Eine Benglerin will es allen zeigen

Jesica aus Benglen ist 23 Jahre jung und will Supermodel werden. Der Schweizer Privatsender 3+ soll ihr Sprungbrett sein.

Jésica Veronica Martinez aus Benglen will mehr als bloss eine Rolle bei der Sendung «Supermodel» spielen – sie will ins Modemekka nach Mailand.

Jésica Veronica Martinez aus Benglen will mehr als bloss eine Rolle bei der Sendung «Supermodel» spielen – sie will ins Modemekka nach Mailand. Bild: Christoph Kaminski

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Jesica ist derzeit sehr gefragt, weil sie ist in der Sendung «Supermodel» den Erfolgskurs eingeschlagen hat. Wer zu den Auserwählten gehört, wer weiterkommt und wer auf der Strecke bleibt, das entscheidet eine fachkundige Jury, darunter Franziska Knuppe, ihrerseits Model von internationaler Bedeutung und Moderatorin von «Supermodel» (auf den Plakaten zur Sendung posiert sie symbolisch mit Peitsche).

Unter etlichen Bewerberinnen hat es die 23-jährige Jesica aus Benglen in die Finalrunden geschafft. Auf einem Kurztrip nach Mailand vom Scout einer Agentur entdeckt, durfte sie dank der Serie des Privatsenders 3+ auch schon über den Catwalk der heiss umworbenen London Fashion Week spazieren und vor versammelter Modewelt die Kollektionen von übermorgen präsentieren. Das haben nur zwei der insgesamt fünfzehn Finalistinnen geschafft. Alle übrigen mussten derweil Kussszenen für ein Fotoshooting abliefern.

Für Jesica geht gerade ein Traum in Erfüllung. «Seit ich klein bin, träume ich davon, Model zu werden», erzählt die 183 Zentimeter grosse Dunkelhaarige, die so richtig klein wahrscheinlich nie war. Goofy nenne man sie hier, weil sie «der Scherzkeks» sei, der die oft bierernste Runde auflockere.

Raue Schale, weicher Kern

Gerade mal 55 Kilo bringt sie auf die Waage, damit reiht sie sich ein in die Masse der übrigen Mädchen, die im Filmstudio in Regensdorf auf den nächsten Dreh warten. Warten heisst hier geschminkt und frisiert werden, sich anziehen und gleich wieder umziehen, Fragen von Journalisten beantworten, posieren, lächeln, eben nicht lächeln, weil ein Lächeln oft nicht gefragt ist, und so weiter und so fort.

Während Jesica – eigentlich Jésica Veronica Martinez – von einer kurzhaarigen Blondine geschminkt wird, erzählt sie, dass sie keinen Wert darauf lege, ob man ihren Namen auf die spanische Art schreibe oder nicht. Die spanischen Wurzeln stammen von ihrem Vater, zu dem sie ein distanziertes Verhältnis lebt, «weil er nicht an mich glaubt», so Jesica. Er sage, dass sie zu labil sei hierfür, was sie selbst ganz anders sieht. Ihre Mutter wenigstens sei stolz auf sie.

Etwas Zerbrechliches scheint in den schönen grau-blauen Augen auf, die mit den frisch aufgeklebten Wimpern noch ausdrucksstärker sind als ohnehin. Auf den ersten Blick wirkt sie keck, selbstsicher und unnahbar, eine Fassade, die zu bröckeln beginnt, sobald Jesica aus ihrem Leben erzählt. Unter der Oberfläche zeigt sich das Gesicht einer verletzlichen, von Enttäuschungen geprägten jungen Frau, die in diesem Augenblick älter, reifer scheint als vom Laufsteg herab, auf Fotos oder durch die Kamera. «Ich will es allen zeigen», sagt sie. Denen, die ihr Glück wünschen, genauso wie all den anderen.

An sie glauben tun in Jesicas Augen vor allem zwei Menschen: einmal ihre Freundin, bei der sie am Abschluss der Ausbildung zur Visagistin als Model geschminkt wurde. Und auf alle Fälle Arbeitskollege Niclas. Er hat Jesica angemeldet, «ihm verdanke ich alles», sagt die Call-Agentin, die in ihrem gewohnten Leben Zeitungsabonnements verkauft. Sie selbst hätte nie gewagt, sich anzumelden, sei aber sofort dabei gewesen, als Niclas sie aufgefordert habe. Handyfotos hätten sie eingesandt, aufgenommen im Bikini in den Büroräumen.

Mailand – das grosse Ziel

Dann sei alles sehr schnell gegangen. Ehe sich Jesica überlegen konnte, was hier passiere, sei sie auch schon zum Casting eingeladen worden. Nun, da sie weitergekommen sei, wage sie kaum mehr, Erwartungen zu hegen: «Die Erwartung stirbt als Erstes, die Hoffnung bekanntlich zuletzt», sagt sie und lächelt.

Bevor sie sich verabschiedet, um in das gewagt Outfit zu schlüpfen, dass die Stylisten für sie ausgesucht haben, schaut sie selbstsicher zurück und fügt hinzu: «Doch, doch, ich werde mir meinen Traum erfüllen und in Mailand landen». (Tages-Anzeiger)

Erstellt: 10.10.2008, 22:32 Uhr

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