Die Polizei Männedorf-Oetwil schwächelt

Ab Januar muss die Polizei Männedorf/Oetwil/Uetikon ohne Uetiker auskommen. Nun kündigt auch Oetwil die Zusammenarbeit. Der Verbund muss die Situation überdenken.

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Ab 1. Januar kümmert sich Polizeichef Roland Denzler mit seinem Team nur noch um Männedorf und Oetwil. Uetikon hat dann seine eigene Gemeindepolizei. Das reduzierte Gemeindegebiet beackert Denzler jedoch mit gleich viel Personal wie vorher. Die höheren Kosten pro Gemeinde nehmen Männedorf und Oetwil in Kauf. Für die Männedörfler Gemeindepräsidentin Heidi Kempin ist es ein Versuch, die Polizeiarbeit zu verbessern: «Wir wollen schauen, ob sich die von vielen Einwohnern erwünschte Nähe zur Bevölkerung durch die erhöhte Präsenz einstellt.»

Die Zusammenarbeit mit Oetwil in stärkerer Besetzung ist bis Ende 2009 vorgesehen. Wie es dann weitergeht, ist offen: Bereits im Sommer hat Kempin angeregt, aufgrund der neuen Situation alle Möglichkeiten für die weitere polizeiliche Zusammenarbeit zu prüfen. «Zur Diskussion steht der Männedörfler Alleingang, die weitere Zusammenarbeit mit Oetwil oder der Anschluss Männedorfs an einen grösseren Polizeiverbund.» Auf politischer Ebene haben Gespräche zum Anschluss an das Polizeikorps von Stäfa oder Meilen bereits stattgefunden.

«Jetzt gilt es, die Vor- und Nachteile aller Varianten zu prüfen», so die Gemeindepräsidentin. Im Laufe des Jahres 2009 soll der Gemeindeversammlung ein konkreter Vorschlag vorgelegt werden. «Natürlich hängt dieser auch von den Oetwilern ab.»

Oetwil kündigt Zusammenarbeit

In Oetwil ist man immer noch an einer Zusammenarbeit interessiert. In Absprache mit Männedorfs Behörden will man den Anschlussvertrag auf Ende 2009 aber kündigen. Das Begehren wird den Oetwilern bereits an der nächsten Gemeindeversammlung vom 8. Dezember vorgelegt. Denn auch in Oetwil überlegt man sich Alternativen und will flexibel sein. Gemeindeschreiberin Barbara Kastenholz: «Von der Topografie her würde sich für uns Egg als Polizeiverbundspartner anbieten.» Seit diesem Jahr verfügt die Gemeinde ennet der Bezirksgrenze über eine eigene Polizei. Beim Zivilschutz und bei den Altersheimen sind in den letzten Jahren bereits Kooperationen mit Egg zustande gekommen.

Gemeinden jagen sich Polizisten ab

Eine Orientierung Richtung Zürcher Oberland käme für Oetwil vor allem dann in Frage, wenn sich Männedorf eher Richtung Meilen denn Stäfa orientieren sollte. «Was für uns ganz sicher nicht in Frage kommt, ist ein Alleingang. Dazu sind wir zu klein», sagt Kastenholz. Von der Übergangslösung mit fünf Polizisten, wie sie für nächstes Jahr ansteht, verspricht sich Kastenholz, «dass man mehr Zeit für Oetwil hat» und dass mehr Flexibilität bei der Gestaltung der Einsätze herrscht.

Ob im Januar aber tatsächlich fünf Polizisten in Männedorf und Oetwil patrouillieren werden, steht noch in den Sternen. Von den fünf bewilligten Stellen im Verbund ist im Moment eine unbesetzt, und zwei sind auf Ende Jahr gekündigt. «Die Situation auf dem Arbeitsmarkt macht uns zu schaffen. Es gibt einfach zu wenig Polizisten», sagt der Männedörfler Gemeindeschreiber Hannes Friess. Das führe zur grotesken Situation, dass die einen Posten den anderen die Leute wegschnappten. So arbeitet ein ehemaliger Küsnachter Polizist bei den Stäfnern, eine ehemalige Stäfner Polizistin nun auf dem Posten in Meilen. «Es ist ein Katz-und-Maus-Spiel», sagt Friess. Die Personalverluste, die Männedorf/Oetwil im Moment zu verzeichnen habe, seien aber Abgänge an die Kantonspolizei. «Für einen jungen Mitarbeiter war das ein attraktives Angebot, ein anderer Mitarbeiter will zurück zu seinen Tessiner Wurzeln, ebenfalls bei der Kapo.»

Fernziel Bezirkspolizei Wegen des Personalmangels einfach den erstbesten Bewerber einzustellen, zahle sich aber gar nicht aus, sagt Friess. «Ein kleines Team, das so eng zusammenarbeitet wie eine Gemeindepolizei, muss einfach harmonieren.» Gemäss Friess spricht auch deshalb viel für grössere Korps, die sich im Extremfall um einen ganzen Bezirk kümmern. «Kooperationen machen einfach Sinn, das sieht man auch an der bezirksweiten Zusammenarbeit bei Nachtpatrouillen und am Wochenende.» Das Thema einer echten Bezirkspolizei spielt deshalb auch in den aktuellen Überlegungen der Männedörfler eine Rolle. Laut Gemeindepräsidentin Kempin «jedoch erst als Fernziel».

(Tages-Anzeiger)

Erstellt: 10.11.2008, 20:56 Uhr

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