«Die Gesellschaft kann ich nicht ändern»

Scherbenhaufen wie nach der CU-West-Abstimmung sollen sich nicht wiederholen. Dafür setzt sich das Uetiker Forum ein.

Der emeritierte Professor Hans-Olivier Schiegg auf seiner Terrasse.

Der emeritierte Professor Hans-Olivier Schiegg auf seiner Terrasse. Bild: Sabine Rock

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Es ist schon eine Weile her, und doch – der Schock sitzt bei manchem Uetiker noch immer tief. Es war ein hart geführter Abstimmungskampf, damals im März 2007, als es um die Überbauung CU-West ging. Der Zugang zum Zürichsee bleibt nun für längere Zeit verwehrt, obwohl auf dem Areal der Chemie Uetikon Lebensqualität hätte geschaffen werden können. Trotzdem ist nicht alles gescheitert. Drei Uetiker und eine Uetikerin beschlossen nach dieser Abstimmung, sich aktiv für eine Verbesserung der Situation einzusetzen.

Hans-Olivier Schiegg (67) ist Vizepräsident des Uetiker Forums. Dieses ist überparteilich und will zur ökologischen Verantwortung, zur wirtschaftlichen Leistungsfähigkeit und zur gesellschaftlichen Solidarität beitragen.

Umweltingenieur Schiegg sitzt auf der Terrasse seines Hauses, weit oben am Uetiker Hügel, und spricht über das Forum. Die Thematik, die ihm am Herzen liegt, ist nicht heile Welt, sondern anspruchsvoll und unbequem; «zwingt sie doch, grundlegende Werte und Einstellungen neu zu überdenken», so Schiegg.

Vernünftig denken und handeln

Das erste Treffen des Vereins fand am 2. Juli im Uetiker Schulhaus Riedwies zum Thema «Energie – aber wie?» statt. In der Folgeveranstaltung am 27. August zeigte Schiegg anhand von Beispielen, wie fundierte Entscheidungen mit den Prinzipien der Nachhaltigkeit erarbeitet werden können. Seine Ausführungen unter dem Titel «Nachhaltigkeit: Voraussetzung für dauerhaft besten Erfolg» vermochten 20 Leute anzuziehen. Ob nicht allein der oft erwähnte Begriff «Nachhaltigkeit» für Verwirrung sorge? Für den emeritierten Professor Schiegg ist dieses Wort eindeutig und bedeutet: «Vernünftig denken und handeln!»

Was heisst das konkret für Uetikon? Für seine Gemeinde erhofft sich Schiegg unter anderem Sicherheit in einer intakten Umwelt sowie öffentliche Leistungen bei einem konkurrenzfähigen Steuerfuss. Bauprojekte und andere Vorhaben dürften nicht so geplant werden, dass sie die Chancen der künftigen Generationen beeinträchtigen würden.

Ökologisch, sozial und ökonomisch

Hans-Olivier Schiegg, der unter anderem für die ETH arbeitete, erwähnt die Uno-Konferenz 1992 und die Strategie «Nachhaltige Entwicklung 2008–2011» des Bundesrates. Er versucht zu vereinfachen: «Die Welt ohne Menschen ist ökologisch intakt. Betrachten wir die Welt mit dem Menschen und beachten sein Verhalten, sprechen wir von Soziologie. Für ein erfülltes Leben brauchen wir ein Gleichgewicht von beidem, das Rendite abwerfen soll.» Somit komme auch die Ökonomie ins Spiel.

Übertragen auf Uetikon sieht sich das Forum als Diskussionsplattform, welche durch den Dialog zwischen den verschiedenen Interessenvertretern und -feldern zu mehrheitsfähigen Lösungen führen soll.

Es geht voran – jedoch langsam

«Ich will den Leuten Entscheidungsgrundlagen mitgeben. Die Gesellschaft kann ich nicht ändern, aber ich kann versuchen, mich nach bestem Wissen und Gewissen für sie einzusetzen», erklärt Schiegg. Das Problem mit der Nachhaltigkeit liege darin, dass der Prozess langwierig und kompliziert sei. Um ihn verstehen zu können, müsse man sich mehr als 15 Minuten Zeit nehmen. Dazu seien viele Menschen kaum mehr bereit. Schiegg wünscht sich Mut und Geduld, Dinge zu hinterfragen – auch wenn der Erfolg erst mit der Zeit ersichtlich werde. «Das Forum soll genau diese Umsetzung fördern», sagt er. (Tages-Anzeiger)

Erstellt: 12.09.2008, 20:43 Uhr

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