Ihr Zuhause ist die Bühne

Der nächste Schlag der grossen Unberechenbaren: Evelinn Trouble aus Zürich hat ein Konzeptalbum gemacht.

Man traut Evelinn Trouble in jedem Moment alles zu.

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Es gibt unterschiedliche Arten von guten Livebands. Zum Beispiel jene aus härteren Musiksparten, Bands, die ihre Lieder in die Säle schlagen, als wären sie Äxte und das Publikum der Baum. Oder die sensibleren Künstler, die einen beim Zuschauen einspinnen können, die einen vergessen lassen, dass da draussen eine reale, oft eher gräuliche Welt unter dem Hochnebel liegt. Und dann gibts noch solche, denen man in jedem Moment ihrer Auftritte alles zutraut; Bei ihnen weiss man nicht, wie sich die Musik in einer Minute anhören wird, aber man spürt bereits, es wird gut sein.

Evelinn Trouble, mittlerweile 26, aus Zürich, ist zwar keine Band, sondern nur eine Bandchefin, aber sie gehört klar in die letzte Kategorie. Ihre Musikalität ist enorm, ihre Abenteuerlust gross. Stets hat sie Psychedelik dabei, stets ein bisschen Soul. Die Bereitschaft zur Selbstverausgabung, zur Unterhaltung durch Überraschung und zur Aggression scheint oft stärker zu sein als die Bereitschaft zur Melodie. Das macht sie zu einer äusserst charismatischen Konzert­person, das verhindert aber wohl auch bisher die Art von kommerziellem Durchbruch, den ihre frühere Bühnenkollegin Sophie Hunger gehabt hat.

«Arrowhead» heisst die neue Platte ­von Trouble, und es ist formattechnisch – wundert das irgendjemand – wieder mal etwas, was sie noch nicht gemacht hat: ein Konzeptalbum. Als Ausgangspunkt dafür nahm sie einen Traum: In einem Flughafen schiessen ihr Indianer einen Pfeil in den Kopf, sie lässt ihn stecken, überschminkt die Wunde und fährt los zu einem Gig.

Das Album sollte den Charakter «einer klassischen Suite» haben, gab Trouble zu Protokoll, einer Suite, die aber aus Rocksongs besteht. Das Fliessende daran ist ihr sehr gut gelungen, das Markante weniger. Ein Höhepunkt der Intensität und des Vorantreibens sind die schnatternden Hintergrundstimmen im zweiten Lied «Wrong Sea». Hier gerinnt das Rockopernhafte zu einem jener punktgenauen Überraschungsmomente, derentwegen man Troubles Musik gern hört. Ansonsten scheint das musikalische Wogen auf «Arrowhead» vor allem die Basis für radikalere Live-Interpretationen zu legen. Auf gehts.

(Zueritipp)

Erstellt: 28.10.2015, 14:22 Uhr

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