Der visionäre Abfallverwerter

Daniel Böni von der Kehrichtverwertungsanlage Hinwil ist ein gefragter Mann. Zusammen mit seinem Team gewinnt er aus Abfall Edelmetalle wie Gold und Aluminium zurück.

Die Rohstoffe aus dem Abfall sind unsere Zukunft»: Albino Miras, Daniel Böni und Peter Schellenberg (v. l.) vor der Trennmaschine mit einer Tonne Aluminium.

Die Rohstoffe aus dem Abfall sind unsere Zukunft»: Albino Miras, Daniel Böni und Peter Schellenberg (v. l.) vor der Trennmaschine mit einer Tonne Aluminium. Bild: Christoph Kaminski

Feedback

Tragen Sie mit Hinweisen zu diesem Artikel bei oder melden Sie uns Fehler.

Trockenschlacke heisst Daniel Bönis Lieblingsthema. Sie beschäftigt den 50-jährigen Geschäftsführer der Kehrichtverwertungsanlage Hinwil (Kezo) seit bald zehn Jahren jeden Tag. In seinem Büro sind die grauen Trophäen unübersehbar. Probeglas reiht sich an Probeglas. Einmal sieht der Inhalt aus wie Reste nach dem Bleigiessen, einmal eher wie Sand. Unter der Lupe betrachtet, funkeln in den Schlackenproben jedoch einzelne Edelmetalle, da und dort ein Stücklein Gold – Abfall aus Elektroschrott. «Rohstoffteilchen wie genau dieses wollen wir zurückgewinnen», sagt Böni. Wie viel Abfall die Menschen produzierten, daran könnten er und sein Team direkt nichts ändern. Deshalb stellen sie an sich den Anspruch, den Wirkungsgrad der Abfallverwertung zu erhöhen, sagt Böni. «Die Rohstoffe aus dem Abfall sind unsere Zukunft.»

Böni will möglichst viele Edelmetalle wiederverwerten, die bis anhin nach dem Verbrennungsprozess im Ofen als Restmenge auf die Deponie wanderten – und dort allenfalls den Boden vergifteten. Aus der Schlacke von zwei der drei Kezo-Öfen werden bereits Aluminium, Kupfer, Gold und andere Edelmetalle zurückgewonnen. Damit liegt die Anlage ganz auf der Linie des Zürcher Regierungsrats, der seit neuestem «Urban Mining» propagiert, die Rückgewinnung von Rohstoffen aus Abfall.Gleich neben der Kezo hat Daniel Böni zusammen mit den Gemüseproduzenten der Primanatura AG ein klimaneutrales Gewächshaus entwickelt. Der Bau wird mit Abwärme beheizt, die bei der Stromproduktion aus der Kehrichtverbrennung entsteht. Früher verpuffte sie einfach in der Luft. Für ihr innovatives Projekt erhielten die Initianten Anfang Jahr vom Bundesamt für Energie den Prix Watt d’Or in der Sparte Energietechnologie.

Meinungsführer in der Branche

Einen Macher und Visionär nennen Daniel Böni alle, die mit ihm zusammenarbeiten. «Er ist innerhalb weniger Jahre zum Opinion Leader der Branche avanciert», sagt etwa Rainer Bunge, Spezialist für die Aufbereitung von Abfällen an der Hochschule für Technik Rapperswil. Vor einem Projekt analysiere Böni sorgfältig Chancen und Risiken. Stimme die Bilanz, setze er das Projekt zielstrebig um.

Auch Markus Meier, Mitinhaber der Gebrüder Meier Primanatura AG, findet nur lobende Worte für Böni. «Er war sofort begeistert von der Idee des Gewächshauses. Ohne ihn hätten wir das Projekt nicht derart schnell umsetzen können.» Meiers sparen jetzt 2 Millionen Liter Heizöl pro Jahr. Böni gehe es bei seinen Projekten aber nicht um das grosse Geld. «Hätte er vorab das Finanzielle im Fokus, würde er solche Projekte nicht realisieren», sagt Meier.Daniel Böni ist keiner, der sich gern selbst mit Lorbeeren schmückt. «Ich tüftle einfach gern», sagt der Maschineningenieur bescheiden. «Und ohne mein Umfeld hätte ich kaum diesen Erfolg.» Mit seinem Umfeld meint er einerseits den Verwaltungsrat. Bei diesem geniesst er viel Vertrauen, sodass er seinen Ideen freien Lauf lassen kann. «Doch manchmal übersprudelt er fast», sagt Ueli Büchi, Verwaltungsratspräsident der Kezo. Böni sei regelrecht getrieben von seiner Tätigkeit. Jeweils schon bei Tagesanbruch sitze er im Büro und meist auch dann noch, wenn es schon wieder eindunkelt.

