Feuerwehr: Im Notfall herrscht bald Notstand

Die Feuerwehren im Bezirk kämpfen nicht nur gegen den Feuerteufel. Auch die Mitgliederzahlen machen ihnen zu schaffen.

Üben für den Ernstfall: Thalwiler Feuerwehrmänner evakuieren einen Zugpassagier.

Üben für den Ernstfall: Thalwiler Feuerwehrmänner evakuieren einen Zugpassagier. Bild: Patrick Gutenberg

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Alle Pager piepsen gleichzeitig: Die Feuerwehrmänner haben auf den Unfall beim Bahnhof Thalwil gewartet. Sofort fahren sie ohne Sirenen und Blinklichter hin: Es ist nur eine Übung. Zwei Autos und ein Bahnwaggon sind darin verwickelt. Ein Auto hängt am Abhang, das andere hat sich überschlagen und steht kopfüber an den Zug angelehnt. In jedem Wagen sind Menschen, verletzt und eingeklemmt. Auch aus dem Zugabteil hört man Stöhnen.

Die knapp 30 Feuerwehrleute vor Ort handeln routiniert. Sie leiten den Verkehr um und sichern die Fahrzeuge, damit keines kippen kann. Es ist zwar kein Feuer zu sehen, dennoch steht ein Brandschutz bereit. Elf Minuten nach dem Alarm ist die erste ohnmächtige Person aus dem Zug gerettet und von der Feuerwehrsanität versorgt. Eine ausgezeichnete Zeit, sagt Übungsleiter Arno Schuoler später bei der abschliessenden Besprechung. Schwieriger ist die Bergung der Autoinsassen, mit schwerem Geschütz kämpfen die Männer mit Helm gegen das Metall. Einen verletzten Fuss befreien sie mit einem hydraulischen Pedalschneider. «Mein Bein, mein Bein», schreit das Opfer unentwegt.

Personalfrage ist Dauerthema

Wäre die Übung vom Donnerstag ein Notfall gewesen, «hätten wir für diese Situation viel zu wenig Leute auf dem Platz gehabt», sagte der stellvertretende Kommandant Eduard Jericke. Die Mitgliederzahlen sind ein Dauerthema auf den Wachen im Bezirk. Die meisten Kommandanten sind froh, wenn sie die Personalvorgaben der Gebäudeversicherung erfüllen können. Diese Vorgaben sind in den letzten Jahren zwar gesunken, weil sich die Ausrüstungen der Feuerwehr sowie auch die Brandmeldeanlagen technisch verbessert haben. Dennoch kämpfen einige Gemeinden gegen einen Unterbestand. «Die Zürichseegemeinden ziehen keine Bewohner an, die sich für die Feuerwehr interessieren», sagt Jericke. Die natürlichen Abgänge könnten nicht aufgefangen werden. Bei stetig sinkenden Bestandeszahlen stehen heute Thalwil mit Oberrieden zusammen 74 Einsatzkräfte zur Verfügung. 80 müssten es gemäss dem Konzept 2010 mindestens sein.

Auch Kilchberg und Rüschlikon führen eine gemeinsame Wache, halten die Mitgliederzahl auch nicht über der geforderten Limite. «Wir können die Vorgaben nicht erfüllen und haben einen leichten Unterbestand», sagt Kommandant Christoph Rengel. Viele würden in Zürich oder weiter entfernt arbeiten und so tagsüber für einen Einsatz nicht in Frage kommen. Dieser Umstand macht auch anderen Feuerwehren zu schaffen.

In den Berggemeinden Hütten und Schönenberg zum Beispiel, wo tagsüber Nachbargemeinden im Notfall fehlendes Personal abdecken. In den ländlichen Gemeinden besteht aber insgesamt kein Personalproblem.

Städtische Gemeinden mit Problemen

Es sind vor allem städtische Gemeinden wie Wädenswil oder Horgen, die sich intensiv um Nachwuchs bemühen müssen. «Wir haben tendenziell einen Unterbestand», sagt Hanspeter Gisler, Kommandant der Feuerwehr in Wädenswil. Das Finden von neuen Mitgliedern werde immer schwieriger und in ein paar Jahren zu einem «richtigen Problem». Auch in Horgen blickt man nicht gerne in die Zukunft. «Im Moment geht es gerade auf», sagt Stabsoffizier Werner Zollinger. Hindernisse für eine Rekrutierung sei die geringe Motivation der Leute und der fehlende Draht zu den Arbeitgebern, die ihre Angestellten freistellen müssen, sagt Karl Rusterholz, Kommandant von Richterswil-Samstagern. Die Rekrutierung benötige inzwischen sehr viel Arbeitszeit.

Auf dem Hirzel hat die Feuerwehr das Problem elegant gelöst: Sie arbeitet mit Horgen zusammen, so benötigt sie gemäss Vorschrift nur 40 statt 60 Mitglieder. «Wir haben 47 Aktive», sagt Werner Höhn, «sonst hätten wir Probleme gehabt.» Der beste Weg, um neue Mitglieder zu finden, ist gemäss dem Kommandanten Werbung über Bekannte und Verwandte. Wer jemanden von der Feuerwehr kenne, habe viel weniger Hemmungen beizutreten.

Kommandant Marcel Kern, erklärt den Personalrückgang in Adliswil im vergrösserten Freizeitangebot und dass die Menschen weniger sesshaft und somit lokal weniger verankert seien. «Die Mitgliederzahlen sind ein Spiegel der Gesellschaft», sagt Jan Bauke. Der Kommandant von Langnau erlebt immer weniger lange Feuerwehrkarrieren: «Viele bleiben nur noch fünf bis sechs Jahre.» Je länger, je mehr werde der Mitgliederbestand zu einem heissen Thema. (Tages-Anzeiger)

Erstellt: 30.08.2008, 08:26 Uhr

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