Glaubhafte Lebendigkeit

Im Debüt der ersten afghanischen Regisseurin hänseln sich Kinder nicht anders als hierzulande.

Sie hütet Schafe und träumt vom Heiraten.

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Kommt einem das nur so vor, oder handelt wirklich jeder zweite Film aus einem Land, das auf «-stan» ­endet, von Hirten, gerne auch nomadisierenden? Und hat das mit der Bedeutung dieses Berufsstands fürs dortige Bruttosozialprodukt zu tun oder eher mit den ­naturromantischen Erwartungen hiesiger Geldgeber? Im Spielfilm «Wolf and Sheep», der in Afghanistan spielt, aber aus Sicherheitsgründen in Tadschikistan gedreht wurde, wird diese archaische Lebensweise jedoch ganz nüchtern betrachtet.

Der dafür nötige unverklärte Blick gehört Afghanistans erster Filme­macherin, der jungen Regisseurin Shahrbanoo ­Sadat, die selbst Jahre in einem abgeschiedenen Bergdorf verbracht hat. Es gibt in ihrem Langfilmdebüt Einschübe von poetischem Realismus. Dann streifen nackte grüne Feen oder aufrecht gehende Wölfe surreal durch die Szenerie. Doch der Grundton bleibt naturalistisch. In lose aneinandergereihten Alltagsvignetten folgen wir den Schafe hütenden Mädchen- und Jungencliquen, wie sie einander hänseln oder sich zaghaft befreunden. Wir sehen, dass eine selbst geflochtene Steinschleuder böse Verletzungen anrichten kann und dass nachbarschaftlicher Tratsch, der sich mit altem Aberglauben vermengt, das auch vermag.

In seiner glaubhaften Lebendigkeit wirkt «Wolf and Sheep» fast dokumentarisch: Wir erfahren, wie man im zentralafghanischen Hinterland Schadenersatz für Körperverletzungen aushandelt; dass die Leute nirgendwo so arm sind, dass sie nicht doch noch was finden, worum sie einander beneiden können («Hast du gesehen, wie viele Dungfladen die Nachbarn auf dem Dach haben?»), und dass afghanischen Kindlein genauso unflätig ­miteinander reden, wie es von Zürcher Pausenplätzen kolportiert wird. (Zueritipp)

Erstellt: 23.11.2016, 15:48 Uhr

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