Ihr könnt mich mal

Eine junge Tunesierin begehrt als Sängerin gegen die Gesellschaft auf.

Am wohlsten fühlt sich Farah auf der Bühne.

Am wohlsten fühlt sich Farah auf der Bühne.

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Es ist die Zeit kurz vor der Jasmin-Revolution in Tunesien. Farah (Baya Medhaffer), eine impulsive, selbstbewusste 18-Jährige, ist Sängerin in einer Band. Sie führt eine heimliche Liebesbeziehung mit Borhene, ihrem ­Lautenspieler. Farah möchte Musikwissenschaft studieren, schreibt sich ihrer Mutter Hayet zuliebe aber in der medizinischen Fakultät ein. Als Farah trotz Verbot ­Lieder darüber singt, wie unglücklich das Leben in ihrem Land mache, bekommt Hayet eine Warnung von Bekannten aus dem Innen­ministerium: Wenn Farah nicht aufhöre damit, gebe es Probleme. Als sie Farah darum aus ?der Stadt wegbringen will, ist die junge Frau verschwunden. Hayet weiss nicht, ob Farah ausgerissen oder ­verhaftet worden ist, und macht sich auf die Suche nach ihrer Tochter.

Leyla Bouzids fesselnder Erstlingsfilm fragt danach, wie man sich als junge Tunesierin von der Familie, der Gesellschaft und dem System lösen kann. Die Leichtigkeit der Kamera­arbeit steht im Widerspruch zur erdrückenden Angst, mit der Menschen wie Farah unter dem Diktator Ben Ali leben mussten. Überwachung ist denn auch ein wichtiges Leitmotiv: Von allen Seiten richten sich die Blicke auf Farah. Meist von Männern, die es nicht mögen, wenn Frauen zu selbstbewusst auftreten, die junge Sängerin aber doch von Kopf bis Fuss lüstern mustern, sobald sie eine Bar, einen Zug oder nur schon die Strasse betritt. Farah begegnet diesen mächtigen Blicken mit jugendlichem Trotz, besonders, wenn sie singt. Die Konzertszenen sind die schönsten des Films: Farah schreit ihre Leidenschaft und ihren ­Lebenshunger in ihr Publikum – und über die Leinwand hinaus in den Kinosaal. (Zueritipp)

Erstellt: 23.03.2016, 14:36 Uhr

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