Begleiter von Céline des Landes verwiesen

Der 21-jährige Deutsche stand wegen sexueller Handlungen mit einem 12-jährigen Mädchen in Uster vor Gericht.

Das Opfer galt mehrere Tage lang als vermisst: Mit diesem Bild wurde nach Céline gesucht.(Archivbild)

Das Opfer galt mehrere Tage lang als vermisst: Mit diesem Bild wurde nach Céline gesucht.(Archivbild) Bild: Kapo ZH

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Ein Deutscher hatte sich vier Tage lang mit der damals zwölfjährigen Céline im Wald und in einem Maisfeld versteckt: Das Bezirksgericht Uster hat ihn heute wegen mehrfacher sexueller Handlungen mit einem Kind verurteilt – es blieb im unteren Bereich des Strafrahmens.

Das Bezirksgericht verhängte – in Abwesenheit des 21-jährigen Deutschen – eine bedingte Geldstrafe von 2400 Franken bei einer zweijährigen Probezeit. Es hat ihn zudem für fünf Jahre des Landes verwiesen.

Der Richter sagte in seiner Urteilsbegründung, der Täter sei geständig gewesen. Wegen sexueller Handlungen mit einem Kind hätte er eine Freiheitsstrafe von bis zu fünf Jahren erhalten können. Doch weil der Beschuldigte weder psychischen Druck noch Gewalt ausgeübt und mit der Geschädigten keinen Beischlaf vollzogen hatte, stufte das Gericht das Verschulden im unteren Bereich ein.

Der Beschuldigte sei in seiner geistigen und körperlichen Entwicklung gestört, sagte der Richter weiter. Der Unterschied zwischen Täter und Opfer sei deshalb kleiner gewesen, als es das Alter vermuten lasse. Es habe kein Machtgefälle bestanden und auch der Beschuldigte sei sexuell unerfahren gewesen. Der Mann habe ausgesagt, er fühle sich nicht zu Kindern hingezogen, sondern nur zu der Geschädigten.

Grosse Einigkeit

Anklage und Verteidigung waren sich in diesem Fall weitgehend einig gewesen. Der Verteidiger hatte weder Schuld noch Tatbestand bestritten. Sein Klient habe ihn beauftragt, der geforderten Genugtuung zuzustimmen: «Er will das, was er falsch gemacht hat, wieder gutmachen. Auch finanziell.» Das Gericht setzte die Genugtuung auf 3500 Franken fest.

Einzig bei der bedingten Geldstrafe hatte der Verteidiger um eine Reduktion ersucht. Der Tagessatz solle von 30 Franken auf den Mindestbetrag von zehn Franken gesenkt werden. Sein Mandant sei mittellos, depressiv, ohne Berufsausbildung und schwer krank. Wegen einer genetisch bedingten Krankheit werde er früh sterben und bis dahin keiner Arbeit nachgehen. Das Gericht war derselben Ansicht.

Das Mädchen mit der Mütze

Céline war im November 2016 in Uster aufgegriffen worden, nachdem sie fast vier Tage als vermisst gegolten hatte. Sie hatte eine auffällige Mütze in Form eines Plüschtiers getragen. Die vier Tage hatte sie mit dem 21-jährigen Deutschen im Freien verbracht.

In dieser Zeit hatte er sie mehrfach geküsst, an Brüsten und Geschlechtsteilen berührt und ihre nackten Füsse abgeleckt. Laut seinem Verteidiger hatte sich der Mann auf einen längeren Aufenthalt im Freien vorbereitet und Decken und viel Kleidung mitgebracht.

Ein Jahr Onlinekontakt

Das Kind und der junge Erwachsene hatten sich im Internet kennen gelernt und vor dem Besuch des Berliners in der Schweiz während rund eines Jahres intensiven Onlinekontakt gehabt, wie es der Anwalt des Opfers vor Gericht beschrieb.

Bereits während des Online-Austausches hatte der junge Mann wiederholt Sexuelles zur Sprache gebracht. Der Verteidiger erklärte, online habe sich eine «falsch verstandene Verliebtheit» entwickelt.

Als die Polizei das Paar schliesslich aufgriff, wurde der Mann inhaftiert und das Mädchen aufgrund ihres «reduzierten Allgemeinzustands», wie es ihr Anwalt beschrieb, in eine psychiatrische Einrichtung gebracht. In dieser Einrichtung für Kinder und Jugendliche lebt das Mädchen heute noch und wird psychotherapeutisch behandelt. (sep/sda)

Erstellt: 16.05.2017, 18:46 Uhr

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