmutter verkaufen, wenn das Kohle brächte», schimpft sie. Mit den Vorwürfen ist die Betriebsgesellschaft des Glattzentrums gemeint. Im letzten Sommer hat sie beschlossen, den Abendverkauf am Freitag von 21 Uhr auf 20 Uhr zu verkürzen und die Verkaufszeiten am Samstag von 18 Uhr auf 20 Uhr zu verlängern.

In einer Medienmitteilung liess die Betriebsgesellschaft verlauten, dass «die Massnahmen primär den Bedürfnissen der Konsumenten» angepasst würden. Ausserdem werde so die «Wettbewerbsposition des Einkaufszentrum gesichert.» Das stösst nicht nur den Angestellten sauer auf, sondern auch die Gewerkschaft Unia äussert sich öffentlich gegen die Ausdehnung der Ladenöffnungszeiten. Zusammen mit den Beschäftigten will sie nun «Wege suchen, um sich Gehör zu verschaffen». Im Zürcher Einkaufszentrum Letzipark tobt seit Monaten ein Streit um längere Öffnungszeiten. Am Samstag protestierte dort das Verkaufspersonal mit einer ausserordentlichen Arbeitspause.

Doch wie sieht die Stimmung bei der Kundschaft im Glattzentrum aus? Zu Tausenden strömen die Leute an diesem trüben Samstag ins Einkaufszentrum. Nicht nur die Kleider- und Lebensmittelläden werden gestürmt, auch in den Restaurants und Beizen herrscht Hochbetrieb. Vor den Kassen bilden sich lange Warteschlangen. Weder die Wartezeiten beim Parkieren noch das dichte Gedränge in den Geschäften halten die Leute vom «Lädele» ab.

Mitleid mit den Angestellten

Linda Kägi aus Kloten stürzt sich ins Getümmel und findet es super. «Man kann lange ausschlafen und am späten Nachmittag trotzdem noch shoppen gehen», sagt die Schülerin. Ihre Freundin nickt. Sie sei erst um 16 Uhr im Glatt eingetroffen und habe trotzdem viel Zeit zum Einkaufen.

Ein älterer Herr lacht über diese Einstellung. «Wenn man pleite gehen will, kann man dieses Ziel bis um 18 Uhr erreichen», sagt er. Er habe Mitleid mit den Angestellten und halte die Ausdehnung der Öffnungszeiten für unnötig. «Die Familien der Arbeitnehmer und ihre Freizeit kommen zu kurz, nur damit einige Leute länger shoppen können», sagt er.

Das Einkaufen könne einem auch verleiden, sagt Marianne Schärer aus der Stadt Zürich. Wegen des kalten Wetters hat sie das Glattzentrum der Bahnhofstrasse vorgezogen. Sie sitzt erschöpft auf einer Sitzbank. Es habe ihr zu viele Leute, sagt sie. Das liege wohl daran, dass Allerheiligen sei und viele Geschäfte andernorts, wie in Deutschland, geschlossen seien. Und Weihnachten stehe vor der Tür.

Eine Angestellte in einem Schuhgeschäft bestätigt die Aussage. Man solle sich nicht beirren lassen vom Massenansturm in die Geschäfte. Bis Weihnachten kämen die Leute zahlreich. In dieser Zeit seien die verlängerten Öffnungszeiten auch akzeptabel für sie. Danach herrsche hier aber gähnende Leere, da würden diese neuen Regelungen der Verkaufszeiten auch nichts mehr nützen. Leere Geschäfte und gelangweilte Angestellte – dies konnte man sich aber an diesem Samstag nur mit viel Fantasie vorstellen. (Tages-Anzeiger)

Erstellt: 02.11.2008, 21:58 Uhr

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