Ein Tunnel soll das Küsnachter Dorfkern-Problem lösen

Ein Bürger von Küsnacht hat ein eigenes Konzept zur Lösung des Dorfkern-Problems entwickelt. Die Gemeinde kennt die Pläne, ist aber nicht gerade begeistert.

Rolf Ruetz mit seinen selbst gezeichneten Plänen eines Dorftunnels.

Rolf Ruetz mit seinen selbst gezeichneten Plänen eines Dorftunnels. Bild: Marcus May

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Konzepte, Sitzungen, Informationskampagnen und politische Prozesse führen oft zum Ziel. Aber nicht immer: So wurden die beiden privaten Gestaltungspläne für einen neuen Küsnachter Dorfkern vergangenen Dezember vom Stimmvolk eindeutig gebodigt. Der Gemeinderat stand vor einem Scherbenhaufen. Letzten Donnerstag trafen sich Vertreter der Gemeinde, der Parteien und verschiedener Interessengruppen zu einer gemeinsamen Sitzung. Auch der alteingesessene Küsnachter Rolf Ruetz war als Vertreter der Gruppe Verkehr dabei. Er hat eigene Ideen entwickelt, wie es mit dem Küsnachter Dorfkern weitergehen soll.

Der 79-jährige Ruetz verstand nach besagter Gemeindeversammlung die Welt nicht mehr: «Jetzt haben die über drei Jahre lang an diesem Problem herumstudiert, ohne einen gangbaren Weg zu produzieren.» Es müsse doch eine Lösung geben, die alle Interessen berücksichtige und mehrheitsfähig sei. Ruetz setzte sich hinter das Steuer seines Autos und fuhr Anfang dieses Jahres während Wochen durch die Quartierstrassen Küsnachts. Der gelernte Sanitär- und Heizungsfachmann machte Entwürfe und Skizzen, notierte Eindrücke und spontane Ideen. Bis ihm – bestärkt durch die verschiedenen Voten an der Gemeindeversammlung – die zündende Idee kam. Bevor über neue Bauten diskutiert werden könne, müsse der Orts- und Durchgangsverkehr entflochten werden. Dies allein sei zwar keine neue Erkenntnis, sagt Ruetz, doch habe er auch gleich die passende Lösung dafür parat.

Unterirdisch durchs Quartier

Um den lokalen Ortsverkehr zu entlasten, schlägt Ruetz vor, den Tunnel der Oberwachtstrasse, der von der Seestrasse rechts hinauf zum Dorfzentrum führt, dergestalt auszubauen, dass man unterirdisch auch geradeaus fahren könnte. Dazu müsste die Rosenstrasse untertunnelt werden. Parallel zur Eigenstrasse würde der Tunnel eine sanfte Rechtskurve machen und bei der Oberwachtstrasse – kurz vor dem Kreisel bei der Alten Landstrasse – wieder ans Tageslicht gelangen. Damit würde der Durchgangsverkehr ums Zentrum herumgeführt. «Die Idee ist keineswegs so utopisch, wie sie klingt», sagt Ruetz. Würden die Bauarbeiten mit dem Bau einer Tiefgarage unterhalb des bereits bestehenden oberirdischen Parkplatzes koordiniert, könnten auch die Kosten tiefgehalten werden.

Für die Gemeinde sind Ruetz’ Ideen nicht neu. Bereits im Februar hatte er Gemeindepräsident Max Baumgartner darüber informiert. «Seither wurde diese Idee im Rat aber nicht mehr diskutiert», bestätigt der Küsnachter Gemeindeschreiber Peter Wettstein auf Anfrage.

Ein interessanter Vorschlag

Es sei sicher ein interessanter, aber vermutlich zu teurer Vorschlag, sagt Wettstein. Im Übrigen sei es bei der Sitzung am Donnerstag nicht um konkrete Inhalte gegangen. Der externe Prozessberater zur Dorfkern-Entwicklung, Michael Emmenegger, habe interessierten Kreisen seinen ersten Bericht präsentiert. Bevor über Inhalte diskutiert werden könne, müssten der Planungsprozess zur Dorfkern-Entwicklung neu aufgegleist und die finanziellen Rahmenbedingungen festgesetzt werden, so Wettstein weiter. «Es geht zurzeit nicht darum, sofort ein konkretes Projekt anzustreben.»

Rolf Ruetz lässt sich nicht entmutigen. Beim Bürgerforum und beim Quartier- und Verschönerungsverein seien seine Ideen mit grosser Begeisterung aufgenommen worden. Einige hätten seinen Vorschlag gar als genial bezeichnet. (Tages-Anzeiger)

Erstellt: 30.08.2008, 08:08 Uhr

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