Die süssen Turmspringer von der Badi Dübendorf

Im Freibad Dübendorf steht der einzige 10-Meter-Sprungturm der Region. Für eine gute Show und die Mädchen im Publikum stürzen sich die Jungs spektakulär in die Tiefe.

Bewundert von der holden Weiblichkeit liessen sich die jungen Männer zu waghalsigen Sprüngen hinreissen.

Bewundert von der holden Weiblichkeit liessen sich die jungen Männer zu waghalsigen Sprüngen hinreissen. Bild: Nathalie Guinand

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«Hey‹Tages-Anzeiger›, muesch mal luege!», tönt es von allen Seiten. Schnell hat es sich herumgesprochen, dass jemand von der Zeitung da ist. Und weil es am frühen Nachmittag ohnehin noch nicht so viele Mädchen in der Badi hat, stürzen sich die Jungs halt für die Fotografin tollkühn vom Sprungturm. Spritzen muss es, und auch ein bisschen weh tun, nur so beeindruckt man die Kollegen, die jeden Sprung fachmännisch kommentieren. Und unter Männern lässt man sich schon mal was einfallen. Einer zieht im Flug blitzschnell die Badehose runter und wieder rauf, ein anderer vollführt ein paar obszöne Hüftbewegungen, springt, und plärrt dann lautstark in die Runde, dass er bei der Landung wohl sein Fortpflanzungsorgan eingebüsst habe, wofür er respektvollen Zuspruch erhält.

Ein anderer Junge hat wirkliche Probleme. Er ist ungeschickt im Wasser aufgeschlagen, und jetzt krümmt er sich am Beckenrand mit Tränen in den Augen. Der Badmeister kümmert sich um ihn. «So etwas passiert extrem selten», sagt Peter Pfluger, Betriebsleiter des Freibads. «Hin und wieder holt sich jemand eine leichte Prellung. Doch viel häufiger kommt es vor, dass Kleinkinder umfallen oder in eine Biene treten.»

Besucher reisen aus dem Aargau an

In Dübendorf steht der einzige 10-Meter-Sprungturm der Region. Gemäss Pfluger kommen die Badigäste deswegen sogar extra aus dem Aargau angereist. Dass trotz des Ansturms und des beträchtlichen Gefahrenpotenzials kaum je ein Unfall passiert, führt Pfluger in erster Linie darauf zurück, dass die Verhaltensregeln Anfang Saison rigoros durchgesetzt würden. «Das sorgt für Disziplin», weiss der Badichef. Natürlich muss man ab und zu nachbessern: Als ein Bursche nur einen halben Meter neben seinem schwimmenden Kollegen ins Wasser donnert, wird er gleich nach dem Auftauchen vom Badmeister zusammengestaucht, worauf er um einen halben Meter kleiner davonschleicht. In der Regel seien die Kinder und Jugendlichen keineswegs leichtsinnig, so Pfluger. «Die meisten sind mit dem Sprungturm aufgewachsen und tasten sich langsam an die 10-Meter-Marke ran.» Doch auch wenn er sich die spektakulären Sprünge gerne anschaut: Für ihn selbst ist bei drei Meter Höhe Schluss. «Als Kind bin ich einmal vom 5-Meter-Brett gesprungen», sagt Pfluger und lacht: «Heute würde ich das freiwillig nicht mehr machen.»

Höchstnoten für Bauchlandung

Derweil hüpfen die jungen Turmspringer ins Becken, als ob es kein Morgen gäbe. Schliesslich haben sich mittlerweile diverse Mädchen auf der recht gut gefüllten Tribüne eingefunden. Einige begnügen sich nicht mit dem Zuschauen und entern ebenfalls den Sprungturm. Zwei etwa zehnjährige Buben wollen Eindruck schinden.

Doch just in dem Moment, als sie sich kunstvoll in der Tiefe stürzen, werden die Mädchen von einem Riesenplatscher abgelenkt, den ein etwas übergewichtiger junger Mann vollführt hat. Solche nicht eben schmerzlosen Einlagen goutiert das Publikum mit einem gedehnten «woooaaahhh!». Denn im Gegensatz zu den Wettkämpfen, die hier immer wieder stattfinden, wird in der Amateurkategorie der «Ränzler» vom 3-Meter-Brett besser gewertet als der zweifache gestreckte Rückwärtssalto vom Fünfer.

Muskelprotz stiehlt allen die Show

Für den Punktesieg ist das Aussehen zudem nicht unerheblich. Zwei Teeniemädchen beginnen wie wild miteinander zu tuscheln, als ein braun gebrannter Junge mit dunklen Locken und einer orangen Badehose den Turm besteigt. Den finden sie süss, nein, «süüüsss». Der Angebetete tut so, als hätte er den Fanclub nicht bemerkt und springt ein ziemlich unmotiviertes «Totenbeinli». Andere sind weniger zurückhaltend und reissen im Flug die wildesten Posen, um der holden Weiblichkeit und den Kollegen zu imponieren. Doch ein etwas aus der Form geratener Muskelprotz stiehlt allen die Show. Von der Siebeneinhalb-Meter-Plattform klatscht er mit einem mächtigen Wumms ins Wasser und erzeugt dabei eine gigantische Wassersäule, sodass das Publikum für einige Sekunden totenstill dasitzt. Keine Frage: Die Jungs haben ihren Meister gefunden. Für sie bleibt zu hoffen, dass der Sommer noch ein paar schöne Tage fürs Training bereit hält, damit ihnen eine solche Schmach künftig erspart bleibt. (Tages-Anzeiger)

Erstellt: 11.08.2008, 09:56 Uhr

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