Horgen will mit Mitwirkung Vorreiterrolle übernehmen

Die Exponenten des Projektes Horgen 2020 erklärten, weshalb die Gemeinde auf Mitwirkung setzt. Ausserdem sagten sie, wie sie die Leute bei der Stange halten wollen.

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«Wir haben gar nichts falsch gemacht. Wir sind den anderen Gemeinden voraus», nahm Gemeindepräsident Walter Bosshard (FDP) den Ball, den ihm Moderatorin Martina Steinhauser vom DRS-Regionaljournal zugeworfen hatte, dankbar auf. Die Runde mit Bosshard, Steinhauser, Sozialvorsteher Hanspeter Leuthold (FDP), Ulrich Meyer (Projektleiter Horgen 2020) und Hanspeter Hongler (Dozent für Soziale Arbeit an der ZHAW) diskutierte am Donnerstagabend vor 20 Zuhörern in der Kulturfabrik See–la–vie über das Leben in Horgen von morgen.

Gemeinde soll leben

Horgen wolle mit dem Projekt Leitplanken für die gesellschaftspolitische Entwicklung der nächsten 12 Jahre setzen, sagte Hanspeter Leuthold. «Die Gemeinde lebt, und sie befindet sich in einem guten Zustand. Wir müssen den gesellschaftlichen Veränderungen aber Rechnung tragen.» In dieselbe Richtung argumentierte Walter Bosshard. «Wenn wir nichts unternehmen, verkommt Horgen zu einer exklusiven Schlafgemeinde mit guter Verkehrsanbindung und tiefem Steuerfuss. Das wäre für mich ein Albtraum», sagte er.

Bereits bei der Verkehrsplanung und bei der Energiepolitik habe die Gemeinde auf die Mitwirkung der Bevölkerung gesetzt und sei damit gut gefahren. «Unser Weg ist zeitgemäss», sagte Bosshard.

Die Horgner Politiker sehen unter anderem im Bereich Integration Herausforderungen auf die Gemeinde zukommen. Menschen aus etwa hundert Nationen leben im Dorf. Viele Ausländer seien gut qualifiziert. Auch diese Leute gelte es zu integrieren. Das sei nicht ganz einfach. Häufig würde diese Personengruppe nur für relativ kurze Zeit in Horgen leben. Das Bestreben, sich zu integrieren und mitzuwirken, sei an einem kleinen Ort. «Wir können nur das Angebot schaffen. Integrieren lassen sich dann nur jene Personen, die das auch wollen», sagte Bosshard.

Droht lange Wunschliste?

Ob man es sich leisten könne, dass nur ein sehr beschränkter Personenkreis mitwirke, wollte Moderatorin Steinhauser von den Diskussionsteilnehmern wissen.

Für Hochschuldozent Hongler ist das «eine schwierige Frage». Aus seiner Erfahrung sei es wichtig, dass sowohl Ausländer wie auch Kinder und Jugendliche an dem Prozess beteiligt seien.

Kritisch meldete sich Walter Bestel, SVP-Mitglied aus der Horgner Sozialbehörde, zu Wort: «Es machen doch vor allem jene Leute mit, die eine Wunschliste haben.» Wer mit dem aktuellen Zustand zufrieden sei, sehe keinen Anlass, am Mitwirkungsverfahren teilzunehmen. Er befürchte eine lange Wunschliste, die zu hohen Kosten und einem steigenden Steuerfuss führen könnte.

Die Arbeitsgruppen müssten bei ihren Wünschen bereits Prioritäten setzen, versuchte Gemeindepräsident Bosshard Bestel zu beruhigen. In einem zweiten Schritt würde auch der Gemeinderat die Wünsche prüfen. «Alles ist sicher nicht machbar», meinte Bosshard. Die Verantwortung liege letztlich bei den politischen Gremien.

Die Diskussion drehte sich nicht nur um die Frage, wie sich möglichst viele Horgnerinnen und Horgner am Projekt beteiligen. Eine weitere Anforderung wird es sein, den «Mitwirkungsvirus» über Jahre am Leben zu erhalten. Übereinstimmend hielten die Teilnehmer fest, man müsse rasch zu konkreten Massnahmen kommen und diese dann unter weiterer Mitwirkung der Teilnehmer realisieren. Das sei das beste Mittel, die Sache in Gang zu halten. (Tages-Anzeiger)

Erstellt: 26.09.2008, 20:42 Uhr

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