«Im See rauben schon kleine Wellen sehr viel Kraft»

An drei Stellen des Zürichsees sollen an diesem Wochenende Seeüberquerungen stattfinden. Profischwimmer Yves Frei nimmt jedes Jahr an 10 bis 15 solcher Events teil. Er kennt alle Tücken des Sees.

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Wie unterscheiden sich die drei Seeüberquerungen?

Wädenswil ist ein echtes Volksschwimmen. Zeiten etwa werden keine abgenommen. Das Ziel vieler Laien ist ja, überhaupt drüben anzukommen. Ich schwimme die Strecke sehr gern, denn sie scheint wärmer als andere. Warum dies so ist, bleibt mir ein Rätsel. Ich habe aber schon drei Seelängen mitgemacht und stets festgestellt, dass das Wasser gegen Zürich kälter wird. Ein weiteres Rätsel ist mir die Strömung: Am linken Ufer fliesst sie bei Windstille Richtung Rapperswil. Eigentlich müsste es ja umgekehrt sein.

Und die Überquerung Küsnacht–Kilchberg?

Die motiviert jeweils stark, da man lustigerweise direkt auf die Schoggifabrik zuschwimmt, welche man schon von weitem sieht. Man muss sich ja immer ein Ziel setzen. Meilen–Horgen kenne ich nicht. Vielleicht mache ich am Sonntag diese mit, ich habe mich noch nicht entschieden. Generell ist an Überquerungen im Zürichsee schön, dass es wenig Algen hat – in andern Seen wuchern sie bis unter die Oberfläche.

An den Seeüberquerungen schwimmen viele Laien mit. Wo lauern da die Gefahren?

Vereinzelte sind von der grossen Distanz überfordert, weil sie im Training nicht so weit schwimmen. Darum rate ich, die doppelte Distanz zu trainieren. Zudem: Manche Laien bereiten sich praktisch nur im Becken vor. Das ist natürlich nicht zu vergleichen mit dem See.

Warum?

Im Becken ist das Wasser glatt, im See rauben aber schon kleine Wellen enorm viel Kraft – das unterschätzen viele. Ausserdem stösst man sich am Beckenrand jeweils von der Wand ab, das vereinfacht die Strecke zusätzlich. Auch die Kälte kann zum Problem werden. Die Lunge beginnt zu stechen, das Atmen fällt schwer, die Muskeln verkrampfen sich.

Was raten Sie in solchen Momenten?

Bei einem Krampf im Bein oder im Fuss kann man problemlos im Wasser dehnen. Ist man erschöpft, sollte man auf dem Rücken schwimmen; dieser Schwimmstil strengt am wenigsten an. Laien könnten also von Anfang an auf diesen Stil setzen. Nur wenn sie ihn auch beherrschen. Im See hat man nur den Himmel über sich und folglich keine Orientierung. Man schwimmt so leicht einen Bogen und muss eine grössere Strecke zurücklegen.

Wie muss man sich auf eine Seeüberquerung vorbereiten?

Gegen die Kälte hilft ein Neoprenanzug – oder man reibt sich mit Mehlmotte ein. Dieses ist in Apotheken erhältlich. Auch Sonnencrème darf man nicht vergessen: Das Wasser reflektiert die Sonnenstrahlen, so holt man sich schnell einen Sonnenbrand. Essenziell ist das Training. Wer vorher nicht dreimal die Woche geschwommen ist, dem würde ich eine Seeüberquerung nicht empfehlen.

Übertreiben Sie da nicht etwas? Es fahren schliesslich Boote mit.

Sich blind auf die Boote zu verlassen, ist gefährlich. Klar hat es viele, aber es hat noch viel mehr Schwimmer. Man darf sich nicht bis zur Erschöpfung schinden und darauf vertrauen, dass man sofort gesehen wird, wenn man nicht mehr kann. Es ist darum wichtig, Erschöpfungszeichen zu erkennen und früh genug ins Boot zu steigen – auch wenn der Stolz dies nur ungern zulässt.

Yves Frei, 23, ist Profischwimmer und Schwimmlehrer im Schwimmclub Thalwil. (Tages-Anzeiger)

Erstellt: 16.08.2008, 07:25 Uhr

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