«Gefährliche Zückerchen» für junge Leute

Eine Gruppe unter Führung der Jungen SVP macht Stimmung gegen die Rauchfrei-Initiative – mit falschen Behauptungen. Ihr Zielpublikum: junge Leute. Die Lungenliga ist verärgert.

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Knapp zwei Wochen vor dem Urnengang kommt Tempo in den eher flauen Abstimmungskampf. Angeführt von der Jungen SVP, wirbt die Gruppierung «Verbote – nein danke» für den Gegenvorschlag des Kantonsrates und macht Stimmung gegen die Initiative «Schutz vor Passivrauchen» der Lungenliga – mit falschen Informationen. Auf ihrer Homepage steht, bei einer Annahme der Initiative werde das Rauchen in allen Bars, Klubs, Cafés und Beizen verboten. Dies ist falsch. Die Initiative lässt den Wirten explizit die Möglichkeit offen, abgetrennte Raucherräume – sogenannte Fumoirs – zu schaffen. Otto Brändli, Präsident der Lungenliga, ärgert sich darüber: «Das ist eine Fehlinformation, die bewusst gestreut wird.» Bereits in der Abstimmungszeitung des Kantons haben sich fehlerhafte Angaben zur Initiative eingeschlichen.

Für noch bedenklicher hält Brändli, dass die Kampagne auf junge Erwachsene zielt: auf die rund 80'000 18- bis 25-jährigen Raucherinnen und Raucher im Kanton Zürich. In mehreren Klubs rühren die Promotoren der Aktion die Werbetrommel. Ihre Botschaften: «Rauchverbote gefährden deine Freiheit» – «Geniesse deine Nächste», und gemeint ist damit die nächste Zigarette. Brändli spricht von «gefährlichen Zückerchen»: «Längst nicht alle jungen Leute wissen, dass Passivrauchen schädlich ist», sagt Brändli und verweist auf eine Studie, wonach 30 Prozent der Befragten dieser Befund nicht bekannt gewesen sei.

Niemand will schuld sein

Kein Verständnis für die Kritik der Lungenliga zeigt Alexander Segert, Geschäftsführer der SVP-Hauswerbeagentur Goal, welche die Kampagne umsetzt: «Wir wollen die jungen Leute an die Urne holen.» Dass die Werbung junge Leute zum Rauchen animiert, hält er für unwahrscheinlich. Sie konzentriere sich auf bereits rauchende Jungwähler und bewerbe keine Nichtraucher. Von der Fehlinformation auf der Homepage habe er nichts gewusst. Dasselbe sagt auch JSVP-Präsident Roger Hängärtner. Seine Partei habe den Textinhalt nicht zu verantworten. Er werde Segert aber bitten, den Fehler zu korrigieren. (Tages-Anzeiger)

Erstellt: 16.09.2008, 07:44 Uhr

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