Eine gemütliche Alternative zur lärmigen Street Parade

Am Sommernachtsfest in Greifensee feierten neben Familien auch Jugendliche bis nach Mitternacht. Bei Musik im Festzelt und Fischknusperli. Die Street Parade war weit weg.

Die Street Parade in Zürich lässt sie kalt: Fischknusperli und ein lauschiger Sommerabend bedeuten ihnen mehr.

Die Street Parade in Zürich lässt sie kalt: Fischknusperli und ein lauschiger Sommerabend bedeuten ihnen mehr. Bild: Christoph Kaminski

Feedback

Tragen Sie mit Hinweisen zu diesem Artikel bei oder melden Sie uns Fehler.

«Wir gehen nach Zürich, um Drogen zu suchen», witzeln Jugendliche am frühen Samstagnachmittag in der S14 nach Zürich. Sie sprechen über die Street Parade, über ungewöhnliche Besucher des Strassenfestes und über die lange, zu durchzechende Nacht, die vor ihnen liegt.

Ein ganz anderes Bild als in Zürich bietet sich auf der Schlosswiese in Greifensee. Den Weg zum Festzelt entlang hängen farbige Lichterketten. Eine Musikgruppe spielt und singt, ihre Palette reicht von Reggae bis zu Musik aus den 50ern. Am See rennen Kinder das Ufer entlang. Die Festbänke sind fast komplett besetzt, viele Familien besuchen das Sommernachtsfest gemeinsam. Ausserhalb des Zeltes, am See und etwas abseits sitzen Jugendliche. In Zürich gebe es ihnen zu viele Schlägereien, sagen viele. Ans Sommernachtsfest zu kommen, haben sie dennoch nicht geplant. «Ich wusste gar nicht, dass hier heute ein Fest ist», sagt Thierry Neff. Sie seien auch sonst immer auf der Schlosswiese am See, vor allem am Wochenende, erzählt Marcel Ochsner. Die Street Parade hingegen sei langsam tot. «Die Discozelte gibts nicht mehr», führt er aus. «Dadurch ist die Parade nicht mehr so attraktiv.»

Street Parade ist verleidet

Alkohol, Musik und Partylaune. Das alles gibts sowohl in Greifensee als auch an der Street Parade in Zürich. Dort bloss einige Nummern grösser. Gleich wie in Zürich ist wohl auch die lange Schlange vor der Frauentoilette.

Warum also zieht es am Samstag so viele Jugendliche auf die Schlosswiese statt ans Bellevue? «Dort sind doch viele crazy», sind sich Salome Deininger und Marina Meier einig. Sie sind lieber am Sommernachtsfest in Greifensee. Hier sei der Abend viel gemütlicher, man kenne die Leute. «Hier sind die Menschen freundlicher», sind sie sich einig. Die 15-jährige Nina Wyss ist auch lieber am Sommernachtsfest. Die Musik sei zwar nicht so ihr Fall, und «hier ist es etwas langweilig - aber besser als zu Hause», meint sie. Die Attraktion seien die Fischknusperli. Die Schwestern Fabienne und Michelle Macsenti kommen ebenfalls wegen des Fisches. Sie sind von ihren Eltern zum Essen eingeladen worden. «Die Street Parade ist mir verleidet», erklärt Michelle.

Auf den vielen Holzbänken am See sitzen die Jugendlichen in Scharen. Sie essen Fisch, Pommes frites und Bratwurst und geniessen den Seeblick. Die Jungs sind zwar nicht gerade begeistert von der gebotenen Musik. Dennoch bleiben sie in Greifensee. Wegen der Gemütlichkeit. Sie seien auch sonst nicht oft in Zürich, sagt Wanja Steiner. «Ich habe kein Geld für Zürich, und hier ist meine Mutter mit Geld», beschreibt Joel Ammann sein Dilemma. Traurig scheint er deswegen nicht zu sein.

Die Band im Festzelt spielt das in der Interpretation von Doris Day bekannt gewordene «Que sera, sera». Erste Besucher des Sommernachtsfests beginnen zu schunkeln. Die letzten Lose werden verkauft, die Stimmung steigt. Die Sonne ist längst in Rot- und Violett-Farbtönen im See untergegangen. Vor den Besuchern auf der Schlosswiese liegt noch eine lange Nacht. Die laute und fiebrige Street Parade ist weit weg. (Tages-Anzeiger)

Erstellt: 11.08.2008, 09:53 Uhr

Service

Für Selbstständige und KMU

Tragen Sie Ihre Firma im neuen Marktplatz des Tages-Anzeigers ein.

Blogs

Mamablog Bye, mein Grosser

Blog Mag Facetime überall?

Die Welt in Bildern

Die Ruhe weg: EIn Blauschaf betrachtet den Betrachter im Uoo von Moskau, Russland. (17. August 2017)
(Bild: Yuri Kochetkov/EPA) Mehr...