Entgleister Güterzug an einer Katastrophe vorbeigeschrammt

Gestern Nachmittag entgleiste auf dem Bahnhof Herrliberg-Feldmeilen ein Bauzug der SBB. Verletzt wurde niemand. Es kam zu massiven Verspätungen.

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Kurz nach 14 Uhr geht auf dem Bahnhof Herrliberg-Feldmeilen plötzlich nichts mehr. Den ersten ankommenden Rettungskräften und Untersuchungsbehörden bietet sich ein wüstes Bild. Der letzte Wagen eines 11 Güterwagen umfassenden Bauzuges der SBB steht mit allen vier Achsen neben den Schienen. Komplett demoliert. Ein anderer, auf dem Nebengleis abgestellter Bauzug ist auf der ganzen Länge aufgeschlitzt, Trümmerteile sind auf dem Boden zerstreut, faustgrosse Schottersteine liegen auf dem Perron.

Nicht auszudenken, was hätte passieren können, wenn sich zum Zeitpunkt des Unfalls Wartende auf dem Perron befunden hätten. «Ohalätz, das geht ins Geld!», ruft ein SBB-Angestellter aus, als er die Unfallstelle betritt. Um sofort anzufügen: «Zum Glück ist niemand zu Schaden gekommen.» Daniele Pallecchi, Mediensprecher der SBB, bestätigt: «Beim Unfall wurde niemand verletzt. Der Sachschaden geht aber bestimmt in die Hunderttausende von Franken.»

Bereits in Meilen entgleist?

Ein Dutzend Spezialisten untersucht vor Ort, wie es zum Unfall gekommen ist. Einer der Männer vermutet, dass der letzte Wagen des Bauzuges schon in Meilen mit einer Achse aus den Schienen gesprungen ist. Kurz vor dem Bahnhof Herrliberg-Feldmeilen seien dann auch die übrigen Achsen entgleist. Auf seiner Rumpelfahrt hat der Bauzug eine Menge Schotter verloren. Im zerstörten Wagen, der am 18. Dezember 2007 letztmals revidiert wurde, befindet sich nur noch ein Fünftel der ursprünglichen Ladung. Mediensprecher Pallecchi will sich nicht an Spekulationen über die Unfallursache beteiligen. «Die Untersuchungen laufen in verschiedene Richtungen. Fest steht dagegen, dass die Reparaturarbeiten an den Gleis- und Weichenanlagen bestimmt bis Donnerstag um 3 Uhr morgens andauern werden.»

Eine Anwohnerin steht derweil noch immer geschockt mit zahlreichen weiteren Schaulustigen am Perron. Sie wohnt im ersten Stock des Bahnhofgebäudes. Von ihrem Schlafzimmer aus sieht sie direkt auf die Gleise. «Ich war am Schlafen. Plötzlich wurde ich von einem Riesenlärm geweckt», erzählt sie. «Erst gab es einen lauten Knall, anschliessend hörte ich, wie der entgleiste Wagen im Schotter und am Zug entlang geschleift wurde. Es war so laut, dass ich zuerst dachte, der Zug sei direkt in das Haus gerast.»

Klagen und spontane Hilfe

An den Bushaltestellen des Bahnhofs Herrliberg-Feldmeilen warten die Zugpassagiere auf die angekündigten Ersatzbusse. Hektik kommt auf. Ein Reisender beklagt sich lauthals über die schlechte Information der SBB. Einer anderer Pendler ergattert sich derweil eiligst einen Platz in einem Auto, dessen Fahrer sich spontan bereit erklärt, drei «Gestrandete» nach Meilen mitzunehmen.

Durch den Vorfall ist der S-Bahn-Verkehr am rechten Zürichsee-Ufer heute noch den ganzen Tag hindurch stark behindert. Die S6 fällt zwischen Küsnacht und Uetikon aus, die S 7 wird in Erlenbach und Meilen gewendet. Es kommen Autobusse zum Einsatz. Die S 16 ist von der Störung nicht betroffen. Auch der Fernverkehr der SBB ist vom Vorfall nicht tangiert, wie Daniele Pallecchi erklärt. (Tages-Anzeiger)

Erstellt: 01.10.2008, 08:46 Uhr

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