China will weniger Ausländer ins Land lassen

Im Vorfeld der Olympischen Spiele hat China die Vergabe von Visa an Ausländer massiv eingeschränkt.

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Betroffen von der schärferen Visavergabepraxis sind vor allem Geschäftsleute. Die schärfere Praxis sorgt aber auch unter Auslandsstudenten, Künstlern und Journalisten für Unruhe. In Hongkong sind Visa zur mehrfachen Einreise, die bislang schnell und grosszügig erteilt wurden, nicht mehr zu bekommen, berichten Geschäftsleute und Hongkonger Medien. Auch Kurzzeitvisa an Chinas Grenzübergängen werden nicht mehr erteilt. Am Donnerstag herrschte zudem Verwirrung, ob Auslandsstudenten während der Olympischen Spiele in Peking bleiben dürfen oder nicht.

Ob die reduzierte Visavergabe eine Reaktion auf die Unruhen in Tibet oder auf Terrordrohungen vor den Olympischen Spielen sind, wie in Gerüchten die Runde machte, war zunächst nicht herauszufinden. In einer ersten Reaktion nannte der Präsident der Europäischen Handelskammer in Peking, Jörg Wuttke, die Beschränkungen «wirklich ärgerlich». Er beklagte auch, dass die neuen Vorschriften nicht veröffentlicht worden seien.

Besonders das plötzliche Verschwinden der «Mehrfach-Einreise-Visa» erschwert ausländischen Managern die Arbeit, die regelmässig zwischen ihren Firmenniederlassungen in Hongkong und dem chinesischen Festland hin- und herpendeln. Es seien «sehr negative Auswirkungen» auf die Geschäftstätigkeit in China zu erwarten, klagte die europäische Handelskammer in Hongkong in einem Brief.

China bestreitet Praxisänderung

Die chinesische Regierung behauptet öffentlich, dass es keine neuen Visaregeln gäbe. «Die chinesische Regierung hat nicht aufgehört, Mehrfach-Einreise-Visa für ausländische Besucher auszustellen», sagte Aussenamtssprecherin Jiang Yu bereits vor einer Woche. Dutzende von Ausländern, die sich um die Visa bemüht haben, widersprechen dieser Aussage jedoch. Geschäftsleute berichten auch von verschärften Kontrollen beim Besuch der «Kanton Messe» in der südchinesischen Stadt Guangzhou. Die chinesischen Firmen müssten sämtliche Pass- und Visadetails ihrer ausländischen Verhandlungspartner bei der Polizei melden. Geschäftsreisende aus Hongkong brauchen ein offizielles Papier, in dem beglaubigt sei, dass ihre Reise «keinerlei politischen Zwecken» diene, sagen Messebesucher.

«Nur wenige Monate vor den Olympischen Spielen müsste China Ausländer eigentlich mit offenen Armen empfangen. Aber das Gegenteil ist der Fall», kommentierte die «South China Morning Post» in Hongkong. Auch im Künstler- und Galerienviertel «798» in Peking herrscht Aufregung unter hunderten von ausländischen Künstlern, von denen viele derzeit nicht wissen, ob sie zur Zeit der Pekinger Sommerspiele in China bleiben können oder nicht. Bislang hatten Reisebüros und «Agenten» gegen geringes Entgelt schnell Visaverlängerungen beschaffen können. Nun geht das plötzlich nicht mehr.

Am Donnerstag gab es zudem Meldungen, dass einige Universitäten in Peking ihre Sommerkurse für Auslandsstudenten einstellen oder zumindest einschränken wollen. Eine Sprecherin der «Peking Universität» hatte gegenüber einer Nachrichtenagentur versichert, alle ausländischen Studenten müssten im Juli und August das Land verlassen. Die Rektorin einer anderen Universität und mehrere Auslandsstudenten konnten dies jedoch nicht bestätigen.

Die Pekinger Polizei hat bereits seit Wochen die Kontrolle aller in der chinesischen Hauptstadt lebenden Ausländer verstärkt. Trupps von Beamten klopfen an jede Tür und verlangen Ausweise, Visa und polizeiliche Meldeformulare zu sehen.

Erstellt: 11.07.2008, 15:42 Uhr

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