Der Gemeinderat muss noch einmal über die Bücher

Die Richterswiler wollen kein Provisorium beim Gemeindehaus und stehen der Horn-Umgestaltung skeptisch gegenüber. Sie wiesen beide Anträge an den Gemeinderat zurück.

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Als Gemeindepräsident Ruedi Hatt (FDP) am Dienstagabend die reformierte Kirche betrat, sagte ein Stimmbürger zu ihm: «Wir sind im Fall nicht gleicher Meinung.» Hatt wiederholte die Episode zur Eröffnung der Gemeindeversammlung (GV) und sagte, eben deswegen sei man ja hier.

Die Wassersport-, Gewerbe- und Detaillistenvereine hatten die Bevölkerung im Vorfeld offenbar erfolgreich mobilisiert: Die reformierte Kirche war mit 374 Stimmberechtigten so voll wie selten an einer GV. Diese 5 Prozent aller Richterswiler Stimmbürgerinnen und -bürger forderten den Gemeinderat mit je einem Rückweisungsantrag in gleich zwei umstrittenen Vorlagen auf, nochmals über die Bücher zu gehen.

Am meisten gab die Umgestaltung des Horn-Areals zu reden, für die der Gemeinderat einen Kredit von 285'000 Franken beantragte: Es handle sich dabei weder um einen Selbstzweck des Gemeinderates noch um einen Schnellschuss, führte Tiefbauvorstand Jürg Trachsel (SVP) aus. Man habe Anregungen und Kritik aus der Bevölkerung in das Projekt einbezogen. Seit 2005 befasse sich eine Arbeitsgruppe mit der Nutzung des Horns. Anwohner und Vereine seien informiert und angehört worden. Trachsel zeigte sich überzeugt, «dass trotz vielfältiger Nutzung ein Miteinander von Erholungssuchenden und Sportlern möglich ist».

Streitpunkt Liegewiese

Am meisten Kritik hagelte es für eine neue Liegewiese, die direkt vor dem Wassersportzentrum, neben dem Ponton der Ruderer, zu liegen kommen sollte. Heinz Wehrli, Präsident des Seeclubs, führte anschaulich aus, dass das Nebeneinander von Erholungssuchenden und Sportlern ein erhebliches Risiko berge. Weil die Ruderer rückwärts ruderten, sähen sie die Schwimmer nicht. Leute, die auf dem Ponton sonnenbadeten, riskierten, von einem Ruder erschlagen zu werden.

Einige der Anwesenden wollten die umstrittene Liegewiese aus der Vorlage ausklammern. Ein Abänderungsantrag von SP-Präsident Alessandro Barbon konnte die aufgeheizte Stimmung gegen die Gemeinderatsvorlage jedoch nicht mehr abkühlen. Eine grosse Mehrheit der Anwesenden schickte die Vorlage zurück an den Absender.

Die Stimmberechtigten fanden ebenso wenig Gehör für den Antrag der Exekutive, in der Nähe des Gemeindehauses Raum für zusätzliche Arbeitsplätze zu schaffen. Verwaltung und Gemeinderat favorisierten dabei die Lösung mit einem Pavillon auf der Wiese neben dem Gemeindehaus. Dieser sollte für 226'000 Franken aufgestellt werden. Kurz vor der GV hatte der Kanton eine provisorische Baubewilligung für fünf Jahre erteilt, trotz Widerstand der Denkmalpflege.

Diese Lösung würde interne Arbeitsabläufe nicht erschweren, wäre kundenfreundlich und den Mitarbeitern zuzumuten, sagte Liegenschaftenvorstand Thomas Ghisletti (FDP). Obwohl er darlegte, dass die Verwaltung «dringend» acht zusätzliche Arbeitsplätze benötige, stimmten zwei Drittel der Anwesenden dem Rückweisungsantrag von Hanspeter Prinz zu.

Parkanlage für Bevölkerung

Prinz vertrat die Interessengemeinschaft Erhaltung Parkanlage. Man wolle kein Container-Provisorium in Richterswils schützenswerter Kernzone, nicht auf dem Wisshusplatz und schon gar nicht auf der Wiese, wo «Kinder und Erwachsene noch ein Stück Natur» fänden. Der Gemeinderat solle eine bessere Lösung suchen, in einer privaten Liegenschaft etwa, oder den Container auf einem Parkplatz aufstellen.

Weil Richterswil derzeit rasant wächst, werden in der Gemeindeverwaltung zusätzliche Arbeitsplätze benötigt. Der Gemeinderat will den langfristigen Bedarf durch einen Neubau auf dem Kerag-Areal decken. Dagegen sprach sich Hans Preisig aus, der die Detaillisten vertrat. Stelle man jetzt einen Pavillon auf, sei man in fünf Jahren gezwungen an neuem Ort ein neues Gemeindehaus zu bauen. Er bezeichnete das Richterswiler Gemeindehaus als «Filetstück» des Dorfkerns. Man solle es nicht aus dem Zentrum herauslösen und an die Peripherie verschieben. Preisig präsentierte die Utopie einer «Verwaltungsmeile», welche die verschiedenen Verwaltungsbereiche in verschiedene Liegenschaften im Dorfzentrum verteilt.

Der Gemeindepräsident zeigte sich belustigt ob der Aussage, die Verwaltung sei das Filetstück des Dorfkerns. Die «Verwaltungsmeile» würde wohl schon Leben ins Zentrum bringen, meinte Ruedi Hatt scherzhaft. «Nur schon durch all die Leute, die das Gemeindehaus suchen.» (Tages-Anzeiger)

Erstellt: 10.09.2008, 22:02 Uhr

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