Investor hat Walliseller Zentrum im Visier

Wallisellen könnte bald eine weitere Grossbaustelle blühen. Investor Hans Hänseler spielt mit dem Gedanken, zwölf Liegenschaften an Bahnhof- und Rotackerstrasse aufzukaufen.

Sollen vielleicht schon bald einer Grossüberbauung weichen: Liegenschaften an der Walliseller Bahnhofstrasse.

Sollen vielleicht schon bald einer Grossüberbauung weichen: Liegenschaften an der Walliseller Bahnhofstrasse. Bild: David Baer

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Steht Wallisellen eine zweite Zentrumsüberbauung nach dem Vorbild von Mittim bevor? Diese Frage kursiert in der lokalen Gerüchteküche, die derzeit heftig brodelt. Die Rede ist von zwölf Liegenschaften - entlang der Bahnhofstrasse vis-à-vis der Migros, an der Rotackerstrasse und der Kirchstrasse - welche bald verkauft und abgerissen werden sollen. An ihrer Stelle sei ein weiterer Grossbau geplant. Ähnlich dem, welcher derzeit als Mittim beim Bahnhof Wallisellen realisiert wird. Dort entsteht eine Grossüberbauung mit Wohnungen, Läden und Geschäftsräumen. Von den Liegenschaftenbesitzern schräg gegenüber der neuen Walliseller Zentrumsüberbauung werden die Gerüchte über ihr Geviert zumindest teilweise bestätigt, wie Recherchen des «Tages-Anzeigers» ergeben haben.

Auslöser war die Schulgemeinde

Fakt ist jedenfalls, dass Hans Hänseler, Geschäftsführer der Glattbrugger Hänseler Immokonzept AG, tatsächlich neun von zehn Grundeigentümer zwischen der Bahnhof-, der Rotacker- und der Kirchstrasse kontaktiert hat. Seine Anfrage lautete, ob die betroffenen Liegenschaftenbesitzer an einem Verkauf interessiert wären, oder ob sie sich vorstellen könnten, bei einer Neuüberbauung mitzumachen. Die Anfrage stiess nicht bei allen Besitzern auf gleich grosses Interesse: Laut deren Aussagen erklärten sich zwei klar für einen Verkauf bereit, einer lehnte dankend ab und die restlichen sieben Besitzer haben sich bis gestern noch zu keinem Entscheid durchringen können.

Dass Hans Hänseler überhaupt auf die Idee gekommen ist, sich im Walliseller Zentrum nach weiteren Kaufobjekten umzusehen, ist auf eine Anfrage der Schulgemeinde zurückzuführen, wie der Investor sagt. «Die Schulgemeinde hat mich wegen ihrem geplanten Verkauf des Kindergartengebäudes an der Bahnhofstrasse 13 um Rat gefragt.» Eine solche Immobilie sei für ihn aber nur interessant, wenn die benachbarten Gebäude ebenfalls zu kaufen seien. Und so sei er daran gegangen, «seine Fühler weiter auszustrecken». Er habe zwar noch keine konkreten Pläne, was auf besagtem Gelände im Herzen von Wallisellen realisiert werden könnte, sagt Hänseler. Doch habe er bereits einige Ideen im Kopf. «Momentan sind alle Optionen noch offen.»

Als Investor buk Hänseler zuletzt keine kleinen Brötchen, wie das Beispiel Mittim zeigt: Am Anfang der im Bau befindlichen Zentrumsüberbauung stand ursprünglich auch nur eine Liegenschaft zum Verkauf, für die sich Hänseler interessierte. Im Frühjahr 2010 wird an gleicher Stelle ein rund 90 Millionen Franken teuerer Bau fertig gestellt, den er letztlich initiierte.

Zur Veräusserung seiner Liegenschaft an der Rotackerstrasse bereit ist der Walliseller Gemeinderat Urs Remund: «Wir können uns vorstellen zu verkaufen.» Der Besitzer* der Kirchstrasse 1 hat hingegen die Anfrage von Hänseler für eine Einbeziehung in dessen Planung nach eigenen Aussagen als einziger klar abgelehnt. Ein Verkauf komme für ihn «absolut nicht in Frage». Dies auch, weil das Gebäude renoviert und in gutem Zustand sei. Hänseler bekundet allerdings auch kein Interesse daran, «schöne und gute Liegenschaften» abzureissen, wie er auf Anfrage erklärt.

Vorgehen «nicht sehr transparent»

Bei den weiteren Gebäuden im Geviert sieht das jedoch anders aus. Nur so ist auch zu erklären, dass Hänseler mit einer Ausnahme alle Hausbesitzer aufgefordert hat, ihm den Preis für ihre Liegenschaften zu nennen. Ein Vorgehen, das bei einigen der Betroffenen für etwelche Verunsicherung sorgte. Die Zürcher Kantonalbank legte beispielsweise eine geplante Renovation ihrer Liegenschaft an der Bahnhofstrasse bis auf weiteres aufs Eis.

Andere Besitzer wiederum wissen nicht, was sie von den Anfragen Hänselers halten sollen. Man habe zwar ein entsprechendes Schreiben bekommen, seither aber nichts mehr vom Investor gehört. Sein Vorgehen sei «nicht sehr transparent», sagt einer der Hauseigentümer. Hänseler habe gesagt, dass die ganze Überbauung nicht realisiert werden könne, wenn er nicht zum Verkauf bereit sei. Dem Vorwurf, solchen Druck ausgeübt zu haben, widerspricht Hänseler. Ihm gehe es derzeit nur darum, abzuklären, wer bereit sei zu verkaufen. Nicht mehr und nicht weniger. Ausserdem habe er mit allen Beteiligten Stillschweigen vereinbart.

Über die Aktivitäten im Dorfzentrum wurde von Seiten der Gemeindebehörde bisher nicht informiert, weil laut Bauvorstand Bernhard Krismer keine offizielle Anfrage seitens des Investors vorliege.

* Namen der Redaktion bekannt. (Tages-Anzeiger)

Erstellt: 21.08.2008, 07:32 Uhr

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