Die Alp vor der eigenen Haustür besucht

Gegen 1000 Schaulustige zog es am Wochenende auf die Alp Lägernweid. An der Älplerchilbi ob Schleinikon war der Käser einer von vielen «Stars».

Am Sonntag führte die Treichlergruppe Zürcher Unterland mit ihren Glocken den grossen Rinderumzug an.

Am Sonntag führte die Treichlergruppe Zürcher Unterland mit ihren Glocken den grossen Rinderumzug an. Bild: Yvon Baumann

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Nebel lag am Sonntagmorgen noch über dem Unterland, doch auf 750 Metern über Meer strahlte bereits die Sonne. So hoch liegt der Hof Lägernweid, wo Fritz Küpfer zusammen mit seiner Frau seit über 30 Jahren während des Sommers Rinder aus der näheren Umgebung hütet. Die Alp über dem Wehntaler Dörfchen Schleinikon sei die tiefstgelegene des Kantons Zürich, sagt Markus Mühlebach. Er ist der Präsident des Organisationskomitees, die dort oben am Wochenende die Älplerchilbi veranstaltete.

Ein Shuttle-Bus führte die Besucher hinauf zur Alp, wo ein reichhaltiges Brunchbuffet wartete. Doch nicht nur kulinarisch wurden die Schaulustigen verwöhnt, sondern auch musikalisch. Da erklangen Jagdsignale einer Jagdhorn-Bläsergruppe aus dem Säuliamt, und der Jodelclub St. Jakob aus Zürich brachte ein Ständchen.

Überrascht vom grossen Aufmarsch - es mochten gegen 1000 Leute gewesen sein - zeigte sich Mühlebach. «Ich hätte nie mit so vielen gerechnet, doch es entschädigt das hundertköpfige Team für den riesigen Aufwand.» Die Idee einer solchen Älplerchilbi kam vor 15 Jahren. «Wir wollten der Bevölkerung unsere Arbeiten präsentieren.» Tatsächlich verbringen auf der Alp Lägernweid noch heute 80 bis 90 Rinder vom Wehn- über das Surbtal bis ins Rafzerfeld den Sommer auf der Alp. «Wir haben zwei Vorteile», sagt Mühlebach. «Zum einen sind die Transportwege kurz, zum anderen lebt mit Fritz Küpfer ein Alphirt hier oben, der viel Erfahrung mitbringt.» Doch der Strukturwandel der letzten Jahre sei spürbar. Waren es früher wesentlich mehr Bauern, die ihre Rinder von Mai bis September auf die Alp brachten, sind es heute noch rund 20.

Käsebruch bei 42 Grad

Am Eingang zum überdachten Festgelände konnte man Peter Betschart, einem Käser aus dem Muotathal, über die Schulter schauen. «Bei genau 32 Grad wird die Kuhmilch während 25 bis 30 Minuten im Kupferkessel erwärmt, die Bakterienkultur wird beigefügt und mit einem Holzlöffel gerührt.» Diesen Vorgang nennt man Vorkäsen - die Milch wird dick. Betschart knetete die sogenannte Dickete zu kleinen Häppchen und verteilte sie den Zuschauern. Der Frischkäse schmeckte wie Hüttenkäse. In einem nächsten Schritt wird der Käsebruch bei 42 Grad mit Wasser gewaschen bevor er in eine Form gefüllt wird, wo er einen Tag ruht. Danach liegt der Käselaib 36 Stunden lang im Salzbad. Je nach Länge der Ausreifung ist das Produkt milder oder rezenter. Der am Wochenende versteigerte «Lägernkäse» wird nun im Muotathal noch fertig ausreifen.

Die Kinder konnten sich derweil im Melken probieren. «Ich habe noch nie gemolken», sagte Pius (3). Auch wenn es nur eine Plastikkuh war: Er verdiente sich mit seinen 1,8 Dezilitern einen Preis.

Hinter dem Hof massen sich die Buben des Schwingclubs Zurzach im Sägemehl, und wer selber in die Hosen steigen wollte, konnte dies unter Anleitung tun.

Mit einem Rinderumzug, angeführt von der Treichlergruppe Zürcher Unterland und dem Auftritt einer Kindervolkstanzgruppe endete die Älplerchilbi, die frühestens in fünf Jahren wieder stattfindet. (Tages-Anzeiger)

Erstellt: 25.08.2008, 07:24 Uhr

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