Der rollende Roboter raubte Remo den Schlaf

Der Richterswiler Remo Imper hat sich einen Roboter gebaut. Mit diesem wollte er an der Europameisterschaft die Gegner vom Tisch fegen.

Feedback

Tragen Sie mit Hinweisen zu diesem Artikel bei oder melden Sie uns Fehler.

Der Roboter ist eigentlich ein flinker Dickwanst aus Metall. Etwa 35 Zentimeter hoch, in der Form eines Zylinders, flitzt er auf zwei Rollerblade-Rädern über die Spielfläche. An seinem Boden sind ausserdem zwei weitere, grössere Räder befestigt. Blattfedern drücken diese nach unten, damit sie nie den Kontakt zum Boden verlieren: 8000 Impulse senden sie pro Umdrehung an das Navigationsgerät – die Position des Roboters auf dem Spielfeld kann so millimetergenau bestimmt werden.

Gebaut wurde der Roboter, um eine Art Fussball zu spielen: Unihockeybälle, die auf einem Tisch herumliegen, müssen eingesammelt und in ein Tor geschossen oder in einer Rinne am Spielfeldrand deponiert werden.

Der Roboter steuert dann einen Ball an. Ein Servomotor öffnet eine Klappe am unteren Teil des Roboters, die Kugel verschwindet im Bauch des Dickwanstes. Sekunden später wird der Ball aus einer Öffnung im oberen Teil wieder Richtung Tor ausgespuckt.

Ein Punkt für Remo Imper und sein Team.

Remo Imper (24), Richterswiler Roboterbauer, ist gross, hat schwarze Haare und eine schwarze Brille. Er ist dünn, hat ein sympathisches Lächeln und knochige Finger. Und in diese wurde ihm vor zwei Wochen sein Bachelordiplom der Elektrotechnik an der Hochschule Rapperswil (HSR) gedrückt.

20 Motoren, 30 000 Franken

Remo Impers Bachelorarbeit, die Entwicklung des Roboters, wurde zudem als beste Arbeit seines Studienganges ausgezeichnet. Zusammen mit zwei weiteren Studenten der Elektrotechnik und mit zwei Maschinenbaustudenten arbeitete er insgesamt über ein Jahr lang am Roboter, getauft haben sie ihn dennoch nicht.

Die Bachelorarbeit war ein Riesenprojekt: Insgesamt sind sieben Gleichstrommotoren, zwei Schrittmotoren und neun Modellbauservos, Material im Wert von 30’000 Franken, im Roboter verbaut.

Ein Jahr Arbeit, unzählige Wochenenden und Ferientage sowie einige schlaflose Nächte investierten Remo Imper und sein Team in den Roboter – schliesslich wollten sie im Mai die Qualifikation für die Eurobot 2008, die Roboter-Europameisterschaft, schaffen. Das Ziel der Eurobot ist es, bei Studenten die Faszination Roboter zu wecken.

Bei Remo Imper und seinem Team ist das gelungen: Er lächelt, wenn er von den letzten Tagen vor dem Wettkampf erzählt, und er rückt seine Brille zurecht. «Während der letzten Tage vor dem Wettkampf war Tag und Nacht immer jemand am Arbeiten.» Wer nicht am Roboter herumtüftelte, lag im Schlafsack auf dem Boden der Werkstatt.

«Wir wollten noch so viel verbessern, wollten unbedingt gewinnen.» Auch wenn es kein Preisgeld zu gewinnen gab, Remo Imper und seine Teamkameraden wollten mit dem ausgefeiltesten, weitestentwickelten Roboter antreten. Sie wollten die Konkurrenz in den Schatten stellen, vom Tisch fegen.

Enttäuschung im Halbfinale

Doch an der Vorausscheidung kommt im Halbfinal die Enttäuschung: Impers Roboter fährt zur Rinne, in welcher der gegnerische Roboter seine Bälle deponiert hat. Er fährt einen Seitenarm aus und beginnt langsam vorwärtszufahren und so die Bälle zurück aufs Spielfeld zu bugsieren. Ein regelkonformer Weg, dem Gegner Punkte zunichte zu machen. Doch einer der Bälle fällt statt ins Spielfeld vom Tisch, und das gibt Strafpunkte. Impers Roboter scheidet aus, der Traum von der Europameisterschaft ist geplatzt.

«Im ersten Moment waren wir masslos enttäuscht», sagt Imper heute. «Doch nach einer Weile waren wir einfach noch froh, dass wir schlafen gehen durften.»

Neben Imper haben folgende Absolventen an der Hochschule für Technik in Rapperswil (HSR) ein Bachelordiplom erhalten: Raimund Neubauer (Thalwil), Christoph Wenger (Au) (alle drei Elektrotechnik), Fabian Braun (Richterswil, Informatik); Silvio Walpen und Martin Zollinger (beide Wädenswil, Maschinentechnik). Die HSR hat erstmals Bachelordiplome verliehen. (Tages-Anzeiger)

Erstellt: 06.10.2008, 21:59 Uhr

Service

Ihre Kulturkarte

Abonnieren Sie den Carte Blanche-Newsletter und verpassen Sie kein Angebot.

Blogs

History Reloaded Warum Spanien als Nation scheitert

Sweet Home Die Farbe, die allen gefällt

Die Welt in Bildern

Alpaka trifft Kuh: 131 Lamas und Alpakas ziehen von der Alp Gorneren und der Griesalp im Kientla zurück ins Tal und beschnuppern beim Vorbeigehen die einheimischen Arten (26. September 2017).
(Bild: Urs Flüeler) Mehr...