Bad Guys made in USA

Das Weisse Haus wird gestürmt. Regisseur Roland Emmerich sagt, sein Actionfilm spiegle das das giftige politische Klima der USA wider.

Es ist ein Emmerich-Film, also muss möglichst viel kaputtgehen.

Es ist ein Emmerich-Film, also muss möglichst viel kaputtgehen.

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Jamie Foxx platzt fast vor Stolz: «In nur einem Jahr», prustet der Texaner, «habe ich den Aufstieg geschafft vom Sklaven vor dem Sezessionskrieg zum Präsidenten der USA!» Der Schauspieler steckte mitten in den Dreharbeiten zu Tarantinos «Django Unchained», als Regisseur Roland Emmerich («Independence Day») in Louisiana aufkreuzte, um Foxx für «White House Down» zu gewinnen. Emmerich, der beim Pressetermin in Mexiko neben seinem Star sitzt, lacht: «Jamie trug einen Bart und sein Sklaven-Outfit. Ich hatte ein bisschen Angst vor ihm.»

Der toughe Foxx verkörpert den Präsidenten naturgemäss nicht als Weichei, sondern als Nikotinkaugummi-kauenden, fitten Charismatiker, der in Laufschuhe schlüpft, als Terroristen das Weisse Haus stürmen. «Es ist aber nicht so, dass ich Obama imitiere», sagt Foxx und lacht: «Oder höchstens ein bisschen.» Den Grossteil der Terroristen-Bekämpfung übernimmt Sicherheitsmann John Cale (Channing Tatum), der gerade mit seiner zwölfjährigen Tochter an einer Tour durch das Weisse Haus teilnimmt, als sich die Bösen der Pennsylvania Avenue 1600 bemächtigen.

Diese Bad Guys, das ist der bissige Dreh, den sich der liberale Emmerich erlaubt, sind keine gesichtslosen Nordkoreaner wie zuletzt im staubtrockenen «Olympus Has Fallen», sondern einheimische Idioten aus dem militärisch-industriellen Komplex. Sie ticken aus, weil die Taube im Oval Office versucht, Frieden zu schliessen mit den Feinden im Nahen Osten. «In den USA», sagt der Wahlamerikaner Emmerich, «haben wir ja gegenwärtig eine sehr starke Polarisierung, es ist etwa 50 / 50 zwischen den Demokraten und den Republikanern, und ich habe das Gefühl, es wird immer giftiger.» Wo der Regisseur steht, sieht man übrigens auch daran, dass er einen der Terroristen von Jason Clarke spielen lässt, dem Folterknecht aus «Zero Dark Thirty».

Emmerich geht die Sache schön verspielt an, weshalb «White House Down» trotz unorigineller Actiondramaturgie zum Vergnügen wird. So erlaubt sich der Zerstörungsspezialist auch einen Hieb gegen die «Die Hard»-Filme: Er nennt seinen Helden fast gleich, John Cale statt John McClane, und er lässt diesen die Bösen ebenfalls im Unterhemd bekriegen – wobei sein Darsteller, Channing Tatum, noch ein bisschen knackiger ist als Bruce Willis. (Zueritipp)

Erstellt: 04.09.2013, 15:04 Uhr

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