Der erste Tag in einer heimatlosen Klasse

Weil zu viele Kinder für die erste Klasse dem Schulhaus Wilacker zugeteilt wurden, entstand eine zusätzliche halbe Klasse. Diese muss vorerst aufs Schulhaus Sonnenberg ausweichen.

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Alles sieht so aus, als wäre es ein normaler erster Schultag im Schulhaus Wilacker: Entzückte Eltern knipsen Bilder ihrer Sprösslinge; diese tragen riesige bunte Schulranzen auf dem Rücken; sie springen ungeduldig von einem Bein aufs andere, scharren mit den Füssen und züpfeln ungeduldig am Ärmel des Vaters. Manche gucken grossäugig und verschüchtert drein, schmiegen sich an Mamas Bein oder verstecken sich ängstlich dahinter. Andere stehen erwartungsvoll da, mit durchgestrecktem Rücken, und blicken voll Tatendrang in die Runde der neuen Gschpänli.

Nur eines erinnert daran, dass dies ein so ganz gewöhnlicher erster Schultag doch nicht ist: Es sind auffallend wenig Kinder an diesem Montagmorgen auf dem Pausenplatz des Schulhauses Wilacker - 13, um genau zu sein. Diese bilden eine zusätzliche halbe erste Klasse. Für das neue Schuljahr wurden viele Kinder in die Schulhäuser Wilacker und Sonnenberg eingeteilt, so entstanden zwei grosse Klassen mit je 25 Schülern. Im letzten Moment kamen jedoch im Wilacker noch drei neue Schüler hinzu.

Schulleiter Siegfried Bosshart entschied sich, eine zusätzliche halbe erste Klasse zu schaffen, was die Bildungsdirektion auch bewilligte. Nur: Im Wilacker war gar kein Schulzimmer frei für diese neue Klasse. Einen geplanten Container für einen Gruppenraum beim Wilacker wollte man darum um ein Klassenzimmer ergänzen. Das bauliche Bewilligungsverfahren läuft aber noch, und so suchte die halbe erste Klasse des Schulhauses Wilacker Asyl - und fand dieses im benachbarten Schulhaus Sonnenberg.

Die halbierte Hälfte

An diesem ersten Schultag also trafen sich die Kinder, ihre Eltern, die zukünftige Lehrerin Anita Künzli und Schulhausleiter Bosshart beim Wilacker und spazierten dann gemeinsam zum Schulhaus Sonnenberg. Dort informierte Bosshart in der Turnhalle - das neue Schulzimmer konnte Elternschaft und Kinderschar kaum zusammen aufnehmen - über Details zum Unterricht: Handarbeit und musikalische Grundschule finden für die Kleinen im Schulhaus Hofern statt, für den Schwimmunterricht wird die halbe Klasse nochmals geteilt und schliesst sich je einer regulären an. Zudem organisiert der Schulleiter den freiwilligen Begleitdienst der Eltern, welche die kleine Klasse jeweils vom Schulhaus Wilacker zum Sonnenberg und zurück bringen.

Danach quetschen sich Lehrerin, Kinder und Eltern in das neue Schulzimmer und beginnen mit dem Unterricht: Spielerisch erklärt Künzli ihren Schützlingen erste Regeln für den Schulalltag; etwa, dass alle ruhig an ihren Platz sitzen und still sein sollen, sobald das goldene Glöckchen bimmelt. Dann beginnt sie, die allerersten Hausaufgaben einzuziehen, welche sie schon vor den Sommerferien aufgegeben hat. Schon beginnt sich der Schulalltag zu normalisieren: Eines der Kinder hat bereits seine ersten Hausaufgaben vergessen.

Plötzlich änderte sich alles

Die meisten Eltern nehmen die Komplikationen um die halbe erste Schulklasse gelassen. Anife Hasani freut sich gar für ihren Sohn Bedim (7), dass er vorerst im Sonnenberg zur Schule geht: «Zum einen ist dort bereits sein älterer Bruder, zum andern denke ich, dass Kinder in sehr kleinen Klassen mehr profitieren.»

Sandra Herbil-Wicki ist ob der entstandenen Komplikationen zwar nicht verärgert, findet es aber «schwierig» für die Kleinen: «Sie haben bereits ihr neues Schulhaus sowie ihre neue Lehrerin kennen gelernt - und plötzlich änderte beides wieder.» Als sie das ihrer Tochter Jennifer (6) mitteilen musste, begann die Kleine zu weinen. Heute sagt diese jedoch tapfer: «Ich habe mich zwar sehr aufs Wilacker gefreut, aber noch mehr freue ich mich, dass ich nun in die erste Klasse komme.»

Wie lange die Kleinen ins Schulhaus Sonnenberg ausweichen müssen, bevor sie endlich ihr eigenes beziehen können, weiss niemand so genau. Bosshart sagt: «Im besten Fall drei, ansonsten fünf Wochen.» Doch auch fünf Wochen sind eine optimistische Schätzung. Denn diese Rechnung geht davon aus, dass das Einspracherecht für die neue Baubewilligung des Containers ungenutzt verstreicht. Wie es weitergeht, falls doch jemand Einsprache erhebt, ist ungewiss. (Tages-Anzeiger)

Erstellt: 19.08.2008, 07:40 Uhr

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