«Frauen erzielen wunderbare Dinge»

Warum Cherie Blair, Frau des ehemaligen britischen Premiers Tony Blair, eine Stiftung für Frauen gründete.

«Wir wurden dazu ermutigt, unsere Bildung ernst zu nehmen und vor allem an uns selbst zu glauben», sagt Cherie Blair, hier im Bild mit Frauen in Ruanda, die von ihrer Stiftung unterstützt werden. Foto: J. William Hirtle

«Wir wurden dazu ermutigt, unsere Bildung ernst zu nehmen und vor allem an uns selbst zu glauben», sagt Cherie Blair, hier im Bild mit Frauen in Ruanda, die von ihrer Stiftung unterstützt werden. Foto: J. William Hirtle

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Wie kam es dazu, dass sie die Cherie Blair Stiftung für Frauen gründeten?
Während meiner Zeit in der Downing Street (dem Amtssitz des britischen Premiers - Anm. d. Red.) hatte ich das Glück, viel in der Welt herum zu kommen. Ich habe zahllose Frauen der unterschiedlichsten Bereiche getroffen, die sich bemühten, Firmen zu gründen, um sich und ihren Familien ein besseres Leben bieten zu können. Es wurde mir klar, dass sie wunderbare Dinge erzielen können, wenn ihnen die richtige Unterstützung, die richtigen Werkzeuge gegeben werden. Deshalb habe ich 2008 diese Stiftung gegründet, um Frauen in Entwicklungs- und Schwellenländern zu helfen, weil sie besonders grosse Hürden zu überwinden haben.

Was sind das für Hürden?
Stereotypische Geschlechterrollen und die Missachtung von unbezahlter Arbeit im Haushalt bedeuten, dass solche Aufgaben noch immer hauptsächlich auf den Schultern der Frauen lasten. Das kann ihre Möglichkeit, am wirtschaftlichen Leben teilzunehmen, stark beeinträchtigen – sei es als Angestellte oder Unternehmerin. Ausserdem fehlt es am Zugang zu Ausbildung und Finanzdienstleistungen. Die Weltbank schätzt, dass 65 Prozent aller kleinen und mittleren Unternehmen, die in Entwicklungsländern von Frauen geführt werden, mangelhaften Zugang zu Finanzdienstleistungen haben. Hinzu kommen Defizite bei der Bildung – Frauen mangelt es oft an finanzieller Bildung, an den Fähigkeiten und dem Selbstvertrauen, ihre Finanzen selbst in die Hand zu nehmen.

Was sind das für Frauen, die ihre Stiftung begleitet?
Ich bin immer wieder beeindruckt davon, wie stark bei den Unternehmerinnen, mit denen wir zu tun haben, das Gefühl ist, dass sie eine Verantwortung für andere haben, wie sehr sie etwas weitergeben wollen. Das gilt für 80 Prozent der Frauen, denen wir Weiterbildung anbieten. Zum Beispiel Anja in Malaysia. Ihre Firma verkauft umweltfreundliche, wiederverwendbare Hygieneartikel – und spendet mehr als die Hälfte ihres Gewinns, um Mädchen zwischen 9 und 17 Jahren weiterzubilden.

«Sie alle wollen etwas weitergeben.»

Was für Unternehmen unterstützen Sie?
Wir haben mit mehr 140'000 Unternehmerinnen in mehr als 100 Ländern gearbeitet. Da können Sie sich vorstellen, dass die Branchen und das Umfeld, um das es dabei geht, ausgesprochen vielseitig sind. Noch ein Beispiel: Mariela aus Argentinien. Sie arbeitete 20 Jahre lang in der Logistik, aber als Frau in einer von Männern dominierten Branche wurden ihre Ideen nicht ernst genommen und sie schaffte es nie in eine Führungsposition. Völlig frustriert machte sie sich zusammen mit zwei Kolleginnen selbstständig. Nun hat sie ein eigenes Beratungsunternehmen, das Lastwagen- und Frachtfirmen unterstützt, besonders solche, die von Frauen geführt werden.

Sie selbst sind in Lancashire in England aufgewachsen. Wer waren damals ihre Vorbilder?
Mein Vater hat uns verlassen als ich ganz klein war. Ich wuchs bei meiner Mutter und meiner Grossmutter auf – zwei sehr starke Frauen, die mir schon früh beigebracht haben, wie wichtig es ist, eigenständig zu sein. Mutter und Grossmutter mussten beide schon mit 14 die Schule verlassen. Und sie waren fest entschlossen, dass meine Schwester und ich einen besseren Start ins Leben haben sollten. Wir wurden dazu ermutigt, unsere Bildung ernst zu nehmen und vor allem an uns selbst zu glauben.

Sie haben ja als Rechtsanwältin angefangen. Wie sind sie zum Unternehmertum und in die Geschäftswelt gekommen?
Für mich war eine Überzeugung immer fundamental wichtig: Jeder hat das Recht, gleichberechtigt an der Gesellschaft teilzunehmen. Das war es, was mich am Beruf der Anwältin interessiert hat und was mich auch dazu motiviert hat, eine Stiftung für Unternehmerinnen zu gründen. Weltweit brauchen wir mehr Frauen in Führungsrollen, die einer nächsten Generation als Inspiration dienen können. Als Unternehmerinnen können Frauen ihre Zukunft selbst in die Hand nehmen, Arbeitsplätze schaffen und das Leben ihrer Familien und Gesellschaften verbessern.

Und wenn Frauen trotzdem noch zögern, eine eigene Firma zu gründen?
Viel zu oft wird Frauen noch zu verstehen gegeben, dass sie dazu nicht fähig sind. Meine Botschaft an sie ist ganz einfach: Ihr könnt das! Natürlich sind praktische und emotionale Unterstützung wichtig. Aber die innere Stärke und die eigene Entschlossenheit sind ausschlaggebend dafür, ob ein Vorhaben einfach ein Wunsch bleibt oder Wirklichkeit wird. Wenn Frauen an sich selbst glauben, geschehen unglaubliche Dinge.

cherieblairfoundation.org (Sparknews)

Erstellt: 02.03.2018, 09:21 Uhr

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Zur Person

Cherie Blair (63) studierte Jura in London und ist eine renommierte Menschenrechtsanwältin. International bekannt wurde sie als Ehefrau von Tony Blair, der von 1997 bis 2007 Premierminister von Grossbritannien war. Ihre Frauenstiftung wurde 2008 gegründet. Sie hat ihren Sitz in London.
cherieblairfoundation.org

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