Geissen statt Forstarbeiter

Im Frühling wird man im Bachser Wald Stiefelgeissen weiden lassen. Das Projekt von Pro Natura akzeptiert die Jägerschaft zähneknirschend.

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Sechs Stiefelgeissen sollen sich ab kommendem Frühling an den jungen Trieben auf zwei Flächen im Bachser Wald gütlich tun und deren Nachwachsen verhindern. Das ist das Ziel von Pro Natura Zürich. Nach längerem Hin und Her hat man sich mit der Jagdgesellschaft Sanzenberg, welche in diesem Gebiet ansässig ist, auf zwei Waldflächen in der Umgebung des Schulhauses Tal im Bachsertal geeinigt. Anstatt Maschinen sollen Geissen die Arbeit der Förster übernehmen, denn nur durch äussere Eingriffe kann der bestehende lichte Wald offen gehalten werden. In solchen Wäldern gedeihen seltene Tier- und Pflanzenarten.

Steiles Gelände den Ziegen überlassen

Das Projekt ist wegen zweier schwerer Unfälle in der Forstwirtschaft ins Leben gerufen worden. Der zuständige Förster Roland Steiner begrüsst es, da er seine Leute im steilen und steinigen Gebiet nicht mehr mit Maschinen mit Metallklingen einsetzen will, welche abbrechen und schwere Verletzungen verursachen können. Nun wird das Stiefelgeissenprojekt allerdings nicht im gefährlichen Gebiet und damit auf dem Land von Pro Natura durchgeführt, sondern in Kantonswald. «Es ist ein Kompromiss, und es kann getestet werden, ob eine solche Bewirtschaftung in Frage kommt», so Steiner. Auf den problematischen 10 Hektaren arbeiten die Forstangestellten nur noch mit sogenannten Fadenkopf-Freischneidern, mit denen oft Rasenränder getrimmt werden.

Auch für Andreas Hasler, Geschäftsleiter von Pro Natura Zürich, ist die jetzige Projektausführung nur die zweitbeste Lösung. Der vorgesehene Wald umfasst rund eine Hektare und wird jeweils in 4 bis 6 Weiden aufgeteilt, wobei immer nur jene umzäunt sein wird, in der sich die Tiere aufhalten. Als Unterstand dient eine einfache Blache, und eine Geissenhalterin aus der Umgebung wird die Tiere täglich aufsuchen. Der einzige Grund, weshalb sich der Start verzögern könnte, ist die Beschaffung der Stiefelgeissen. Es handelt sich um eine alte rare Rasse, die sich für das Gelände besonders gut eignet. Die Jägerschaft steht dem Projekt gemäss Kurt Griesser, Obmann der Jagdgesellschaft Sanzenberg, nach wie vor kritisch gegenüber. «Nun hat man die Fläche wenigstens an den Waldrand verlegt, sodass es beim Wild weniger Beunruhigung gibt.» Für Griesser ist es aber fraglich, weshalb im Wald geweidet werden soll, da dies gesetzlich eigentlich verboten ist. (Tages-Anzeiger)

Erstellt: 14.10.2008, 10:25 Uhr

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