Bülacher Kokosmakrönchen für Albanien

Das Bülacher Ehepaar Rolf und Madeleine Klaus leistete in Albanien Entwicklungshilfe der anderen Art. Sie brachten vor Ort eine Bäckerei in Schwung.

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Zu Ostern gab es Kokosmakronen für Rolf und Madeleine Klaus aus Bülach. Während man in der Heimat traditionell in ein Osterchüechli biss, weihte der pensionierte Konditor in der albanischen Hafenstadt Durres seine Kollegin Violeta Tetova in das Geheimnis des luftigen Gebäcks ein. Sein Ziel: Aus den vorhandenen Rohstoffen und Kapazitäten ein Rezept zu kreieren, das die Bäckerin Violeta Tetova kostengünstig produzieren kann, um neue Kunden zu gewinnen. Denn ihre Bäckerei brauchte dringend neuen Schwung. Und vor allem Experten, die ihr zeigten, wie man ein Geschäft auf professionelle Beine stellt. Solche Experten sind rar gesät in Albanien – einem Land, in dem «es wie bei uns vor gut 60 Jahren aussieht», wie Madeleine Klaus sagt. Sie und ihr Mann sind solche Experten. Genauer gesagt, Senior-Experten, die für die Hilfsorganisation Swisscontact in verschiedenen Ländern vor Ort Aufbauhilfe leisten.

Wissbegierige Kleinunternehmer

14 Tage dauerte der letzte Einsatz des Ehepaars Klaus, der sie nach Durres in ein Wohnquartier zur Familie Tetova führte. Normalerweise leben die Senior-Experten in der Zeit ihres Einsatzes bei den Familien, die sie beraten. In Durres wurden sie von Violeta Tetova, ihrem Mann, deren Schwiegertochter und zwei Enkelkindern beherbergt. «Sie waren rührend um uns besorgt», sagt Madeleine Klaus.

Während ihr Mann sich um das Handwerkliche kümmerte, versuchte sie der albanischen Bäckerin Grundkenntnisse in Kalkulation, Hygiene und Marketing beizubringen. Ein Geschäft soll schliesslich rentieren, egal, wo und von wem es betrieben wird. Ob das, was sie erklärt haben, später auch umgesetzt wird, wissen die beiden Senior-Experten nicht. Auf jeden Fall werde jeweils alles, was sie sagen und zeigen, von ihren Gastgebern «wie ein Schwamm aufgesaugt», berichtet Madeleine Klaus.

Rolf und Madeleine Klaus traten der Hilfsorganisation Swisscontact zu einer Zeit bei, als sie ihre Konditorei ihrem Sohn übergaben und sich von nun an als Pensionäre wähnten. Da lasen sie einen Artikel über die Senior-Experten und fühlten sich sofort angesprochen. Die Idee, vor Ort Leuten zu helfen, die «ja auch etwas aufbauen wollten», gefiel ihnen. Das war vor elf Jahren. Seit dieser Zeit haben sie Einsätze in Bulgarien, Nepal und zweimal in Albanien hinter sich. Und sie wurden um die Erfahrung reicher, am besten alles auf sich zukommen zu lassen und nicht zu versuchen, mit Schweizer Massstäben Land und Leute zu betrachten.

Lokaler Markt als Herausforderung

In Albanien zum Beispiel würde man sonst verzweifeln. Nichts funktioniere richtig und vor allem nicht so, wie es scheine. Die ständigen Stromausfälle seien noch das kleinste Übel, erklärt das Konditorenpaar und erzählt von der Armut der meisten Einwohner und den funkelnagelneuen Mercedes-Wagen, die nur 50 Meter weiter auf der Hauptstrasse fahren. «50 Meter können eine Welt sein», sagt Madeleine Klaus. Dass die meisten Albaner «grausam ums Überleben kämpfen, scheint die Norm zu sein», ergänzt ihr Mann. Als die beiden versuchten, sich ein Bild vom dortigen Markt zu machen, entdeckten sie zu ihrem Erstaunen, dass neben den meisten Lebensmitteln auch Obst und Gemüse aus Italien importiert werden muss. Gebäck mit Obst herzustellen, wäre also für die Bäckerin Violeta Tetova viel zu teuer geworden.

Also entschied sich Rolf Klaus für Kokosmakronen. Denn Kokosnuss ist auch in Albanien günstig, und Eier bekam Violeta Tetova ebenfalls zu einem angemessenen Preis. Sie und ihr Mann haben ein Geschäft mit sechs Angestellten, die an sieben Tagen in der Woche für rund 140 Euro (225 Franken) pro Monat ohne Sozialleistungen arbeiten. «Darüber dürfen wir einfach nicht nachdenken», sagt Rolf Klaus und schüttelt den Kopf. Lieber zeigte ihr der Konditor, wie man Kokosmakronen in einer Menge zubereitet, die auch ein Weiterverkauf durch andere kleinen Läden oder Bäckereien zulassen würde. Ob die albanische Bäckerin diese Geschäftsidee umgesetzt hat, weiss Rolf Klaus nicht. Sicher ist nur, dass Violeta Tetova Kokosmakronen als «Schweizer Gebäck» in ihrem Sortiment hatte, als ein Team des Schweizer Fernsehen für die Sendung «Fernweh» bei ihr vorbeisah. (Tages-Anzeiger)

Erstellt: 08.09.2008, 22:44 Uhr

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