Der Clevner spielt gegen den Cabernet unentschieden

Auch die Weinwelt am Zürichsee globalisiert sich. Die Winzer probieren internationale Sorten aus und setzen auf moderne Methoden – mit Erfolg.

Vierzehn Betriebe stellten im Zürichsee-Pavillon ihre Weine aus. Dabei war auch Winzer Erich Meier aus Uetikon (rechts).

Vierzehn Betriebe stellten im Zürichsee-Pavillon ihre Weine aus. Dabei war auch Winzer Erich Meier aus Uetikon (rechts). Bild: Sabine Rock

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Vorbei sind die Zeiten, als einem bei den Zürichseeweinen nur die Namen Räuschling, RieslingxSilvaner und Clevner in den Sinn kamen. Heute pflanzen die Winzer auf den insgesamt 180 Hektaren Rebfläche neben den «alten» Sorten praktisch alle international bekannten Trauben wie zum Beispiel Chardonnay, Sauvignon Blanc, Cabernet Sauvignon, Merlot oder Syrah an.

Und nicht nur bei den Sorten, auch bei der Verarbeitung haben sie Trends und Methoden aus der grossen weiten Weinwelt übernommen. So ist das kleine, für den Geschmack des Weines wichtige Holzfass namens Barrique aus vielen Kellern nicht mehr wegzudenken. An anderen Orten wird dagegen konsequent auf Holz und anderen Schnickschnack verzichtet, um die Aromatik einer Sorte beim Keltern unverfälscht zu halten.

Viele Önologen, die am Zürichsee tätig sind, haben ihr Handwerk im Ausland erlernt oder perfektioniert und scheuen sich auch nicht davor, mit den Zürichseetrauben munter herumzupröbeln und sie mit anderen Sorten zu vermählen. Diese Aufbruchstimmung tut gut: Viele Züriseeweine sind heute von hervorragender Qualität und können international ohne weiteres mithalten. Und man erlebt mit ihnen viele schöne Überraschungen.

Die Alten gegen die Neuen

Im Zürichsee-Pavillon in Meilen stellten am Wochenende 14 Weinbetriebe rund 150 Weine aus 31 Traubensorten aus. Die Académie du Vin nutzte die Gelegenheit, um ein Zürichsee-Weinseminar mit dem jungen Önologen Didi Michel vom Weinhaus Schipf in Herrliberg zu organisieren. Michel liess dabei klassische Zürichsee-Trauben gegen eingewanderte, aber bestens integrierte Sorten antreten. Das Resultat sei vorweggenommen: Der Wettkampf endete unentschieden, die Bewertung der Weine war durchwegs hoch.

Spannend und vor allem vielfältig war die Degustation dennoch, vor allem für Nase und Gaumen. Während die Räuschlinge aus Uetikon und Meilen (Schnorf und Schwarzenbach) mit einer breiten Palette von Zitrus-, Heu- und Honigaromen daherkamen, zeigten die Internationalen ganz andere Noten. Der Pinot Blanc aus Herrliberg (Schipf) schmeckte nach Pfirsich, der Chardonnay aus Stäfa (Pünter) mehr nach Grapefruit. Der Sauvignon Blanc aus Meilen (Schwarzenbach) hatte Cassisnoten, und die Cuvée Salomée aus RieslingXSilvaner und Muscat aus Männedorf (Wetli) roch intensiv nach Litschi und Holunder.

Bei den Rotweinen trat die Pinot-Noir-Traube, aus welcher der Clevner gekeltert wird, gegen den Rest der Welt an. Erstere in Form von zwei ausgesprochen fruchtigen und eher leichten Weinen aus dem Stahltank (Zweifel, Zürich und Rütihof, Uerikon) und zwei modern gekelterten Weinen aus dem Barrique (Meier, Uetikon und Lüthi, Männedorf), die sich in jeder Zürcher In-Bar gut machen würden. Ihnen gegenüber standen ein kräftiger, an dunkle Beeren und Peperoni erinnernder Cabernet Dorsa aus Meilen (Hasenhalde), ein beerig-fruchtiger Zweigelt aus Stäfa (Pünter) und zwei Assemblages. Der «one fourty nine» aus Syrah, Malbec, Pinot Noir und Garanoir (Mühle, Stäfa) als voller, kräftiger Wein mit würzigen, gereiften Aromen und der «Bacio di sole» (Wetli, Männedorf) aus Diolinoir und angetrockneten Dornfeldertrauben, der mit seinen Dörrfruchtaromen und seinem grandiosen Körper schon fast wie ein Amarone daherkommt. (Tages-Anzeiger)

Erstellt: 14.09.2008, 20:07 Uhr

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