Die Predigertochter

Lizz Wright ist 35 Jahre alt. Für eine Heldin des US-Jazzgesangs ist das ausserordentlich jung. Doch sie singt mit der Kraft des Gospels.

Lizz Wright ist ein Dickkopf, aber ein freundlicher.

Lizz Wright ist ein Dickkopf, aber ein freundlicher.

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Sie besingt die grossen Gefühle, die das Menschsein ausmachen. Zufriedenheit, Glück, Einsamkeit, Angst – und immer wieder die Liebe. Gerade hat Lizz Wright aus Georgia, die mit 35 bereits als Ikone des US-Jazzgesangs gefeiert wird, ihr fünftes Album vorgelegt. Trotz einiger Besonderheiten wirkt «Freedom&Surrender» im Wesentlichen wie seine Vorgänger: als wohlig prickelndes Stimmungsbad.

Zuerst zu den Besonderheiten. Nachdem sie seit ihrem Debütalbum «Salt» (2003) alle zwei, drei Jahre Neues nachgelegt hatte, liess sich Wright für «Freedom&Surrender» fünf Jahre Zeit. Hauptgründe sind ein Labelwechsel sowie ihr «Dickkopf», wie sich die Sängerin zitieren lässt. Ihr letztes Album «Fellowship» (2010) habe sie derart ausgelaugt, dass sie ?sich sammeln und künstlerisch neu erschaffen musste. Einfach einige Coverversionen einzuspielen, wie ihr empfohlen wurde, wollte Lizz Wright nicht. Also suchte sie neue Partner, um ihre Inspirationen zu stimmigen Songs zu formen. Wright lobt in dieser Hinsicht den Songschreiber David Batteau und Starproduzent Larry Klein, der etwa mit Joni Mitchell, Melody Gardot oder Raul Midón arbeitet, über den grünen Klee. Sie hätten sofort verstanden, worum es beim neuen Album gehen sollte: Um «playfulness», um ein Panorama menschlicher Befindlichkeiten – und um «love».

Ganz so weichgespült, wie das klingen mag, geht Lizz Wright freilich nicht ans Werk. Der jungen und durchaus eigenwilligen Frau geht es um die Zwischentöne. Diese könnte man gar ihr Markenzeichen nennen, das in ­einer buchstäblich klangvollen Biografie gründet. Geboren 1980 als Tochter eines Predigers, wuchs Lizz Wright auf mit Musik in den Ohren. Als Kind sang sie im Kirchenchor, der Vater brachte ihr das Klavierspielen bei, als Teen­ager griff sie auch mal zur Gitarre. Die Gospel- und Blues-Weisen der Südstaaten prägten das Mädchen derart intensiv, dass es sich gänzlich der Musik verschrieb.

Wright studierte Gesang in Atlanta und New York. Es folgten erste Konzerte und Engagements, 2002 wurde sie anlässlich einer Billie-Holiday-Hommage von einem Scout des Renommier-Labels Verve entdeckt. Ein Jahr später veröffentlichte sie «Salt». Fortan sang sich Lizz Wright in die Herzen von Jazz-, Blues- und Popfans in aller Welt.

Trotz dieser Bilderbuchkarriere hat sich Wright die musikalischen Zwischentöne bewahrt. Sie singt, was ihr gefällt, und mixt es zusammen: Blues, Jazz, Soul, Reggae. Sie schreibt eigene Songs, greift aber bis heute auch auf andere zurück, die sie nicht einfach covert, sondern interpretiert. Und dies mit einer Stimme, die sich samten in aller Ohrmuscheln schmiegt, ohne die Urkraft von Gospel und Blues zu verraten. Wright trifft mit ihren Liedern also Namen und Herz des Festivals, zu dem sie anreist: Jazznojazz.

(Zueritipp)

Erstellt: 28.10.2015, 14:53 Uhr

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