Ein Schatten auf Piccards Botschaft

Der Stopp von Solar Impulse 2 in Japan ist nicht nur ein weiterer Rückschlag. Die vielen Warteschleifen drohen dem einstigen Aushängeschild der Energiewende zu schaden.

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Der Start des ersten bemannten Solarflugs um die Welt wurde vor gut drei Monaten mit grossem Brimborium weltweit gefeiert. Es war eine perfekte Inszenierung, mit dem Schweizer Abenteurer Bertrand Piccard als Hauptdarsteller. Nun zieht sich das Schauspiel in die Länge. Warten, ankündigen, ­verschieben. Nach der sechsten von zwölf Etappen kam der Durchhänger. Sechs Wochen lang.

Und kaum hatte sich Pilot André Borschberg am Samstag endlich nach langer Pause auf die gefährliche siebte Etappe über den Pazifik aufgemacht, schon musste der Flug wieder abgebrochen werden – mit ­einer ungeplanten Landung in Japan. Eine weitere Enttäuschung. Das Wetter will nicht mitspielen. So ist das aussergewöhnliche Projekt ins Stocken geraten.

In einem Abenteuer darf nicht alles rund laufen. Gewiss. Ein Held wird nur, wer sich auszeichnen kann. Der unerwartete Stopp auf dem Flughafen in Nagoya war eine logistische Meisterleistung. Und Bertrand Piccard, ein Kommunikationsprofi, ist stets gut gelaunt vor der Kamera. Er versteht es bestens, selbst das Wetterpech gut zu verkaufen. Mit einer ­Rekordmeldung. Noch nie war ein Solarflugzeug ­so lange ohne Unterbruch unterwegs.

Aber Piccard und Borschberg sehen in der ­Erdumrundung nicht nur ein Abenteuer und Experiment. Sie haben eine Botschaft. Sie werben für saubere Energie und intelligente Technik, für hocheffiziente Solarzellen und starke Batterien. Im Moment bleibt jedoch im Gedächtnis haften, dass Solar­ ­Impulse 2 ein empfindlicher Flugapparat ist, der nur bei wolkenlosem Himmel und guten Winden für ­längere Zeit in die Luft steigen kann.

Es wäre den beiden Abenteurern zu gönnen, wenn die Pazifik-Überquerung bald gelingen würde. Sonst werden in der Öffentlichkeit nur die ewige ­Warterei und die Abbrüche in Erinnerung bleiben. Dabei hat Solar Impulse 2 bereits – nicht überraschend – bewiesen, dass die Energieversorgung durch die Kraft der Sonne einwandfrei funktioniert. Als Werbeträger für die Energiewende eignet sich der heikle Flieger einstweilen allerdings nicht.

Erstellt: 02.06.2015, 00:01 Uhr

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