Geschädigt

Warum bin ich einer Kommune aufgewachsen? Das will Paul-Julien Robert in seinem Dokumentarfilm herausfinden.

So lustig, wies hier aussieht, war das Kommunenleben nicht.

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Warum, Mutter? Warum all die Urschrei- und Maltherapien? Wozu die freie Liebe, die unzähligen potenziellen Väter? Paul-Julien Robert bohrt und bohrt. Seine Mutter hat Tränen in den Augen und weiss keine Antwort.

Robert wurde 1979 in die Kommune Friedrichshof im Burgenland hineingeboren. Geleitet hat sie der unlängst verstorbene österreichische Aktionskünstler Otto Mühl. Als Tyrann herrschte er über die «aktionsanalytische Organisation» und experimentierte mit Menschen: Er wollte sie befreien – und schikanierte sie nur. Um die Gewalt aus der Welt zu schaffen, baute er ein Terrorregime auf.

Robert zeigt erstmals unangenehmes Archivmaterial aus der Kommune: Man sieht, wie sich die Getreuen wie auf einer Theaterbühne «selbst darstellen» und wie Mühl ein Kind blossstellt. Der Regisseur entdeckt sich auch selber in den Bildern: Die Mutter liess ihn zurück, um in Zürich für das Kollektiv Geld zu verdienen.

Aber Robert denunziert nicht. Er fragt. In seiner Erinnerungsarbeit steckt der quälende Zweifel an der Elterngeneration, die sich von Autorität loslösen wollte und doch nur Geschädigte hinterliess. Für ihr zwangloses Leben forderte sie unbedingte Konformität. Heute, sagt der in seinem Film sehr präsente Regisseur, passe er sich überall an.

Für die «Einführung in die Sexualität» war er damals noch zu jung. Zum Glück: Nach der Wende wurde Mühl wegen Unzucht verhaftet. Doch all das will Roberts Mutter nicht wahrhaben. Sie weicht aus, sie rechtfertigt sich, sie blendet das Unrecht aus. Daraus entsteht grosse Dramatik – und ein grosser Film. (Zueritipp)

Erstellt: 04.09.2013, 14:59 Uhr

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