Das Kind im Koffer

Eine Jungautorin packt die Angst vorm Erwachsenwerden in albtraumhafte Bilder.

Literarisches Schreiben hat Steinbeck in Biel studiert.

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Es beginnt alles mit einem Kind. Einem frechen Kind mit blinkenden Schuhen und kindlicher Wut im Bauch. Es muss weg, findet Loribeth, haut ihm ein Loch in den Kopf, packt es in einen Koffer und begibt sich mit ihm auf eine abenteuerliche Reise.

Was klingt wie der Beginn eines Krimis, ist der Auftakt zu Michelle Steinbecks eigenwilligem Debütroman. In «Mein Vater war ein Mann an Land und im Wasser ein Walfisch» überführt die 25-jährige Autorin die Ängste einer jungen Frau in eine albtraumhafte Geschichte. Es geht ums Erwachsenwerden und die Emanzipation vom eigentlich unbekannten, übermächtigen Vater. Ihm will Loribeth den Koffer bringen. Und all ihre Ängste und Zögerlichkeiten, die nicht ihre, sondern seine sind. Auf dem Weg zu ihm – und zu sich selbst – werden Loribeths Sorgen und Sehnsüchte buchstäblich lebendig. Als wahrsagende Alte mit schuppig-pelzigem Reptil im Schoss, als Greis, der Wurstfingerchen aus einer Konservendose nascht, als drei finstere Doggen, ein blonder Schönling und ein kinderliebender Seemann.

Steinbecks Buch ist ungewohnt in seiner beklemmenden Märchenhaftigkeit, manchmal wirkt das forciert. Aber es gelingen der Schweizerin mit ihrer symbolträchtigen Sprache immer wieder starke Bilder. Kein Zweifel: Die Themen darunter sind so universell wie zeitlos. (Zueritipp)

Erstellt: 23.03.2016, 15:26 Uhr

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