Böse Spiele

In Schweden schikanieren schwarze Buben weisse Buben. So verstört hat man lange nicht mehr im Kino gesessen.

Wer ist hier Täter? Wer Opfer?

Wer ist hier Täter? Wer Opfer?

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«Im Kino kommt es darauf an, was im Bild ist und was nicht», sagte Martin Scorsese. «Play» illustriert das grossartig, und zwar von Anfang an. Wir sehen ein Einkaufszentrum, schwarze Jungen lungern herum. Die Kamera schwenkt weg, jetzt zeigt sie zwei weisse Jungen, während die schwarzen im Off bleiben: unsichtbar, aber gegenwärtig.

Der Schwede Ruben Östlund erzählt von den Bildern, die wir von den anderen im Kopf haben. Im linksliberalen Einwanderungsland Schweden sind das oft positive Bilder, und genau diese Chance ergreifen die schwarzen Buben im Einkaufszentrum. Da Rassismus in der liberalen Demokratie verpönt ist, machen sie sich die Beisshemmung gut erzogener Kinder zunutze und knöpfen ihnen so die Handys ab.

Östlund liess sich von einer Diebesbande in Göteborg inspirieren, die ähnlich trickreich vorging. Er entwickelt das höchst beklemmende Röntgenbild einer offenen Gesellschaft. In genial orchestrierten, kaltherzig registrierenden Totalen studiert er, wie die Räuber drei gefügige Opfer schikanieren.

Diese bleiben stets politisch korrekt – und werden immer wieder reingelegt und gequält. So entsteht eine Horrorvision europäischer Integrationspolitik. Der Film wirkt wie eine in die Hölle gestossene Stadtkomödie von Jacques Tati: Östlund verbindet die kompositorische Eleganz von Abbas Kiarostami mit dem urbanen Breitwand-Elend eines Roy Andersson.

Beängstigend ist, wie er unsere Einschätzung der Vorgänge immer wieder kippen lässt. Am Schluss sinnen die schwedischen Väter auf Rache, und dann geht die Sache erst recht schief. «Play» bietet keine Botschaften, Erklärungsansätze aber schon. Und am Schluss sogar Hoffnung. Vielleicht? (Zueritipp)

Erstellt: 24.04.2013, 13:15 Uhr

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