Der Erlös stimmt

Wichtiger Bestandteil seines Umfelds sind für Daniel Böni aber auch die Mitarbeiter und Partner. Diese bindet der Kezo-Geschäftsführer schon früh in neue Projekte ein. Zum Beispiel Peter Schellenberg. Er ist Verfahrensentwickler bei der Stiftung Zentrum für nachhaltige Abfall- und Ressourcennutzung (ZAR) an der Kezo. Gemeinsam mit zwei Mitarbeitern kümmert sich Schellenberg um die innovativen Techniken. «Böni gibt Impulse und lässt uns freie Hand bei der Umsetzung», sagt er.

Sein Reich ist die meterhohe orange Maschine für das Auftrennen und Sieben der Trockenschlacke. Die zurückgewonnenen feinen Metallteile werden tonnenweise in Säcken gelagert. Diese gibt die Kezo in ein Schmelzwerk. Nach einer Qualitätsanalyse wird sie für die eingelieferte Menge bezahlt. Und der Erlös ist hoch, denn die aufbereiteten Metalle der Kezo sind neuwertigen fast ebenbürtig. Eine Tonne Aluminium bringt zwischen 1000 und 1500 Franken ein. Die Erträge aus dem Verkauf der gewonnenen Rohstoffe decken die Investitionen in die neuen Prozesse.

Fast schon weltweit eine Marke

Auch Fachleute aus anderen Ländern sind inzwischen auf die Methoden der Kezo aufmerksam geworden. Interessenten aus China und der Türkei besichtigten kürzlich die Maschine für den Trockenaustrag. Daniel Böni seinerseits reist in einigen Wochen nach Kanada, um bei konkreten Projekten Schützenhilfe zu leisten. «Gerade für Länder, die bisher noch wenig Recycling betrieben, sind diese Verfahren ideal», sagt Böni. Und Kezo-Präsident Büchi freut es, dass sein Betrieb nun fast schon weltweit zu einer Marke für innovative Abfallverwertung geworden ist. (Tages-Anzeiger)

Erstellt: 10.04.2011, 21:02 Uhr

Trockenschlacke wird sortiert

Bei dem von der Kezo entwickelten Recycling-Verfahren wird die Restmenge des Abfalls, die Schlacke, nach dem Verbrennungsprozess nicht im Wasserbad, sondern durch Luft gekühlt. Damit kann die Schlacke wesentlich effizienter aufbereitet werden als bei herkömmlichen Techniken. Zwei der drei Öfen in der Kezo sind bereits mit diesem Verfahren ausgerüstet, der dritte folgt im nächsten Jahr.

Das Trennen der Trockenschlacke nach Feinmetallen erfolgt in einer von der Kezo konzipierten Anlage über vier Stockwerke hinweg. Siebe und Förderbänder separieren die einzelnen Feinmetalle voneinander. Feinschlacke von 0,7 bis 5 mm kann so bereits zurückgewonnen werden. Nun will Daniel Böni dasselbe Verfahren auch auf Feinstschlacke – Partikelteilchen von 0,1 bis 0,7 mm – und auf Grobschlacke, mit Teilchen grösser als 5 mm, anwenden. (ema)

Etwas gesehen, etwas geschehen?

Leser-Reporter

Haben Sie etwas Aussergewöhnliches gesehen, fotografiert oder gefilmt? Ist Ihnen etwas bekannt, das die Leserinnen und Leser von Tagesanzeiger.ch/Newsnet wissen sollten? Senden Sie uns Ihr Bild, Ihr Video, Ihre Information per MMS an 4488 (CHF 0.70 pro MMS).
Die Publikation eines exklusiven Leserreporter-Inhalts mit hohem Nachrichtenwert honoriert die Redaktion mit 50 Franken. Mehr...

Newsletter

Der ideale Start in den Tag

Sonntags bis freitags ab 7 Uhr die besten Beiträge aus der Redaktion.
Newsletter «Der Morgen» jetzt abonnieren.

Kommentare

Service

Ihre Kulturkarte

Abonnieren Sie den Carte Blanche-Newsletter und verpassen Sie kein Angebot.

Die Welt in Bildern

Volle Lippen: Indische Künstler verkleiden sich während des Dussehra Fests in Bhopal als Gottheit Hanuman. (19.Oktober 2018)
(Bild: Sanjeev Gupta/EPA) Mehr...