«Aufräumen nicht vergessen»

Das neue Jugenddienst-Team der Stadtpolizei Uster scheint den Ton der Teenager zu treffen.

Ausweiskontrolle am Samstagabend: Die Polizisten Laurent von Rotz und Anica Stüssi klappern regelmässig die Treffpunkte der Ustermer Jugendlichen ab.

Ausweiskontrolle am Samstagabend: Die Polizisten Laurent von Rotz und Anica Stüssi klappern regelmässig die Treffpunkte der Ustermer Jugendlichen ab. Bild: Seraina Boner

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«Guten Abend, wie geht es euch?» – Laurent von Rotz scheint die Jugendlichen, welche am Samstagabend vor dem Ustermer Schulhaus Dorf versammelt sind, zu kennen. Mit geübtem Blick hält der Polizist nach Alkoholflaschen und Abfall Ausschau. Vom korrekten Verhalten der Gruppe überzeugt, erkundigt er sich über allfällige Beobachtungen der Teenager. Bereitwillig geben diese Auskunft und präsentieren auf Verlangen ihre Ausweise. Von Rotz’ Kollegin Anica Stüssi protokolliert die Angaben, wobei sie jeweils auch die Handynummer des Informanten festhält.

Abneigung gegen Uniform

Dies sei nötig, um die Jugendlichen im Falle eines Verbrechens um Hinweise bitten zu können, erklärt von Rotz den Zweck der Aufzeichnung. Zusätzlich verteilen sie Visitenkarten mit ihren Kontaktdaten. Statt des Polizei-Logos tragen die Kärtchen eine bunte Überschrift: Jugenddienst. Auch bezüglich der Ausrüstung unterscheiden sich von Rotz und Stüssi von den «normalen» Ordnungshütern: Ihre Zivilkleidung wird lediglich durch eine helle Outdoor-Weste und ein Funkgerät ergänzt.

Mit dem zivilen Auftritt möchte der Jugenddienst die Hemmschwelle der Teenager überwinden. Viele hätten eine Abneigung gegen uniformierte Polizeibeamte, weiss von Rotz. Seine Kompetenzen indes würden durch die fehlende Uniform nicht beschnitten. «Wir können im Notfall ohne weiteres Verhaftungen durchführen», stellt er klar. Wenn nötig schreite der Jugenddienst auch bei Straftaten älterer Bürger ein.

Eistee in der Whisky-Flasche

Um bei Bedarf verfügbar zu sein, übermittelt von Rotz der Einsatzzentrale der Kantonspolizei laufend seine Koordinaten. «Wir sind unterwegs zum See», meldet er, während der graue Opel in Richtung Apothekerstrasse rollt. Eine Gruppe Jugendlicher, welche sich am Strassenrand aufhält, wird auf das Auto aufmerksam. Der Zafira des Jugenddienstes sei bekannt, meint Stüssi schmunzelnd, als ihr die Teenager zuwinken.

Am Schiffsteg angelangt, bestätigt sich der Eindruck, dass die Jugendpolizei bei ihrem Zielpublikum bestens akzeptiert ist. «Hallo, ihr habt ja neue Westen!», begrüsst ein etwa 17-Jähriger die beiden Beamten. «Damit könnt ihr glatt auf Safari gehen», ergänzt sein Nebenmann lachend. Nachdem die vorwitzigen Teenager versichert haben, ihren Abfall zu beseitigen, verschiebt sich das Jugenddienst-Team nach Greifensee. Beim Bahnhof entpuppt sich der Inhalt einer Whisky-Flasche, die vier 16-Jährige mit sich führen, als Eistee.Eine erste heikle Situation scheint sich kurz vor Mitternacht in der Badi Greifensee anzubahnen: Bei einer Ausweiskontrolle am Seeufer schlägt den Polizisten eine Wolke süsslichen Rauchs entgegen. Trotz einer gründlichen Durchsuchung der Anwesenden kommt jedoch kein Marihuana zum Vorschein. Von Rotz beschliesst, noch einen Abstecher zum Segelclub zu machen, wo er eine weitere Grill-Gesellschaft vermutet. Tatsächlich haben sich dort rund 20 junge Erwachsene um ein Feuer versammelt. Bis auf einen Taschenlampenvergleich zwischen von Rotz und einem angeheiterten Jugendlichen verläuft die Kontrolle allerdings ereignislos.

Tumult um Handtasche

Mittlerweile hat der Stundenzeiger auf von Rotz’ Uhr den Zenit überschritten. Die beiden Jugendpolizisten beschliessen, noch einmal das Ustermer Ufer des Greifensees abzuschreiten. Ein kleiner Tumult entsteht, als von Rotz eine scheinbar verlassene Handtasche identifizieren will. «Ihr habt kein Recht, die Tasche zu durchsuchen!», empört sich ein Anwesender. Seine Kollegen erkennen jedoch Stüssi und von Rotz. Die beiden würden nur ihren Job machen, beschwichtigen sie den Aufrührer. Schliesslich beruhigt sich die Stimmung, und die Jugendpolizisten verabschieden sich: «Einen schönen Abend noch – vergesst das Aufräumen nicht!» (Tages-Anzeiger)

Erstellt: 10.04.2011, 23:28 Uhr

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