Balkan-Disco Grodoonia ist pleite

Das Grodoonia war einst Schauplatz eines Brandanschlags und beherbergte die Pop-Queen und Kriegsverbrecher-Witwe Ceca. Jetzt ist der Club geschlossen.

Lepa Brena sang 2008 im Grodoonia – ebenso die «Madonna des Balkans», Ceca Raznatovic.

Lepa Brena sang 2008 im Grodoonia – ebenso die «Madonna des Balkans», Ceca Raznatovic.

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Ein paar Zeilen, die heute Mittwoch im Amtsblatt der Stadt Zürich erschienen sind, rufen das Ende einer Institution aus. Die Balkan-Disko Grodoonia ist pleite. 16 Jahre lang war der Club im vierten Stock einer unwirtlichen Überbauung in Rümlang eine Bühne für die Pop-Queens aus Südosteuropa. Lepa Brena, Seka Aleksic – und allen voran Ceca Raznatovic. Jeder ihrer Auftritte sorgte jeweils für Schlagzeilen. Nicht, weil Ceca auch den Ruf als «Madonna des Balkans» geneisst, sondern weil die Sängerin die Witwe von Zeljko Raznatovic ist – auch bekannt als «Arkan der Schlächter», einer der grausamsten Schergen von Slobodan Milosevic. Die Ankündigung ihrer Konzerte führte sogar in Bundesbern für Aufsehen: Nationalrätin Evi Allemann kritisierte in einem Vorstoss, dass Raznatovic, eine Frau aus dem «Kriegsverbrechermilieu», ein Einreisevisum erhalten hat.

100'000 Fans und mehr versammeln sich in ihrem Heimatland vor ihrer Bühne, für 3000 Leute sang Ceca im Grodoonia. Sie schätze den intimen Rahmen im Grodoonia und werde freundlich Empfangen sagte sie. Angeblich wollte sie mit ihren regelmässigen Auftritten wieder gut machen, dass Grodoonia-Geschäftsführer Simo Pavlovic bei ihrem ersten Auftritt in der Schweiz viel Geld verloren hatte.

Blondierte Frauen mit bauchfreien Oberteilen

2001 erlangte der Club wenigstens ansatzweise den Ruf eines Lokals, in dem die Unterwelt verkehrte. Damals gingen zwei Autos vor den Türen des Grodoonia in Flammen auf – eines davon gehörte dem Geschäftsführer Pavlovic. Von einem Brandanschlag war die Rede. Deswegen suchte ein Journalist für das NZZ Folio dort nach einer «Gangster-Dämmerung». Vergeblich. Was er fand, waren blondierte Frauen mit bauchfreien Oberteilen, die sich nicht für Männer mit lupenreinem Schweizer Dialekt interessieren.

Auch Cecas Auftritte im Grodoonia verliefen ohne nennenswerte Zwischenfälle. «Wir hatten mit dem Club kaum je Probleme», sagt der Rümlanger Gemeindepräsident Thomas Hardegger. Heinz Burri von UCW, der Verwaltung der Liegenschaft, sagt, man hätte dem Club gönnen mögen, wenn er den Betrieb hätte aufrecht erhalten können. Früher sei das Grodoonia an jedem Wochenende rappelvoll gewesen, doch in den letzten Monaten sei es immer ruhiger geworden. Seit dem 2. Juni ist der Club nun ganz geschlossen. Was dazu geführt hat, ist unklar. Geschäftsführer Pavlovic mochte sich auf Anfrage von Tagesanzeiger.ch nicht dazu äussern.

(Tagesanzeiger.ch/Newsnet)

Erstellt: 25.08.2010, 15:47 Uhr

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