«Esslinger Dreieck» wird zum Dorfzentrum

Im Zentrum von Esslingen wird eifrig gebaut. Der Vollikerbach hat eine neues Bett erhalten, am südlichen Ufer entsteht ein Öko-Geschäftshaus, dahinter sind 40 Wohnungen geplant.

Der Vollikerbach hat ein neues Bett erhalten. Jetzt baut Basler&Hofmann ein drittes Geschäftshaus.

Gesa Lüchinger

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Seit diesem Sommer ist das so genannte «Esslinger Dreieck» eine Grossbaustelle. Das noch weitgehend unüberbaute Areal zwischen Löwen-, Uster- und Forchstrasse wird in den nächsten Jahren massiv umgestaltet: Auf rund 24'000 Quadratmetern soll ein Zentrum für das heute 1600 Einwohner zählende Dorf entstehen mit Bürohäusern, Läden, Autoeinstellhalle, Dorfwiese und Wohnbauten, die bereits bestehende Bauten wie Forchbahn-Endstation, Post und Dorfladen ergänzen. Bauherr ist das bekannte Ingenieurunternehmen Basler & Hofmann.

Zentrales und prägendes Element des Areals wird der Vollikerbach. Er fliesst seit wenigen Tagen in einem neuen Bett. Auf den ersten Blick dominiert Beton, der die Umgebung selbst vor einem Hochwasser schützen soll, das nur einmal pro Jahrhundert zu erwarten ist. Wer genauer hinschaut erkennt aber rasch, dass der Bachlauf naturnah gestaltet ist. Da gibts Kies, Bollensteine, überspülte Wurzeln und unterspülte Erdufer. In den nächsten Monaten wird eine Bachpromenade angelegt, die zum Flanieren einlädt und Einblick in ein belebtes Gewässer bieten soll.

Oase für Mensch und Steinkrebs

Am und im Volliker- oder Chnolibach, wie er auch genannt wird, finden stark gefährdete Tierarten einen Lebensraum, wie Verena Lubini vom Zürcher Büro für Gewässerökologie am Montagabend anlässlich einer Baustellenbesichtigung erklärte. Zum Beispiel fünf Insektenarten, die auf der Roten Liste figurieren, darunter die Blauflügelprachtlibelle. Oder Steinkrebse, die mit bis zu elf Zentimeter Körperlänge kleinste von drei einheimischen Flusskrebsarten. Noch diesen Herbst wird der neue Bachlauf bepflanzt, unter anderem mit charakteristischen Traubenkirschen. Im oberen Bereich des Baches, beim städtisch anmutenden Bahnhofplatz, werden die Bäume dicht stehen, im unteren, dörflichen Bereich lockerer, wie Daniel Fritschi vom Mönchaltorfer Landschaftsarchitekturbüro fla fritschi erklärte. Die Traubenkirschen sollen im Frühling wie eine weisse Wolke wirken und sich im Herbst prächtig verfärben.

Der neu gestaltete Grünraum freut Konrad Basler. Der frühere SVP-Nationalrat und Raumplaner war zusammen mit Ernst Hofmann Gründer von Basler & Hofmann. Das Unternehmen verlegte zu Beginn der 1990er-Jahre einen Teil seiner Geschäftsräume nach Esslingen. Ihm gehören über die Rehalp-Verwaltungs AG drei Viertel des «Drü-Eggs». Konrad Basler, der ganz in der Nähe wohnt, und Ernst Hofmann hatten eine Vision für das damals brachliegende Areal.

An dieser zentralen Lage, die mit Forchbahn, Bus und Forchautostrasse über ausgezeichnete Verbindungen zu den Städten Zürich und Uster verfügt, sollte ein lebendiges Dorfzentrum mit Wohn-, Geschäfts- und öffentlichen Gebäuden entstehen, von dem gesellschaftliche und wirtschaftliche Impulse ausgehen. Der Bach sei von grossem Wert, betonte Konrad Basler, der im Unternehmen nicht mehr aktiv ist. «Er sorgt an diesem wichtigen Ort für Ordnung.» Die Verlegung, Renaturierung und hochwassersichere Ausgestaltung des Vollikerbachs ist in einem öffentlichen Gestaltungsplan aus dem Jahr 1991 festgelegt, der 2002 überarbeitet wurde. Verfasst hat den international ausgezeichneten Plan das renommierte Zürcher Architekturbüro agps (Marc Angeli, Sarah Graham, Manuel Scholl, Reto Pfenninger, Hanspeter Oester; Zürich und Los Angeles). Der Gestaltungsplan wird in Etappen Wirklichkeit. Im nördlichen Bereich entstanden die Forchbahn-Endstation, Post, Dorfladen und Autoeinstellhalle sowie 1996 und 2002 zwei Geschäftshäuser von Basler & Hofmann. Jetzt beginnt der Bau eines dritten Geschäftshauses, das wiederum Massstäbe setzen soll.

Das neue Gebäude wird nach Minergie-P-Eco-Standard gebaut – ein «ökologisches Vorzeigeobjekt», wie Christof Glaus vom Zürcher Büro Stücheli Architekten erklärte. Mit möglichst einfachen, aber intelligenten haustechnischen Lösungen will Dominik Courtin, Vorsitzender der Basler&Hofmann-Geschäftsleitung, «umfassende Nachhaltigkeit» erzielen.

Geschäftshaus als Kraftwerk

Solarzellen werden so viel Strom produzieren, wie das Gebäude benötigt. Basler&Hofmann konnte sich für den Solarstrom eine Einspeisevergütung sichern. Und Sonnenkollektoren liefern rund drei Viertel der Kühl- und Heizenergie. Überschüssige Wärme wird dazu in einem neuartigen System im Erdreich gespeichert.

Wenn das Gebäude 2009 bezugsbereit ist, kann das Ingenieurunternehmen Basler&Hofmann die Zahl der Arbeitsplätze in Esslingen von heute 150 auf 230 bis 250 erhöhen. Im Parterre sollen rund 1000 Quadratmeter extern vermietet werden. Denkbar seien ein Café, Läden und Praxen, sagte Courtin. Längerfristig erlaubt der Gestaltungsplan entlang dem Vollikerbach den Bau von zwei weiteren Geschäftshäusern. Vorher dürften aber die im Süden des Areals vorgesehenen rund 40 Wohneinheiten – Lofts oder Einfamilienhäuser – entstehen und eine zweite Autoeinstellhalle, mit der die Zahl der gedeckten Parkplätze auf 240 verdoppelt werden soll. (Tages-Anzeiger)

Erstellt: 30.09.2008, 22:10 Uhr

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