«Ich war nie der schönste Mann der Schweiz»

Miguel San Juan, Mister Schweiz 2006, lebt in Horgen. Der schöne Mann über seine neue Heimat, Eitelkeit und das Alter.

Miguel San Juan ist überzeugt, dass er den Leuten nicht ewig als Ex-Mister-Schweiz in Erinnerung bleiben wird.

Miguel San Juan ist überzeugt, dass er den Leuten nicht ewig als Ex-Mister-Schweiz in Erinnerung bleiben wird.

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Sie gewannen einen Schönheits- wettbewerb, der an sich schon als eher oberflächlich gilt, und standen dann ein Jahr lang voll im Rampen- licht, es ergossen sich Bewunderung und Aufmerksamkeit über Sie, Ihr Gesicht war gefragt bei den Medien. Tut das dem Charakter gut?
Es besteht die Gefahr, den Boden unter den Füssen zu verlieren, das stimmt. Und es bedeutet ein hartes Stück Arbeit, nicht abzuheben.

Sie sagen, Ihnen sei der Ruhm nicht zu Kopf gestiegen.
Weil ich die Wahl nie ganz ernst nahm. Natürlich habe ich all meine Termine eingehalten und blieb immer freundlich, aber im Herzen habe ich den Rummel um meine Person stets relativiert. Ich habe mich auch nie als schönsten Mann der Schweiz betrachtet.

Sie galten aber als der schönste – zumindest vor zwei Jahren.
Nein: Ich war der offiziell schön- ste; ich war der, der diese Wahl gewann. Das ist ein Unterschied.

Trotzdem: Nachdem ein Jahr lang alle etwas von Ihnen gewollt hatten, gerieten Sie nach der Amtzeit in Ver- gessenheit. Fällt man da in ein Loch?
Nun, so abrupt hören die Aufträge ja nicht auf; es werden langsam weniger. Es ist darum wichtig, dass man sich schon im Wahljahr innerlich darauf einstellt, obwohl das manchmal schwer ist. Man hat keine Zeit, zu realisieren, was mit einem geschieht, und ehe man sich versieht, ist das Jahr vergangen. Zugegeben, ich machte auch eine schwierige Phase durch, aber depressiv war ich nie.

Apropos depressiv: Sie wurden eben dreissig. Erlebten Sie die viel beschworene Krise?
Nein. Vielleicht hat sie ja nur Verspätung. Im Ernst, ich hatte mit 26 grössere Angst vor dem Alter. Ich lebte ja bis vor einem Jahr in einem 500-Seelen-Dorf im Kanton Freiburg. Da fühlt man sich älter als hier in Zürich.

Das müssen Sie erklären.
Nun, in jener Umgebung, halten sich im Ausgang hauptsächlich sehr junge Leute auf. Will man abends weg, ist man gezwungenermassen unter Menschen, die viel jünger sind als man selbst. Da fühlt man sich schnell alt. Zürich hingegen strotzt vor Bars und Klubs; es gibt Lokale für jede Altersstufe.

Hand aufs Herz – hat ein ehemaliger Schönheitskönig Angst vor sich stetig tiefer grabenden Falten?
Vor Falten und Gebrechen fürchte ich mich nicht. Und ein Mann kann ja auch in der Reife sehr sexy sein, man denke da an George Clooney. Einzig mehr Zeit hätte ich gerne: Ich möchte noch so viel machen, so viel erleben, aber man bleibt ja nicht ewig dreissig – und der Tag hat nicht 48 Stunden.

Melanie Winiger, die als Schau- spielerin ernst genommen werden möchte, hadert damit, dass Medien sie noch immer primär als Ex-Miss- Schweiz betiteln. Auch Sie bleiben vom Fluch des Mister-Titels wohl nicht verschont.
Ich verstehe, dass Melanie genervt ist. Bei mir sieht die Sache anders aus: Ich arbeite in der Finanzwirtschaft und stehe nicht mehr im Rampenlicht; Modeln ist nur noch Nebenjob. Darum kämpfe ich kaum damit, ewig als Ex-Mister in den Köpfen herumzuspuken.

In Horgen, wo sie seit 2007 wohnen, stifteten Sie sicherlich einen kleineren Aufruhr mit Ihrem Einzug.
Ach, nein. Im Haus hörte ich einige Kommentare, ja, und einmal hatte ich ein Brieflein im Briefkasten, in dem mich drei junge Horgnerinnen um ein Autogramm baten, das war sehr herzig. Horgen gefällt mir. Ich wollte nach Zürich und an den See, und für mich ist die Gemeinde, im Vergleich zum früheren Dorf, sehr gross – und trotzdem ruhig. Das geniesse ich.

Was gefällt Ihnen nicht an Horgen?
Dass Karton und Papier nur einmal im Monat gesammelt werden. Ich bin selten zu Hause und verpasse diesen Termin leicht, zuweilen stapeln sich die Zeitungsbündel im Keller bis unter die Decke. Ansonsten mag ich Horgen. Die Gemeinde hat eine gute Handballmannschaft, habe ich gehört. Ich spielte zehn Jahre lang, hatte nach meinem Titelgewinn aber keine Zeit mehr. Die letzten zwei Jahre waren sportlich eine Katastrophe. Ich vermisse das Handballspielen und würde gern wieder beginnen – wenn es der Körper noch zulässt.

Noch zulässt?
Handball ist ein rauer Sport. Ich bin nicht mehr der Jüngste, und bei einigen Sportarten muss man aufpassen wegen der Verletzungsgefahr; ich will meinen Körper nicht kaputtmachen. Handball wäre schön – und sonst gibts ja noch Golf. (Tages-Anzeiger)

Erstellt: 26.09.2008, 20:37 Uhr

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