Im Unterland ist der Chlaus schon ausgebucht

Einen Termin beim Samichlaus findet nur noch, wer zeitlich sehr flexibel ist. Die Unterländer Samichlausgesellschaften sind jetzt schon praktisch ausgebucht.

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Sputen muss sich, wer möchte, dass am 6. Dezember Samichlaus und Schmutzli zu einem Hausbesuch anklopfen. Bei einigen Samichlausgesellschaften geht an diesem Termin nichts mehr. Die Bücher der Samichläuse und Schmutzlis der Sankt-Nikolaus-Gesellschaft Bülach zum Beispiel sind am 6. Dezember bereits randvoll.

«Kindern ist dieser Termin nicht so wichtig wie den Erwachsenen. Hauptsache, der Samichlaus erscheint», versucht René Berset zu trösten. Er muss es wissen. Seit 51 Jahren arbeitet der Präsident der grössten Nikolausgesellschaft im Zürcher Unterland als Samichlaus. Angefangen hat er als Schmutzli wie alle der zehn Samichläuse der Bülacher Gesellschaft. Drei Jahre lang werden sie als Samichlaus geschult. Damit es ihnen nicht die Sprache verschlägt, wenn ein Dreikäsehoch versucht, sie zu provozieren, und damit sie beim Eintreten die Familiensituation sofort einschätzen können. Zehn Gruppen, die aus einem Samichlaus, einem bis zwei Schmutzlis und einem Esel bestehen, schickt die Gesellschaft zwischen dem 1. und dem 13. Dezember los. Für Familien ist dieser Service kostenlos – wobei die meisten etwas spenden. Und wer sich zeitlich nicht auf den 6. Dezember festlegt, kann die Bülacher Chläuse immer noch buchen. Auch wenn ihre Planung nur mehr wenige freie Zeitfenster kennt.

Zu wenig Chläuse

Ebenfalls kritisch sieht es in Kloten aus. Dort hat man zwar am 6. Dezember noch freie Kapazitäten. «Die liegen jedoch nicht am späten Nachmittag beziehungsweise frühen Abend», sagt Thomas Rutz, Vizepräsident der Samichlaus-Gesellschaft Kloten. Aber ihre zehn Samichlaus-Schmutzli-Paare würden auch noch bis 21.30 Uhr Hausbesuche machen. Seit dem 1. November könne man sie bestellen, was rege geschehe. Das freut Thomas Rutz, schliesslich bringe das auch Geld. Im Gegensatz zu Bülach kennt man in Kloten feste Tarife. Das Geld werde jedoch ganz im Sinne des Heiligen Nikolaus an die Bedürftigen in Form von Gutscheinen oder Waren weitergegeben. Zum Beispiel kleide die Samichlaus-Gesellschaft die Kinder von Tschernobyl, die traditionell im Frühjahr nach Kloten zur Erholung kämen, neu ein. Oder aber man finanziere ein Schullager für eines der Kinder einer alleinerziehenden Mutter. «Es gibt viel zu tun», sagt Thomas Rutz.

Er selber ist seit 20 Jahren Samichlaus. Für diese Aufgabe nehme er sich zehn Tage frei und lasse sich einen Bart wachsen. Gerne würde er mehr Samichläuse und Schmutzlis schicken, aber es gebe zu wenige Männer, die diese Aufgabe übernehmen wollen. «Alle wollen einen Samichlaus haben, aber keiner will einer sein», sagt Thomas Rutz.

«Das stimmt schon», bekräftigt Jürg Keller von der Chlausgruppe Glattfelden, aber ganz kann er das nicht nachvollziehen. «Wenn man sich das Gewand umzieht und die vielen Haare anhat, wird man ein anderer Mensch», sagt er, der seit 30 Jahren Samichlaus ist. Dieses Jahr werden die drei Glattfelder Samichläuse und neun Schmutzlis niemanden am 6. Dezember besuchen. Sie sind dann nämlich viel zu sehr damit beschäftigt, den grossen Samichlausumzug in Glattfelden am Sonntag darauf vorzubereiten. Ausserdem kommen die Kinder Ende November zu ihnen in die Waldhütte. Dafür muss man sich persönlich anmelden.

Noch freie Kapazitäten

Bei der Sankt-Nikolaus-Gruppe Embrach ist es zwischen dem 5. und dem 7. Dezember ebenfalls prekär. Zwar habe man noch freie Randzeiten, aber auch hier sei man innerhalb von Stunden mit Anmeldungen fast überhäuft worden,

Ähnlich präsentiert sich die Situation in Steinmaur. Zwar sind hier noch Anfragen für den 6. Dezember möglich: «aber nicht mehr am frühen Abend», sagt Ursula Kamber vom Samichlaus-Komitee Steinmaur. Die fünf Paare besuchen Familien vor allem in Steinmaur und Dielsdorf. Wer noch ein Paar bestellen möchte, müsse sich beeilen. «Wir haben täglich vier bis fünf Anmeldungen», sagt Ursula Kamber. Das möge zwar nach nicht viel erscheinen, sei aber für ihre relative kleine Samichlaus-Gruppe genug.

Freie Kapazitäten haben noch die Sankt- Nikolaus-Gesellschaft Niederhasli und die Sankt-Nikolaus-Gesellschaft Wallisellen. Einfach weil sie erst jetzt die Anmeldeformulare verteilen, wie Hans Sutter von der Sankt-Nikolaus-Gesellschaft Niederhasli erklärt. Und in Wallisellen kann man sich bis zum 28. November anmelden. Die Erfahrung habe gezeigt, dass gerade in den letzten Novemberwochen ein regelrechter «Run» auf die acht Samichlaus-Schmutzli-Paare besteht, sagt Präsident Ralph Baumgartner. (Tages-Anzeiger)

Erstellt: 10.11.2008, 21:41 Uhr

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