Bekiffte Autopiloten

Idjut Boys bescherten dem Schreibenden eine seiner besten Clubnächte. Jetzt gibt es vielleicht eine Wiederholung.

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Rote Fabrik, Lethargy, im August 2009. Es war die Nacht, als die Idjut Boys ziemlich bekifft ein ziemlich bekifft klingendes DJ-Set hinlegten. Ein stundenlang wirbelnder, verschachtelter, in alle Richtungen stolpernder Discodub. Die Idjut Boys waren wie auf Autopilot. Sie rauchten die Nacht und bliesen sie in der Shed-Halle wieder aus. Das war ein wenig egoistisch und von einer Radikalität, die dem Festivalpublikum too much war. Darum war der Raum ziemlich leer. Nur eine Handvoll alter Fans und zufällig reingetrottete Besucher tanzten unter der stoisch sprenkelnden Discokugel. Dabei war das alles ganz fantastisch – der Schreibende jedenfalls trug sich diese Nacht in die Bestenliste aller durchgetanzten Clubnächte ein.

Was da abging, war eine Art Idjut-Boys-Megamix; Conrad McConnell und Dan Tyler im Quadrat. Ihr Ding – eine Art Unterwasserdisco, die im 360-Grad-Modus glitzert – pressen die Engländer seit Anfang der Neunziger nicht nur aus den Boxen, sondern auch auf Platte. So leicht das daherkommt, der Groove der Idjut Boys hat Gewicht. Ihr Sound war ein wichtiger Anknüpfungspunkt für die Cosmic-Szene in Norwegen um Todd Terje oder Prins Thomas. Eine kunstvoll-zeitlose Zerfledderung von House? Ja. Wobei die Idjut Boys schmunzeln müssten, würde man ihnen mit dem Etikett «Kunst» vor den Gesichtern rumwedeln. Verstehen sie sich doch klar als Unterhalter. Wenn es allerdings sein muss, spielen die Idjuts auch mal wie bekiffte Autopiloten den Dancefloor leer. (Tages-Anzeiger)

Erstellt: 22.06.2016, 15:32 Uhr

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