«Das ist einfach fehlende Qualität»

Valon Behrami geht hart mit sich ins Gericht. Der kollektive Totalausfall ruft auch innerhalb des Teams grosse Kritik hervor.

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Lange, lange versteckte er sich. Die meisten Spieler hatten vor ihm längst die Garderobe verlassen. Valon Behrami musste nach dem 2:5 gegen Frankreich zuerst seine Gedanken ordnen – den Kopf waschen – bis er endlich bereit war, eine Erklärung zu seiner desolaten Leistung abzugeben. «Ich übernehme für meine Fehler die Verantwortung.» Beim ersten Tor verlor Behrami das Luftduell im Strafraum, den zweiten Treffer leitete er eine Minute später gleich selber ein. «Es war ein Missverständnis mit Ricardo Rodriguez, ich habe nicht richtig nach hinten geschaut. Das ist meine Schuld.» Er macht seine eigene «mangelnde Qualität» für den unverständlichen Auftritt in Salvador verantwortlich.

0:2 nach 18 Minuten, für Xherdan Shaqiri war das der Genickbruch. «Wir haben ab diesem Zeitpunkt nicht mehr Fussball gespielt. Die Franzosen haben uns dann überfahren.» Obwohl Diego Benaglio eine Viertelstunde später einen von Johan Djourou verschuldeten Penalty entschärfte, konnte die Schweiz die aufflammende Moral nicht ausnutzen. Shaqiri schrammte in der ersten Halbzeit mit seinen Schüssen knapp am Tor vorbei, Haris Seferovic kam in glänzender Position zwei Schritte zu spät. «Wir haben geschlafen, aber die Franzosen waren einfach auch besser. Wir haben zu viele Fehler gemacht und sie haben die Fehler gnadenlos ausgenützt», so Seferovic, der nach 69 Minuten ohne Torerfolg durch Josip Drmic ersetzt wurde.

Zur Pause hatte Ottmar Hitzfeld bereits die erste Notbremse gezogen und Valon Behrami für Blerim Dzemaili aus dem Spiel genommen. Es war zu diesem Zeitpunkt die zweite Auswechslung für die Schweiz, da Steve von Bergen bereits in den Startminuten vom Platz musste. Philippe Senderos übernahm die Verantwortung, scheiterte aber nach der Pause, in dem er einen langen Ball falsch einschätzte und Karim Benzema den Raum zum 4:0 öffnete. «Nach dem verschossen Penalty bin ich überaus glücklich, dass ich doch noch getroffen haben. Wir waren heute als Team sehr, sehr effizient», so Benzema, der zuvor Mathieu Valbuena zum 3:0 bediente.

In der 73. erhöhte Moussa Sisokko gar auf 5:0. «Es ist alles für Frankreich gelaufen», musste Admir Mehmedi neidlos zugestehen und stellte einen wesentlichen Faktor für die herbe Niederlage fest. «Die Franzosen haben von der Defensive in die Offensive sehr schnell umgeschalten.» Für das Team von Didier Deschamps war das Spiel nach 80 Minuten bereits vorbei, anders ist es nicht zu erklären, dass die Schweiz noch zu zwei Toren kam. Das Freistosstor von Blerim Dzemaili war zwar sehenswert, aber auch einer löchrigen Mauer zu verdanken. Wunderschön war der Treffer von Granit Xhaka, der nach einem langen Ball von Gökhan Inler mit einem Schuss aus der Drehung zum 2:5 traf. Für Xhaka ein kleiner Lichtblick an diesem rabenschwarzen Freitag. «Diese Niederlage ist hart, aber sie wird uns nicht aus der Bahn werfen. Wir wissen, was wir können und haben jetzt gegen Honduras ein Finalspiel.»

Erstellt: 21.06.2014, 01:28 Uhr

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