Fachjury belohnt Eglisauer Traditionshaus

«Historisches Hotel des Jahres 2009» – mit diesem begehrten Titel darf sich der Eglisauer Gasthof Hirschen seit gestern schmücken. Er ist der Lohn für eine vierjährige Restauration.

Hirschen-Inhaber Werner Dubno (l.) und Jurypräsident Peter Omachen.

Hirschen-Inhaber Werner Dubno (l.) und Jurypräsident Peter Omachen. Bild: Yvon Baumann

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«Diese Auszeichnung macht mich stolz, und gleichzeitig bin ich fast schon ein wenig verwirrt», sagt Werner Dubno. Verstehen mag man diese Verwirrung schon, ist doch der Inhaber des Gasthofs Hirschen erst vor rund sieben Jahren als Quereinsteiger zum Hotel- und Restaurantgewerbe gestossen. Dass sich sein Betrieb nun gegen rund zwanzig Mitbewerber aus der gesamten Schweiz durchgesetzt hat und gestern die Auszeichnung «Historisches Hotel des Jahres 2009» der Icomos in Empfang nehmen durfte, ist für den Textilkaufmann Dubno eine besondere Würdigung seiner Arbeit.

Als Werner Dubno das am Rheinufer gelegene Eglisauer Traditionshaus übernahm, war er sich des Erfolgs nämlich keineswegs sicher. «Was soll ich mit einem Restaurant?», habe er damals seine Ehefrau gefragt, als er von ihr erfuhr, dass das leer stehende Haus zum Verkauf stand.

Das Gebäude befand sich zu jener Zeit in einem sehr schlechten Zustand, wie sich Gemeindepräsident Peter Keller erinnert. «Das Haus hatte einiges mitgemacht», sagt er. Früher sei es ein Zentrum für das kulturelle Leben im Dorf gewesen und wurde beispielsweise für Theateraufführungen genutzt. «Später wurde die Gastronomie schlechter, und der Gasthof verkam zunehmend.»

Historische Elemente neu eingebaut

Der Gemeinderat war denn auch froh, als mit Werner Dubno ein Mann die Gaststätte an prominenter Lage, in der sich schon Johann Wolfgang von Goethe im Jahre 1797 eine Rast gönnte, übernahm. «Er hat das Gebäude nicht einfach gekauft und dann im Eilverfahren umgebaut, wie es heute oftmals geschieht», sagt Keller. «Stattdessen hat er grossen Wert auf den denkmalpflegerischen Aspekt gelegt und auch das lokale Gewerbe miteinbezogen.» Der Umbau dauerte ganze vier Jahre bis Mitte des vergangenen Jahres zunächst der Gastronomie- und im Herbst dann auch der Hotelbetrieb mit sieben historischen Zimmern und Suiten den Betrieb aufnehmen konnte.

Die Renovationsarbeiten am 1523 erstmals erwähnten, wahrscheinlich jedoch viel älteren Gebäude begleitete die kantonale Denkmalpflege hautnah. Restaurierte Originalteile wurden wieder an ihrem ursprünglichen Standort eingesetzt. Zusätzlich bestückte man das Gebäude mit anderen aus der Epoche stammenden Elementen. Dieses Konzept stiess auch bei der Jury auf Anklang. «Die Jury beurteilt den gesamten Gebäudekomplex mit allen Einzelbauten, die Umgebung sowie das Interieur», erklärt Jurypräsident Peter Omachen. «Ein sehr wichtiges Kriterium ist auch die Art und Weise, wie der historische Bestand in die Unternehmensphilosophie einfliesst.» Beim Hirschen ist dies offensichtlich besonders gut gelungen, spricht doch die Jury in ihrem Entscheid von einem «Musterbeispiel für die Verwendung historischer Bauteile». Ebenfalls gewürdigt wird die «hervorragende Sammlung lokaler und regionaler Antiquitäten».

Der Hirschen ist erst der zweite Gasthof im Kanton Zürich, der in den Genuss der seit 1997 verliehenen Auszeichnung kommt. Diese ist nicht mit einem Preisgeld verbunden, sondern lässt sich lediglich fürs Marketing nutzen. «Die Resonanz in der Öffentlichkeit ist für uns ein wertvoller Beitrag zur Verbreitung unserer Idee und natürlich eine Werbung für die Betriebe», so Omachen. Zusätzlich wird der Gasthof auch in einen speziellen Führer für historische Hotels und Restaurants aufgenommen.

«Stolz auf den Hirsch im Wappen»

Die Renovation habe ihn sehr viel Kraft und Energie gekostet, sagt Inhaber Werner Dubno. «Eine Renovation in diesem Umfang ist nicht bis ins letzte Detail planbar; vieles muss man situativ entscheiden.» Der Preis bereite ihm deshalb eine Riesenfreude, sei aber auch eine Verpflichtung. «Wir werden alles daran setzen, des Preises auch über das Jahr 2009 hinaus würdig zu sein.»

Doch die Auszeichnung freut nicht nur den Inhaber, sondern auch den Gemeindepräsidenten. «Eglisau trägt nicht ohne Stolz einen Hirsch im Wappen», sagt er. «Seit der Wiedereröffnung des Gasthofs ist ein weiterer kapitaler Hirsch in eine der wichtigsten Häuserreihen zurückgekehrt.» Die Auszeichnung stärke auch das Image der Gemeinde als Landstädtchen. (Tages-Anzeiger)

Erstellt: 24.09.2008, 22:23 Uhr

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