Gockhauser Laden schliesst Ende August

Der Betreiber des letzten Dorfladens in Gockhausen hat gekündigt, weil der Umsatz unter seinen Vorstellungen lag. Nun hat die Genossenschaft genug. Sie sucht keinen Nachfolger.

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15 Jahre lang hat die Genossenschaft Dorfladen versucht, die einzige Einkaufsmöglichkeit im Ort zu erhalten. Doch letztlich ohne Erfolg: Ende August wird das Geschäft geschlossen. Auslöser war die Kündigung des derzeitigen Betreibers Elam Yousafzai, der den Laden angesichts der Umsatzzahlen nach nur einem Jahr nicht weiterbetreiben konnte, obwohl die Genossenschaft die Miete seit je tief hält. Ihm ging es damit nicht anders als seinen drei Vorgängern. «Keiner der Betreiber hat etwas verdient», weiss Matti Neuenschwander, Präsident der Genossenschaft Dorfladen. «Wir wollten keinen weiteren Unternehmer verheizen, deshalb zogen wir an der letzten Generalversammlung einen Schlussstrich.»

Nach seiner Eröffnung in der im Jahr 1998 neu erstellten Überbauung Dorfzentrum wurde der Laden als Volg geführt. Als die Umsatzzahlen nicht den Erwartungen entsprachen, zog sich der Detaillist zurück und beschränkte sich auf die Warenlieferung. Später wurde das Angebot verschiedentlich angepasst, ebenso wie die Öffnungszeiten. «Einige Kunden wünschten sich auch etwas exklusivere Produkte», erinnert sich Neuenschwander. «Doch kaum gab es neben dem Grundsortiment vermehrt Spezialitäten, hiess es, der Laden sei teuer.»

Für Neuenschwander ist es nur natürlich, dass der Dorfladen preislich nicht mit den Grossen der Branche mithalten konnte. «Ein solches Lebensmittelgeschäft muss sich ein Ort leisten, das leuchtet allein schon in Anbetracht des Einzugsgebiets ein», sagt der selbstständige Architekt. Es reiche nicht, wenn die Leute nur das posten würden, was sie beim Grosseinkauf vergessen hätten. Leider habe die Solidarität in Gockhausen in den letzten Jahren abgenommen, bedauert Neuenschwander. So sei der Umsatz vor 15 Jahren höher gewesen als heute, obwohl der Ort mittlerweile 30 Prozent mehr Einwohner zähle. Viele Neuzuzüger würden sich aber nicht mit Gockhausen identifizieren und kämen nur zum Schlafen hierher.

50 Franken hätten gereicht

Während die Mehrheit der Bevölkerung von Gockhausen offenbar die grossen Einkaufszentren in der Region oder Tankstellenshops bevorzugt, bezog Neuenschwander über all die Jahre einen Grossteil seines täglichen Bedarfs im Dorfladen. Der Laden sei der Treffpunkt eines relativ kleinen Personenkreises gewesen, sagt er mit Hinweis auf die wenigen Reaktionen, die auf die Information über die bevorstehende Schliessung eingegangen sind. «Ältere Leute und Personen, die nicht mobil sind, werden aber garantiert unter der Schliessung des Ladens leiden», ist er überzeugt.

Ihnen bleibt der Lieferservice von Migros oder Coop - oder dann der Hauslieferdienst des ehemaligen Betreibers eines früheren Dorfladens oberhalb der Tobelhofstrasse. Dieser sei aber nur bedingt eine Konkurrenz gewesen. Gravierender war laut Neuenschwander, dass der Dorfladen nicht vom doch beträchtlichen Pendlerverkehr profitieren konnte. Der Kanton gewährte keine direkte Zufahrt zur Liegenschaft. Doch das seien alles nur Puzzlesteine, hält der Architekt fest. «Denn wenn jeder Haushalt wöchentlich Waren im Wert von 50 Franken im Laden bezogen hätte, wäre der Fortbestand gesichert gewesen.» (Tages-Anzeiger)

Erstellt: 15.08.2008, 07:25 Uhr

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