Das Obergericht korrigiert ein Hinwiler Urteil

Weil er in fahrunfähigem Zustand fuhr, erhielt ein Elektromechaniker gestern vor Obergericht eine bedingte Geldstrafe. Eine Hinwiler Richterin hatte ihn zuvor freigesprochen.

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Das «unsäglich widersprüchliche Aussageverhalten» eines 28-jährigen Schweizers führte gestern vor Obergericht dazu, dass die Staatsanwaltschaft See/Oberland mit ihrer Berufung gegen ein erstinstanzliches Urteil des Bezirksgerichts Hinwil durchkam. Im Gegensatz zur Hinwiler Kollegin zweifelten die Oberrichter nicht daran, dass der Angeklagte mit 1,75 Promille in ein Eisentor gefahren war. Dieser bestritt, selbst am Steuer seines BMW Cabrio gesessen zu haben, behauptete sogar, das Fahrzeug sei ihm gestohlen worden.

Der Unfall ereignete sich im März 2007, als der Angeklagte den Pirates Club in Hinwil besuchte. Gegen ein Uhr verliess er laut eigener Aussage den Club, um Handy und Geschäftsschlüssel aus seinem Wagen zu holen, den er jedoch nicht mehr auf dem Parkplatz vorfand. Als der Elektromechaniker in der Nähe eines zweiten Parkplatzes Fahrzeuglichter sah, stellte er fest, dass es sich um seinen BMW handelte. Die Türen seien geöffnet und die Motorhaube beschädigt gewesen. Weil das Verdeck durch die Spannung verbogen worden sei, habe er sich ins Fahrzeug gesetzt und das Dach hinauf gedrückt. Anschliessend sei er zum Club zurückgekehrt und habe die Sicherheitsbeamten gebeten, die Polizei zu benachrichtigen.

Taxiangebot abgelehnt

Ganz anders schilderten die beiden Sicherheitsbeamten den Vorfall. Sie beschrieben den Angeklagten als «sonderbar», später als «ziemlich angetrunken», wobei sich aber auch diese Aussagen nicht ganz deckten. Der Elektromechaniker habe beim Verlassen des Lokals gesagt, dass er nach Hause ins Glarnerland fahre. auf Grund seines angetrunkenen Zustands habe einer der Sicherheitsbeamten angeboten, ein Taxi zu einem günstigen Preis zu organisieren. Davon habe der Angeklagte aber nichts wissen wollen. Nach einer guten halben Stunde sei er dann zurückgekommen und habe erzählt, sein BMW stecke im Zaun des AMP-Areals. Für den Staatsanwalt war von Anfang an klar, dass der Angeklagte selbst am Steuer sass. Darauf deuteten unter anderem Schnittverletzungen oberhalb seines Gesässes und Prellungen an seiner Hand hin. Zudem habe die Polizei Scherben in seinem Haar und in seiner Manteltasche gefunden. Der BMW-Fahrer erklärte daraufhin, die Verletzungen habe er sich zugezogen, als er das Dach hinauf gedrückt habe. Auch die Blutspuren am Fahrer- und Beifahrersitz erklärte er damit. Eine DNA-Auswertung ergab, dass es sich tatsächlich um sein Blut handelte. Das Bezirksgericht Hinwil legte diese und weitere Tatsachen, zum Beispiel auch, dass keine Einbruchspuren am Fahrzeug festgestellt worden waren, nicht zu Ungunsten des Elektromechanikers aus. Stärker gewichtete es die «erheblichen und unüberwindlichen Zweifel» daran, ob der Angeklagte tatsächlich sein Fahrzeug selbst lenkte.

Indizien reichen

Die Oberrichter teilten diese Zweifel nicht, weder die «erheblichen» und «erst recht nicht die unüberwindlichen», wie der Gerichtspräsident feststellte. Er beurteilte die Zeugenaussagen der Sicherheitsbeamten insgesamt als «glaubwürdig», auch wenn gewisse Widersprüche nicht in Abrede gestellt werden konnten. «Woher hätte der Zeuge wissen sollen, dass Sie in Glarus wohnen?», fragte er den Angeklagten. Darauf wusste dieser keine Antwort. Auch die Tatsache, dass der Autoschlüssel in seiner Manteltasche gefunden worden war, konnte er nicht überzeugend erklären. Ein zweiter Schlüssel sei ihm vor Monaten gestohlen worden, sagte er aus. Zudem habe sich ein Reserveschlüssel auf der Sonnenblende befunden. Vermutlich habe der Fahrzeugdieb damit den Motor gestartet.

Nur Sachschaden durch Zufall

Die Aussagen des Angeklagten bezeichneten die Oberrichter als «nebulös», sein Verschulden als «erheblich». Sie folgen dem Antrag der Staatsanwaltschaft und verurteilten ihn deshalb wegen vorsätzlichen Fahrens in fahrunfähigem Zustands sowie des Nichtbeherrschens des Fahrzeugs zu einer bedingten Geldstrafe von 45 Tagessätzen zu 160 Franken und einer Busse von 1500 Franken. Die vergleichsweise milde Strafe erklärte der Gerichtspräsident mit dem tadellosen Leumund des Angeklagten. Noch nie hatte er sich etwas zu Schulden kommen lassen. Trotzdem sprach er mahnende Worte: «Dass es nur zu einem Sachschaden kam, ist reiner Zufall.» (Tages-Anzeiger)

Erstellt: 15.09.2008, 19:43 Uhr

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